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Bauhof-Prozess

Wut auf Täter und Chefs

15.03.2010 | 22:00 Uhr

Siegen/Hilchenbach. Was war anders an diesem 8. Juli 2008? Warum ist das Martyrium des 29-jährigen Gärtners Bernd D. an diesem Tag öffentlich geworden, sodass die 60. Tat die letzte in der Reihe wurde, wegen der seine vier Kollegen auf dem Hilchenbacher Bauhof zur Verantwortung gezogen werden?

Bewegungsunfähig nach dem Schlag mit dem Rechen in den Rücken habe er sich nach Hause geschleppt, sagte er vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichts aus. „Und dann ließ ich so langsam den Kopf auf den Tisch fallen.” Dr. Steffen Lau, Psychiater an der Berliner Charite´, erklärt als Sachverständiger, warum Bernd D. das Erlittene über Jahre „unter dem Deckel” gehalten haben könnte: Er wollte als „normal” anerkannt sein – damals am Arbeitsplatz, heute vor Gericht, wo er Konzentrationsprobleme und begrenzte Fähigkeit zu gedanklichen Abstraktionen verbirgt. „Dafür muss er sehr viel Kraft aufwenden.”

Der Psychiater erkennt bei dem Opfer im Zeugenstand ein „hirnorganisches Psychosyndrom”, Überbleibsel des Verkehrsunfalls, den Bernd D. als Sechsjähriger erlitten hat. Sein Handicap, das ihn Beweglichkeit im Denken und Handeln kostet, mache ihn zu einem Menschen, „mit dem man nicht leicht Umgang hat”, sagte Dr. Lau, „wenn es ihm gelingt, einmal Fünfe gerade zu lassen, würde er besser durchs Leben kommen.” Nur: Unglaubwürdig oder persönlichkeitsgestört sei er nicht.

Im neuen Job der

„Himmel auf Erden”

Dass womöglich eine Tragik in dem Geschehen da liegt, wo Menschen am Arbeitsplatz zusammengebracht wurden, die besser voneinander ferngehalten worden wäre, deutet sich am zweiten Verhandlungstag verhalten an, wenn Bernd D. nach seinem heutigen Befinden gefragt wird – als Landschaftsgärtner bei der Kreisverwaltung, offenbar in großer Selbstständigkeit eingesetzt, manchmal sogar als „Chef” der ihm zeitweise zugeteilten Ein-Euro-Jobber. „Der Himmel auf Erden”, sagt Bernd D., Zeuge und Nebenkläger zugleich, „jetzt geht's mir gut.” Doch so euphorisch sich die Beschreibung wiedergewonnener Lebensfreude anhört, so wütend ist das Urteil über all die, denen er Schuld und Mitverantwortung anlastet. „Ich habe kein Mitleid”, erwidert er, als Verteidiger Dr. Ulrich Endres ihn eindringlich fragt, ob er sich seiner Verantwortung für das Schicksal der vier Angeklagten bewusst sei.

Vorwürfe gegen

Stadt-Mitarbeiter

Verteidiger Dr. Klaus Przybilla verwahrt sich dagegen, dass sein Mandant, der 52-jährige Hauptangeklagte Friedrich S., „als alleiniger Bösewicht” dargestellt wird. Bernd D. widerspricht nicht, als Rechtsanwältin Catrin Runge fragt, ob Widerstand nicht zwecklos gewesen wäre, wenn die drei Mitangeklagten sich gegen den Hauptangeklagten zusammengetan hätten. „Er hatte sie alle in Griff”, sagt Bernd D., der auch an anderen Akteuren der Stadt Hilchenbach kein gutes Haar lässt. „Schleimiges Geschwätz” habe er zu hören bekommen, selbst der Bürgermeister habe „alles vertuschen” wollen.

Verteidiger Dr. Przybilla stellt Fragen, in denen Bernd D. offenkundig nicht als Opfer erscheinen soll. Er bringt Ermittlungen ein, die D. veranlasst hat und die, wenn der Verdacht bestätigt worden wäre, Mitarbeitern der Verwaltung Anklagen wegen Untreue eingebracht hätten – der eine oder andere wird nun vielleicht in den Zeugenstand gerufen. Und er fragt, wer eigentlich am Steuer des Autos saß, durch das der sechsjährige Bernd so folgenschwer verletzt wurde: Es war der Bruder des amtierenden Bauhof-Chefs. Vorsitzender Richter Wolfgang Münker hatte den 29-Jährigen gewarnt: „Das wird anstrengend für Sie.”

Steffen Schwab

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Kommentare
05.07.2010
15:43
Blockierter Kommentar.
von Otto Klein | #7

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28.04.2010
14:43
Wut auf Täter und Chefs
von Bebob03 | #6

Es ist seit jahrzehnten bekannt was in Hilchenbach und umgebung für ein Pack rumläuft!!! Habe selber rechte übergriffe erlebt,welche von der Polizei ignoriert und runtergespielt wurden! Aber das ist typisch für die verbohrte,konservative haltung gerade unter den Hilchenbacher bürgern! Wenn ich sone ******* lese wie die,die Frau Rühmkorf hier schreibt,bestätigt das alles was ich selbst erlebt habe! Todschweigen und sich selbst eine tolle welt in die taschen schwätzen,so kenne ich Hilchenbach!

24.03.2010
22:39
Wut auf Täter und Chefs
von hilchenbacher | #5

wenn es doch Wahr ist! so frage ich mich,wer hält als Opfer die Prozesse so lang aus ,es wird nicht geholfen.Armes Deutschland! is vielleicht ne Kinderjury.

24.03.2010
12:47
Wut auf Täter und Chefs
von Marion Rühmkorf | #4

zu dem punkt dass der stasstsschutz nichts gefunden hat : zumindest nicht bei dem ebenfalls angeklagten, mir bekannten friedrich m.

24.03.2010
12:46
Wut auf Täter und Chefs
von Marion Rühmkorf | #3

Glaubwürdig? der gutachter sagt bernd d. sei glaubwürdig aber: er hat behauptet die angeklagten hätten waffen und rechtsradikales material zu hause, bei einer großangelegten hausdurchsuchung durch den staatsschutz wurde nichts gefunden. bernd d. behauptet die stadt hilchenbach habe die vorfälle vertuscht. aber die können das gegenteil BEWEISEN. das arme opfer !?!?! wer ist das opfer? die männer, die ihre arbeit, ihren ruf und ihre zukunftsperspektive verloren haben.ich finde die berichterstattung einseitig, das gutachter sich irren hat man ja leider schon öfter gehört (mit schlimmen folgen)

17.03.2010
18:44
Wut auf Täter und Chefs
von hilchenbacher | #2

vielleicht sind juristen garnicht inder lage,wieder zugeben wie schlimm folter ist,wie schwer machen die behörden es opfern?
eigentlich ein witz, das die übeltäter so lang in freiheit sind.
bestimmt muss jeder sich selbst befreien und kann sich auf staatliche hilfe nicht mehr verlassen,schon seit langem.
vielleicht haben auch polizei,gericht selbst angst vor stalkern und amokläufern!

16.03.2010
19:07
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #1

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