Arztpraxen bleiben am Aschermittwoch zu
22.02.2009 | 16:06 Uhr 2009-02-22T16:06:00+0100Bergkamen. Den Bergkamener Ärzten reicht es. Sie nehmen an einem Ärzteprotest teil. Die Folge für die Patienten: Am Aschermittwoch bleiben die meisten Arztpraxen geschlossen.
„Die Ärzte treffen sich am Aschermittwoch zu einer Protestveranstaltung in der Halle Münsterland”, teilte Dr. med. Rainer Janz, Sprecher des Ärztenetzes Bergkamen, mit.
Die Hintergründe für den Mediziner-Frust und -Prostest erklärt Dr. Janz wie folgt:
„Die ärztliche und besonders hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe ist akut gefährdet. In den nächsten Jahren wird ein großer Teil der niedergelassenen Allgemeinmediziner das rentenfähige Alter erreichen. Es findet sich indessen kein Nachwuchs.” Die Gründe, so Dr. Janz, seien die Arbeitbedingungen sowie der Honorierung, die er als „völlig unzureichend” kritisiert. „Ein undurchdringlicher Dschungel von Vorschriften ist verbunden mit einem entsprechend hohen und steigendem Aufwand an Bürokratie und Kosten.”
Janz rechnet vor: Die Kassenärztliche Vereinigung habe den Hausärzten ein „Regelleistungsvolumen” von 32,43 Euro pro Patient und Quartal zugewiesen. Übersteige die Zahl der Patienten die Zahl 1473 , so liegt die Summe bei 24,43 Euro. Bei mehr als 1669 Patienten gibt es nur noch 16,22 Euro. Janz: „Damit können wir unsere Arzthelferinnen nicht mehr bezahlen.”
Dr. Janz weiter: „Einem Arzt werden 46.800 Minuten im Quartal an Arbeitszeit zugestanden. Rechnet er darüber hinaus Leistungen ab, wird er inplausibel. Ihm werden zur Strafe Leistungen gekürzt und er landet wegen Abrechnungsbetrugs vor dem Staatsanwalt."
Das sei beispielsweise schon bei 1900 Patienten im Quartal der Fall, rechnet Janz vor. 22 Minuten seien pro Patient erlaubt; seien 900 dieser Patienten chronisch krank, gebe es pro Betroffenem 20 Minuten zusätzlich – im Quartal. Damit liegt der betroffene Arzt bei 59.800 Minuten; 13.000 mehr als erlaubt. Und da sei noch keine einzige zeitintensivere Leistung wie Krebsvorsorge oder Darmspiegelung eingerechnet, sagt Janz.
„Wir Ärzte demonstrieren daher für eine Abschaffung des jetzigen schwachsinnigen Vergütungssystems und für eine Einführung eines Hausarztvertrages, etwa wie in Bayern, damit unser Beruf auf für jüngere Kollegen wieder attrativ wird.”
Notdienst am Mittwoch:
02307/19292
0mitdiskutieren