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Christopher Street Day

Offener Umgang ist schwierig

19.08.2010 | 17:10 Uhr
Offener Umgang ist schwierig
Christopher Street Day am 15. August 2009 auf der Siegplatte

Siegen. Am Samstag findet der elfte „Christopher Street Day“ (CSD) in Siegen statt, wo Schwule und Lesben für die Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung einstehen. Das elfte Mal? Das klingt nach Normalität, sogar im Siegerland. Doch die Wirklichkeit sieht häufig anders aus.

„Die gesellschaftlichen Verhältnisse erlauben auch heute häufig noch keinen offenen Umgang mit dem Anders-Sein, dies gilt besonders für die Verhältnisse am Arbeitsplatz, für viele Familien und besonders auch für den kirchlichen Bereich“, berichtet Ansgar Cziba, Vorstand der Schwulen Initiative in Siegen (SIS). „Fast jeder, der sich schon mal auf dem Schulhof einer weiterführenden Schule aufgehalten hat, wird berichten können, dass die ,schwule Sau’ zur alltäglichen Diskriminierung in unseren Bildungseinrichtungen gehört.“ Daher sei die Aufklärung und das Einüben von Normalität mit Andersliebenden ein wichtiger Auftrag für das Miteinander der zukünftigen Generationen.

Gottesdienst findet zum zweiten Mal statt

Da auch 41 Jahre nach Abschaffung des „Schwulen“-Paragrafen 175 noch keine Normalität in der Akzeptanz anderer Lebensweisen herrscht, soll das auch das CSD-Motto unterstreichen: „Wir sind was wir sind“. Das will die Veranstaltergemeinschaft am Samstag deutlich machen. Dazu wird auch ein Zeitzeuge der langen Unterdrückungszeit von 1933 bis 1969 im Interview Rede und Antwort stehen, der für seine sexuelle Orientierung sogar ins Gefängnis wanderte.

Bereits am heutigen Freitag um 19.30 Uhr lädt die ökumenische Projektgruppe zu einem „Gottesdienst zum CSD“ in die ev. Martinikirche ein. Dieser Gottesdienst sorgte im letzten Jahr für einige Aufmerksamkeit in den Medien und hat das Thema Homosexualität und Glauben in die öffentliche Diskussion der Stadt gebracht.

Acht Stunden
Bühnenprogramm

Am Samstag startet das große CSD-Straßenfest auf dem Maria- Rubens-Platz. Unter dem Motto: „Wir sind was wir sind – Menschen“ wird von 13.30 bis 22 Uhr ein achtstündiges Bühnenprogramm geboten. Nach Verlesen eines Grußwortes der Schirmherrin, NRW-Ministerin Barbara Steffens, und der Begrüßung durch Bürgermeister Steffen Mues, gibt es Musik der bekannten Coverband „Solid Seven“, Einlagen der gestrandeten Volkspolizisten P.Laste und E. Laste sowie Showauftritte von Linda Farell und den „Schocklets“ aus Köln sowie Stand-up-Comedy mit Vera Deckers. Einer der Höhepunkte dürfte wieder der Auftritt der heimischen Cheerleadertruppe Power- Puschels werden.

Aber auch gesellschaftliche Themen werden nicht ausgespart: Im Rahmen der IWWIT Kampagne der deutschen Aids-Hilfe wird über das Leben mit HIV gesprochen, in der Talkrunde erörtern Lokalpolitiker alltägliche Diskriminierungen und Menschenrechte. Moderiert wird der Tag von Ulla von Donnerscheid und ihren zwei Assistenten Chris Castle und Sydney van der Löhr. Das Straßenfest bietet vielfältige Info- und Verkaufsstände. Ab 22 Uhr gibt es dann in der Siegerlandhalle die offizielle CSD-Party mit dem allseits bekannten DJ „Ralf Rotterdam“ .

Alexander Völkel

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