„Talent“ mit Verspätung
11.08.2010 | 17:33 Uhr 2010-08-11T17:33:00+0200
Siegen.Die 15 „Talente“ kommen nicht rechtzeitig: Die ersten Elektrotriebwagenzüge, die ab 12. Dezember für den Rhein-Sieg-Express zwischen Siegen und Aachen eingesetzt werden sollten, werden frühestens im Februar auf die Strecke gehen.
Der Grund: Die Bahn nimmt die Fahrzeuge nicht ab, weil das Eisenbahnbundesamt sie noch nicht zugelassen hat. Das „Ersatzkonzept“ steht bereits – und ist ganz einfach: Die bisherigen Doppelstockzüge fahren weiter. Außerdem wird der einzige neue Doppelstockzug eingesetzt, der auch künftig auf der Strecke verkehrt und mit sechs Waggons und 660 Sitzplätzen auch die Verkehrsspitzen abfedert. Der Zug mit Loks an beiden Enden wird auch der erste und – bis zur Lieferung der „Talente“ – einzige mit Klimaanlage sein.
Nach Gießen sollen
neue „FLIRTS“ fahren
„Talent“-Lieferant Bombardier, der der Bahn deutschlandweit 321 Züge dieses Bautyps liefert, muss beim Eisenbahnbundesamt noch zusätzliche Gutachten vorlegen und Tests nachweisen; die Züge werden in Henningsdorf bei Berlin montiert. Die Nahverkehrs-Zweckverbände halten sich bei DB Regio Rheinland mit Vertragsstrafen schadlos.
Die Zweckverbände, unter ihnen der südwestfälische ZWS, hatten die Linie RE 9, intern auch „RSX“ genannt, vor drei Jahren ausgeschrieben. Die Potsdamer Bahn-Tochter „Heidekrautbahn“ gewann den Wettbewerb und firmiert seither als „DB Regio Rheinland“; bis Dezember ist die „DB Regio NRW“ auf der Strecke, die anders als die „Heidekrautbahn“ an die Tarifverträge des DB-Konzerns gebunden war.
Die neuen Triebwagenzüge werden in drei verschiedenen Größen geliefert und können miteinander kombiniert werden. Sie haben nicht nur Klimaanlage und Videoüberwachung, sondern gelten auch als „sprintstärker“, wie der stellvertretende ZWS-Geschäftsführer Markus Stirnberg weiß. Verbunden ist damit die Hoffnung, dass die Linie „etwas fahrplanstabiler“ wird. Weil die Triebwagen mehr Türen haben als die Waggons, wird überdies Zeit beim Ein- und Aussteigen an den Bahnhöfen gespart.
Mit dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember enden und beginnen die RE-9-Züge grundsätzlich in Siegen. Gleichzeitig übernimmt die Hessische Landesbahn den Betrieb des Main-Sieg-Express (RE 99), der im stündlichen Wechsel nach Gießen und Frankfurt fährt – übrigens mit in der Schweiz entwickelten FLIRT-Triebwagenzügen der Firma Stadler, wie sie die Firma Abellio bereits zwischen Essen und Siegen einsetzt. Probleme mit der Zulassung von Zügen dieses Typs hatte beim Fahrplanwechsel 2009 die Eurobahn: Bis vor wenigen Wochen mussten sich Fahrgäste zwischen Hagen und Venlo mit einem Ersatzfahrplan arrangieren.
11:40
Als ich eines Abends in Hagen in einen RE mit einteligen Dieseltriebzug nach Siegen einstieg, kam ich mir vor als fuhr ich mit der Straßenbahn. Auch die so hoch gelobten elektrischen Triebwagen erfüllen bei weiten nicht meinen Anspruch auf konfortables Reisen mit der Bahn. Gut: Das die Bahnstrecken von und nach Siegen niemals den Komfort eines ICE erhalten kann ich noch verstehen. Aber diese dusseligen Triebwagen, die ab Dezember nun auf allen Strecken fahren sollen. Dieser Schuss geht nach hinten los. Statt die Strecken durch einen großzügigen Streckenausbau in Verbindung mit wirklich gutem Wagenmaterial aktraktiver zu machen, geschieht genau das Gegenteil. Wo oder wer ist denn dafür verantwortlich? Ein Herr Breuer? Warscheinlich ist er noch nie mit der Bahn von Siegen aus in die Welt gestartet! Alle reden vom Bahnfahren. Aber 1 Stunde und 40 Minuten nur um von Siegen nach Hagen zu gelagen. So kann es doch nicht weiter gehen. Jetzt soll die A45 durchgehen dreispurig ausgebaut werden. Wenn man aber die Topografie im Rheinischen Schiefergebierge kennt. wie soll das gehen?
Wenn das leidige Thema Bahnanschluss von und nach Siegen nicht mit dem nötigen Willen angegeangen wird. wird diese Region in eine nicht mehr umzukehrende Krise geraten und vom Rest der Republik abgehängt.
Guten Tag
20:57
Hallo troga,
sie verwechseln die TALENT II Züge mit den älteren Diesel-TALENT, die in der Tat hauptsächlich auf Nebenstrecken verkehren. Die neuen TALENT II werden mit diesen jedoch nicht mehr viel zu tun haben. Die auf der Siegstrecke eingesetzten Züge werden 3-, 4- und fünfteilig sein und vermutlich in Doppeltraktion verkehren.
15:08
Da bin ich ja mal gespannt, wie das Sitzplatzangebot auf beiden Linien in Zukunft aussehen wird. Auf der Ruhr-Sieg-Strecke wird es ja in aller Regel ganz schön eng in den Zügen. Ich fürchte fast, dass Siegen in Zukunft noch nicht einmal mehr mit dem Schiennennahverkehr komfortabel erreichbar sein wird. Ziemlich peinlich für eine Großstadt. Talent-Züge bedienen ja bislang eher die extrem abgelegenen Nebenbahnen und unterscheiden sich vom Aufbau her kaum von einer besseren Straßenbahn.