47 Stolpersteine erinnern an jüdische NS-Opfer
07.03.2008 | 18:59 Uhr 2008-03-07T18:59:00+0100
Kamen. 47 Stolpersteine sind in der Innenstadt installiert und erinnern an das Schicksal ebenso vieler jüdischer Kamener, die Opfer des Nationalsozialistischen Terrors wurden. Für die Initiatoren ist die Aktion damit abgeschlossen.
Ernst und Martha Eichengrün sind die letzten beiden Stolpersteine gewidmet, deren Verlegung die Bürgerinitiative Zivilcourage angestoßen hat. Das Ehepaar wohnte direkt am heutigen Kreisel von Weststraße, Westenmauer und der Lünener Straße. Lünener Straße 244 lautet die eigentliche Postadresse. Martha und Ernst Eichengrün hatten 1927 in Kamen geheiratet. Sie flohen vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Holland, wurden jedoch interniert, nach Theresienstadt deportiert und schließlich in Auschwitz ermordet.
Künstler Gunter Demnig konnte hier am Freitag selbst Hand anlegenund die beiden Steine mit dem Hinweis auf das Ehepaar in den Gehwegbelag einpassen. In der neu gestalteten Fußgängerzone stellte die Stadt jeweils einen Mitarbeiter der Firma Wittfeld ab, der Vor- und Nacharbeiten übernahm um das neue Pflaster zu schonen.
Er passte auch drei Steine für Angehörige der Familie Jacoby in den Boden ein. Dort wo heute an der Weststraße 8 eine Spielothek betrieben wird, führte Hugo Jacoby bis in die 30er Jahre eine Metzgerei, bevor er inhaftiert und zum Verkauf gezwungen wurde. Er wurde nach Riga deportiert und dort ermordet. Ehefrau Klara starb an den Folgen der KZ–Haft, Tochter Hannelore überlebte.
Die Initiatoren der Bürgerinitiative Zivilcourage sind rundum zufrieden mit dem Erfolg der Aktion. Mühelos habe man für Stolpersteine für alle 47 bekannten jüdischen NS-Opfer der Stadt Paten gefunden, nun sei die Liste abgeschlossen. Die Patenschaften seien breit gestreut durch die Parteienlandschaft und Verbände, aber auch Privatpersonen übernahmen Kostenanteile. Geprüft wird noch, ob ein 48. Stein für einen Wehrmachtsdeserteur installiert werden soll, der nach einem Buchbericht in Kamen erschossen wurde.
Sollten noch Hinweise auf andere Opfer auftauchen, will die Zivilcourage dem nachgehen und eventuell Gunter Demnig erneut einladen. Der Kölner Künstler hat insgesamt inzwischen mehr als 10000 Stolpersteine verlegt.
Mit einer Umfrage in der Innenstadt befragte unsere Redaktion Kamener nach ihrer Meinung zu der Aktion. Die Reaktionen waren überwiegend positiv: Die Opfer des NS-Terrors dürften nicht vergessen werden. Einzelne Kamener, die jene Zeit mitgemacht haben, möchten jedoch gerade nicht mehr erinnert werden. Eine Fotostrecke auf der Stadtseite Kamen zeigt mehr Bilder zu der Aktion.
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