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Negativerlebnisse aus vielen Jahren Gewerkschaftsarbeit

24.02.2008 | 23:20 Uhr

Weddinghofen. "Wenning ist ein bisschen wie Nokia", wetterte Manfred Straeter und hatte die Genossen beim "Weddinghofer Pläuschken" sofort auf seiner Seite.

Der Sekretär der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) sprach im Albert-Schweitzer-Haus über den "Mindestlohn" im Allgemeinen - und Bergkamener Wirtschafts-Ungerechtigkeiten im Speziellen. So spielte er beim Nokia-Vergleich auf den lokalen Fisch-Anbieter an, weil "dieser aus ähnlichen Gründen seine Produktion verlagert" habe. "Wenning hat sich schon beim Umzug nach Bergkamen gesagt: ,Der Fisch ist das Wenigste an unserem Produkt. Wir brauchen Glas, Metall und Sauce - und die gibt's auch woanders.'" In Bergkamen - oder eben, wenn's billiger ist, auch in Polen. Dahin zog's den Herings-Häuter bekanntlich. "Nokia lässt grüßen." Viel Applaus gab's dafür - manch "Pläuschken"-Besucherin schaffte früher bei Wenning.

Straeter muss es wissen - der Gewerkschaftssekretär war für den Bergkamener Standort zuständig. Heute betreut er eine andere Firma, in der nicht nur Brötchen verdient, sondern auch gebacken werden. "Bei Westermann gestalten sich die arbeitsrechtlichen Probleme in ganz anderen Dimensionen als früher", erklärte Straeter. Er schilderte den Fall einer engagierten Auszubildenden, die so gut gearbeitet hätte, dass sie noch während ihrer Lernzeit eine Filialleitung übernahm. "Das wurde dann aber eben nicht Filial-, sondern Teamleitung genannt, um dem Tariflohn zu entgehen", berichtete Straeter. Dazu hätte sich diese "wirklich tolle" Mitarbeiterin dann noch "die Dreistigkeit erlaubt, einer Gewerkschaft beizutreten." Da sei ihr dann schnell mitgeteilt worden, man würde auf eine weitere Zusammenarbeit verzichten.

Mit seinen Negativ-Beispielen aus vielen Jahren Gewerkschaftsarbeit stieß Straeter bei der Bergkamener SPD auf offene Ohren. "Wieso haben wir das solange geduldet ?", wollte ein Zuhörer wissen. "Nun ja", holte der Gewerkschaftssekretär aus. "Wir haben jahrzehntelang verzichtet, um die Wirschaft anzukurbeln. Aber was haben wir dafür bekommen? Höhere Löhne? Tolle Ideen? Einen besseren Lebensstandard?" Die Antwort solle sich, so Straeter, jeder selber denken.

Von Bernd Peters

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