Historische Kommission zu Walter Krämer
11.11.2010 | 18:53 Uhr 2010-11-11T18:53:00+0100Siegen.Die Debatte über eine Ehrung von Walter Krämer durch die Stadt Siegen erhitzt seit 14 Jahren die Gemüter. Die Einen sehen in ihm einen großen Humanisten, der von Nazis ermordet wurde, die Anderen „nur“ einen Kommunisten und Kriminellen.
Wer dieser Mensch wirklich war, das soll eine historische Kommission klären. Eine entsprechende Kommission hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) jetzt eingefordert. Untermauert hat sie dieses Ansinnen mit 1480 Unterschriften, die die Organisation am Donnerstag an Bürgermeister Steffen Mues überreichte.
Unter der Überschrift „Walter Krämer endlich ehren!“ hatte der VV-BdA Siegerland-Wittgenstein im Zeitraum 11. April (Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald) bis 6. November 2010 (dem 69. Jahrestag der Ermordung Walter Krämers durch Angehörige der SS im KZ Buchenwald) eine Unterschriftenkampagne durchgeführt. Zu den Unterzeichnern gehören auch Prominente wie der Liedermacher Hannes Wader und der Verdi-Chef Frank Bsirske.
Ziel der Kampagne ist die Einsetzung einer unabhängigen historischen Kommission, die auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse das Leben Walter Krämers darstellt und eine umfassende Bewertung seiner Person und seines Wirkens vornimmt. Auf dieser Grundlage soll dann eine Entscheidung über die Form der Würdigung in seiner Heimatstadt Siegen getroffen werden.
Diese Forderung stößt bei Siegens Bürgermeister auf offene Ohren: „Ich glaube, dass es eine gute Idee ist, die Diskussion zu versachlichen“, so Mues. Daher sagte er seine Unterstützung zu. Dafür hat er auch die Rückendeckung des Ältestenrates.
„Wir haben bewusst diesen neuen Weg und nicht einfach die Benennung einer Straße oder eines Platzes gewählt“, begründet Joe Mertens die Initiative. Denn die Vorstöße zur Benennung, beispielsweise des Scheiner-Platzes, war bislang immer erfolglos geblieben. Sorge um die Reputation Walter Krämers macht sich die VVN nicht. Im Gegenteil: „Die Fakten liegen auf dem Tisch. Es geht jetzt viel mehr um die moralische Bewertung“, glaubt Mertens.
„Pfund für die Stadt“
Die Initiatoren sind sich sicher, dass eine unabhängige Bewertung den guten Ruf Krämers stützen kann, den dieser in anderen Orten und Ländern genießt. So hat Yad Vashem, die zentrale israelische Holocaust-Gedenkstätte, ihm nachträglich den Titel „Gerechter der Völker“ verliehen – die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel einem Nicht-Juden verleihen kann. „Walter Krämer kommt eine überregionale Bedeutung zu. Das steht der Stadt Siegen gut zu Gesicht“, so Mertens. Damit könne Siegen über die Stadtgrenzen hinaus ein Zeichen setzen.
17:38
Lieber Herr Brandstedt,
vielen, vielen Dank für diese historisch-politische Aufklärung.
Fehlten nicht auch noch Christen und Kapitalisten in ihrer Aufzählung?
Sie kommen für die Besetzung in der Kommission auf jeden Fall nicht mehr in Betracht.
16:14
Kommunisten und Nazis haben gemeinsam die Weiumarer Demokratie zerstört. Wenn die Kommunisten 33 an die Macht gekommen wären, hätten sie die Nazis umgebracht. Würden wir dann jetzt Nazis wegen ihres Widerstandes ehren?
15:43
Hoffentlich kommt die Kommission auch zu dem Ergebnis, dass Krämer eine solche Würdigung zusteht. Es ist eine Schande für die Stadt, dass sie sich bis heute nicht hat dazu überwinden können, den von Nazis ermordeten KZ-Arzt zu ehren.