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Philharmonie Südwestfalen spielt erstmals Filmmusik im...

Russell hätte noch stundenlang dirigieren dürfen

16.03.2008 | 19:43 Uhr

Siegen. Es war ein ungemein beifallsfreudiges Publikum beim ersten Abend für Filmmusik im Apollo. Russell N. Harris hätte noch stundenlang Zugaben dirigieren dürfen – nach Miss Marple und Charles Chaplin wenigstens noch James Bond.

Aber das war schon der Wunsch eines Spezialisten. Und von denen waren nicht viele im Saal. Harris, durch die Sachkenntnis des Publikums aus früheren Konzerten erwartungsvoll gestimmt, erlaubte sich sogar einen Anflug von Nervenzusammenbruch: „Sie wissen nicht, aus welchem Film diese Musik ist? Weiß denn keiner, wer diese wunderschöne Musik komponiert hat? Sie war doch wunderschön?" Hundertfaches Ja als Antwort.

Wie ein Lehrer, der schlecht vorbereitete Schüler vor sich hat, war er schon begeistert über jede halbrichtige Antwort. Vielleicht hatten sich die Fachleute alle für den zweiten Filmmusik-Abend verabredet. Der war übrigens ausverkauft wie der erste.

Sachnahe Fragen stellte sich das Publikum auch am ersten Abend. „Worin besteht eigentlich das Vergnügen an Filmmusik, wenn der Film nicht präsent ist? Dann fehlt doch die Logik der inneren Entwicklung.” Aus der Fachwissenschaft lässt sich diese Frage untermauern: die Musik im Film sei funktional, man höre sie nicht der Musik wegen. Und eine vom Entstehungsgrund abgehobene Betrachtung könne ihr nicht gerecht werden.

Dem, der so fragt, kann man vielleicht antworten: Wer diese Musik als Konzertmusik hört, könne vor seinem inneren Auge vielleicht eine Kette von dazu passenden Stimmungen und Ereignissen entstehen lassen. Und das Vergnügen an purer Filmmusik könne darin liegen, dass man große Stimmungswallungen, Pathos und Sentimentalitäten genießen kann, sofern man dazu fähig ist, ohne ästhetische Gewissensbisse zu empfinden.

Eine andere Frage: „Wieso erkennen wir eigentlich bestimmte Musik als Filmmusik, auch wenn wir gar nicht wissen, wo sie einzuordnen ist?” Nun, man hört selten Polyphonie. Meistens entwickelt sie sich in großen Klangflächen oder Klangströmen, und sie weckt das Bedürfnis, sich Situationen und reale Prozesse vorzustellen, weil sie das braucht, um nicht nur angenehm dahinzufließen.

Dazu war im Philharmoniekonzert reichlich Gelegenheit. Und die Musiker konnten solistisch und im Tutti ihre Klasse beweisen. Besonders gefordert waren die Schlagzeuger, die sich zu Fünft ihre vielfältigen und differenzierten Aufgaben teilten. Die Streicher glänzten mit glattem sinfonischen Klang, und der Bläsersound durfte sich gelegentlich in Big-Band-Nähe wagen.

Einen besonderen Dank erfuhr Tubaspieler Attila Benkö, der mit Harris zusammen das Programm ausgefeilt hatte, wobei manche Wünsche außen vor bleiben mussten, weil die Noten gar nicht oder nur unverhältnismäßig teuer zu beschaffen sind. Aber das bedauerten höchstens die Planer selbst. Den Besuchern reichte das Gebotene.

Dr. Knut Lohmann

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