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Eigen-Anbau

Polizei entdeckt Cannabis-Pflanzen

27.06.2012 | 23:00 Uhr
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Polizei entdeckt Cannabis-Pflanzen

Holzwickede. Die Nachbarn an der Bahnhofstraße trauten ihren Augen nicht so recht. Sind das Hanf-Pflanzen, die da im Garten wachsen? Nach dem Anruf bei der Polizei haben sie nun Gewissheit: Gestern früh beschlagnahmte die Kriminalpolizei vier Cannabis-Pflanzen, die ein Holzwickeder in einem Gewächshaus groß zog.

Im Rahmen des Anbaus, dem so genannten „Homegrowing“ hatte der Mann offenbar einen „grünen Daumen.“ Beim Betreten des Gewächshauses, in dem Hobbygärtner für gewöhnlich Tomaten anpflanzen, zog den Polizisten bereits der typisch-süßliche Cannabis-Geruch in die Nase. Die vier Pflanzen, jeweils in separaten Blumentöpfen groß gezogen und bereits etwa 40 Zentimeter hoch, waren bereits saftig grün.

Geringe Menge ist entscheidend

„Da kommt nicht viel bei rum“, meint Strafverteidiger Clemens Louis, der sich auf Verfahren mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtmG) spezialisiert hat. Ganz entscheidend ist die THC-Wirkstoffkonzentration der Pflanzen, die der jeweilige Gärtner im Besitz hat. Bleibt diese unter 7,5 Gramm, und liegt damit eine „geringe Menge“ vor, kann die Staatsanwaltschaft von einer strafrechtlichen Verfolgung absehen. Ist mehr reiner Wirkstoff im Besitz des Gärtners, läuft das Verfahren mindestens auf eine Bewährungsstrafe hinaus.

„Ob hier die magische Grenze erreicht ist, wage ich zu bezweifeln“, sagt Louis. Erst wenn die Pflanzen ausgewachsen und etwa 1,50 Meter groß sind, bringe die Ernte etwa 25 Gramm konsumfähiges Marihuana, aus dem wiederum der reine Wirkstoffgehalt ermittelt werden muss. „Die Polizei wird sich jetzt auch überlegen, ob sie die Pflanzen überhaupt ins Labor einschickt.“

Dem tüchtigen Gärtner aus Holzwickede könne sogar eine Strafverhandlung erspart bleiben – wenn die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe schicke. „Für viele Cannabiskonsumenten ist die Errichtung einer Cannabisplantage verbunden mit einem Rückzug aus der Kriminalität. Sie wollen nicht mehr das Risiko eingehen, das Gras von einem Dealer zu kaufen oder aus Holland einzuschmuggeln,“ sagt der Rechtsanwalt.

Gärtner verpfeifen sich oft selbst

Denn Cannabis vom Dealer habe nicht mehr die erwünschte Qualität – die verbotene Ware werde mit Zuckerwasser, Glassplittern und Haarspray gestreckt. Gras, welches von unbekannter Herkunft stammt, sei nicht attraktiv.

Eigen-Anbauer, so genannte „Grower“, seien aber immer der Gefahr ausgesetzt, verpfiffen zu werden. „Wir hatten bereits Ehefrauen, Lebensgefährtinnen, Freunde und Verwandte, die den Grower bei der Polizei angezeigt haben.“ Manchmal seien es aber die Täter selbst, die mit ihrer Zucht hausieren gingen. „Plantagenbetreiber können oft ihre Erfolge nicht für sich behalten.“ Oder die tüchtigen Gärtner verkaufen sogar überschüssiges Erntegut mit der Folge, dass die Polizei bei Festnahmen die Herkunft der Drogen aufschlüsselt. „In diesem Spiel gibt es leider keine Freunde. Jeder rettet sich selbst, wenn er mit einem Ermittlungsverfahren überzogen wird“, sagt Anwalt Louis.

Ruben Schulte

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