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Herbert Paschedag

An „Säckchen“ kommt keiner vorbei

02.06.2012 | 00:00 Uhr
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An „Säckchen“ kommt keiner vorbei
Sitzt mit 86 Jahren noch immer bei jedem HSV-Heimspiel an der Kasse: Herbert „Säckchen“ Paschedag ist vermutlich Deutschlands ältester Platzkassierer. Foto: Karl Dittrich

Holzwickede. An Herbert Paschedag kommt seit 75 Jahren keiner in der Spielvereinigung Holzwickede vorbei - weder als er Verteidiger war noch heute als Kassierer. Auch mit seinen 86 Jahren wacht das HSV-Urgestein noch mit Argusaugen bei jedem Heimspiel im Kassenhaus darüber, dass sich niemand ohne Eintritt zu zahlen ins Montanhydraulik-Stadion schleicht. Damit ist Herbert Paschedag vermutlich der älteste noch aktive Platzkassierer Deutschlands.

In der HSV-Familie kennen alle Paschedag unter seinem Spitznamen „Säckchen“. Auch ein Trikot mit diesem Aufdruck haben sie ihm schon zum Geburtstag geschenkt. Eingebrockt hat sich „Säckchen“ diesen Namen, weil er viele Jahre lang mit einem Geldsack von Haus zu Haus gelaufen ist, um die Beiträge der Mitglieder zu kassieren. „Früher gab es noch viele Barzahler“, erinnert er sich. „Da waren aber auch etliche darunter, die nur ein Pröhlken halten wollten.“

Hartnäckiger Verfolger

Nicht immer war Bares zu holen. „Mein Mann hat das Geld und ist gerade zur Arbeit. Ich kann noch nicht mal Einkaufen“, war damals eine beliebte Ausrede vieler Hausfrauen. Auch darum ging „Säckchen“ später von monatlicher auf vierteljährliche Beitragszahlung über. So generös ist Paschedag nicht immer: Wenn er etwa früher auf dem Sportplatz an der Opherdicker Straße mit seinem Kassierer-Säckchen erschien und Zuschauer links um den Platz auswichen, wenn er rechts ging, konnte er ausgesprochen hartnäckig sein. Dann verfolgte er die Zaungäste solange, bis er sie gestellt hatte – ganz wie er zu seinen besten Verteidigerzeiten die gegnerischen Stürmer stellte. Und auch heute noch kommt keiner an seinem Kassenhaus vorbei, wenn „Säckchen“ darin wacht. Ausreden wie: „Ich habe mein Portemonnaie vergessen“, kennt der 86-Jährige schon lange. „Aber ich drücke nur dann ein Auge zu, wenn ich denjenigen gut kenne.“ Neben dem Kassierer-Job war es viele Jahre auch seine Aufgabe, die Plakate zur Ankündigung der Heimspiele in der Gemeinde zu verteilen und aufzuhängen.

Aktiv bis zur Fusion mit Tempo

1937 wurde Paschedag, der in Billmerich geboren ist, mit elf Jahren Mitglied der Spielvereinigung. Die Schulbank drückte er in der Nordschule, anschließend ging er bei Elektro-Kemmer in die Lehre. Auch nach dem Krieg kickte er wieder bei der HSV. „Bis zur Fusion mit Tempo Mitte der 50er Jahre.“

Nach seiner aktiven Zeit wechselte Paschedag in den Vorstand – zunächst als 2. Kassierer und Beitragskassierer. Neben Josef Klaus, der noch ein Jahr länger im Verein ist, ist er heute das älteste HSV-Mitglied. „Beide bilden das Fundament, auf dem der Verein seine Zukunft baut“, sagt HSV-Vorsitzender Rolf Unnerstall. „Wir sind froh und stolz, dass wir die beiden haben.“ Beide spielen darum auch eine Rolle im Jubiläumsfilm des HSV, der bald uraufgeführt wird.

Aufhören nicht so einfach

Weil er Probleme mit den Knien hat, verschwendete Herbert Paschedag schon einmal einen Gedanken daran, sich nächstes Jahr zur Ruhe zu setzen. Mit Hauptkassierer Frank Ditzow hat er schon darüber gesprochen. „Das geht nicht Säckchen“, reagierte der entsetzt. „Dann müssten wir die Leute ja immer umsonst reinlassen, weil wir keinen anderen haben.“ Das würde das HSV-Urgestein natürlich nie zulassen. „Also mache ich weiter, bis ich einen zweiten Stock zum Gehen brauche“, lacht der 86-Jährige verschmitzt.

Peter Gräber

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