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Razzia bei Wilnsdorfer Neonazi

09.09.2010 | 17:53 Uhr

Siegerland.Polizei und Staatsschutz haben am Donnerstag die Geschäftsräume eines rechtsradikalen Internetversandes in Wilnsdorf durchsucht.

Bei der Aktion wurden verbotene CDs und Geschäftsunterlagen sichergestellt, bestätigte die Polizei. Der Versand wird von einem Mitglied der Siegerländer Neonazi-Szene betrieben. Der Betreiber des Versands, der 26-jährige Alexander S., bewegt sich schon länger im Umfeld der so genannten „Freien Nationalisten“ und hat an mehreren Demonstrationen im Siegerland und auswärts teilgenommen. 2009 kandidierte er zudem für die NPD und ist beim VfB Wilden aktiv.

In einschlägigen Internetforen brüstete er sich immer wieder mit seinen Erfahrungen und Verdiensten in und um die rechtsradikale Bewegung und warb gleichzeitig für sein Kleinunternehmen. Der Staatsschutz bewertete die Durchsuchungsaktion als Erfolg.

Die Ermittlungen dauern noch an

Die Aktion dürfte für einige Unruhe in der Szene sorgen. Sichergestellt wurden „Geschäftsunterlagen“, so die Polizei in ihrem Bericht. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass auch die Besteller von möglicherweise rechtsradikal eingefärbten Waren jetzt aktenkundig sind. Der Versand hat in der Szene beliebte Kleidungsstücke ebenso im Programm wie beispielsweise „Aufkleberpropaganda-Pakete“ (im Sonderangebot), Benzin-Sturmfeuerzeuge, Modell Deutschland (mit Eisernem Kreuz als Aufdruck), Zelte (flecktarn) und Klebestreifen (ebenfalls flecktarn). Besonders von Interesse waren für den Staatsschutz jedoch indizierte CDs. Hinweise auf andere verbotene Gegenstände bestätigten sich nicht.

Die Durchsuchung fällt in eine Zeit relativer Ruhe in der regionalen Rechts-Szene. Öffentlich sind die Freien Nationalisten in den vergangenen Wochen kaum in Erscheinung getreten. Auch die Internetpräsenz ist bereits seit langem nicht mehr aktualisiert worden. Auch die so genannten „Kameradschaften“ in der Umgebung sind derzeit öffentlich deutlich weniger aktiv, so zum Beispiel die Kreuztaler Freien Nationalisten, die von Insidern als „dreiköpfige Jugendgang“ angesehen werden. Im Juli hatte der Staatsschutz auch in Kreuztal Wohnungen durchsucht.

Dennoch befürchten Insider weitere Aktivitäten. Eine für den Abend des 4. September befürchtete Konfrontation blieb jedoch aus. An diesem Tag fand in Dortmund – mit Siegener Beteiligung – eine Neonazi-Demonstration teil. Nach den Erfahrungen früherer Jahre rechneten etwa die Mitglieder des Kulturzentrums VEB mit Aktionen der Rechten, die jedoch in diesem Jahr ausblieben. Dem Vernehmen nach hatte die Siegerländer Gruppe in Dortmund den Zug nach Siegen verpasst.

Raimund Hellwig

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