Virtuoses Musizieren im barocken Stil
04.02.2008 | 22:40 Uhr 2008-02-04T22:40:03+0100Siegen. (Loh) Das Bach-Orchester, dem Bach-Chor geschwisterlich verbunden und somit in der Martinikirche beheimatet, pflegt einmal im Jahr mit einem eigenen Programm aufzutreten.
Da der Kalender es so fügte, sagte KMD Ulrich Stötzel bei der Begrüßung der zahlreichen Zuhörer, was er eigentlich unterdrücken wollte: "Vielleicht bieten wir Ihnen eine Alternative zum Karneval." Zumindest diente die gebotene Musik zur "Rekreation des Gemütes", wie er dann ernsthaft gewünscht hatte.
Eine Besonderheit dieser Programmgestaltung: Alle So-listen spielten auch im Orchester mit, wie das in barocker Musizierpraxis üblich war. Einzig die Bratschenspielerin kam von weiter her, ist aber Siegener Kind, hat in der Städtischen Musikschule Geigen gelernt und am Löhrtorgymnasium Abitur gemacht. Jetzt wirkt sie in Leverkusen: Birthe Metzler.
Sie spielte Telemanns Viola-Konzert G-Dur und machte das Zuhören zu einem starken Erlebnis. Ihre Bratsche erfreut durch einen schönen vollen Ton, den die Musikerin absolut werkdienlich einsetzte. Ihr Vortrag - technisch hochqualifiziert - traf den Geist des Stückes, den sie mit intensiver Spannung, großer Sicherheit und stilsicherer Gestaltungsfähigkeit zum Ausdruck brachte. Am 2. März ist sie im Wilnsdorfer Museumskonzert zu hören.
Das andere Solokonzert bestritt die Flötistin Almut Pieck mit Vivaldis D-Dur-Konzert, das den Namen "Il Cardellino" führt, weil die Flöte im ersten Satz den Gesang ei-nes Stieglitz' imitiert. Das klang hübsch verspielt, wurde jedoch durch den Fluss des Musizierens als ein Ganzes präsentiert. Das "Cantabile" des Mittelsatzes blieb sehr verhalten, während der Schlusssatz die Hörer bewegend mitnahm.
Fulminant hatte der musikalische Abend mit dem dritten von Bachs Brandenburgischen Konzerten begonnen, wo die Geigen, die Bratschen und die Celli jeweils in Dreiergruppen sich so eindrucksvoll die Themen weiterreichen, dass sich ein lebendiges Wechselspiel pulsierender Klangwellen ergibt. Und das wurde herrlich schwungvoll musiziert. Nach den Solokonzerten durften die Zuhörer sich über ein besonderes Klangereignis freuen. Vivaldi setzt in seinem e-moll-Konzert vier Violinen solistisch gegen Streichorchester und Basso Continuo (der natürlich bei allen Stücken beteiligt war - höchst musikantisch exerziert!). Wie hier die Streicher solistisch oder chorisch aufeinander zugingen und sich wieder entfernten, war bemerkenswert.
Am Ende des Programms stand Bachs Doppelkonzert für zwei Violinen d-moll. Konzertmeister Sohei Takahata und sein Philharmoniekollege Guido Braun drangen mit virtuosem Spiel tief in Bachsche Ausdrucksdimensionen vor. Sie rissen durch ihre Spielfreude und ihren Gestaltungswillen das Orchester mit, das Stötzel nun nicht mehr vom Cembalo aus dirigieren mochte. Es gab viel Beifall und eine Zugabe.
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