Für den Sprung ins kalte Wasser
25.05.2012 | 16:56 Uhr 2012-05-25T16:56:00+0200
Siegen. „Wir haben das Gewitter natürlich dafür bestellt“, versichert Steffen Mues. Der Bürgermeister steht unter der HTS, einige Meter von der Weidenauer Feuerwache entfernt, schaut in die Sieg hinab und zu, wie Arne Stötzel seinen Kollegen Ingo Gutsch aus dem schmutziggelben Wasser des Flusses „rettet“,
„Zwei bis drei Meter“, schätzt der gerettete Feuerwehrmann die Wassergeschwindigkeit später. In Landeck in Österreich, wo die beiden Männer mit den Kollegen Holger Weber und Christian Rehn vier Tage lang eine spezielle Ausbildung in Wasserrettung erhalten haben, sei die Situation wesentlich heftiger gewesen. Aber die Vorführung zeigt, wie sich auch ein „beschaulicher Fluss wie die Sieg“ sehr schnell in ein gefährliches Gewässer verwandeln kann.
Helme und Spezialwesten
Genau diese Problematik hat Feuerwehrleiter Matthias Ebertz zuvor als Grund für die Zusatzausbildung seiner Leute genannt. Die Wehrmänner und –frauen seien überwiegend „Landratten“, hätten wenig Erfahrung mit dem Wasser. „Wir hatten in den vergangenen Jahren zwei Mal Tote zu bergen“, sagt er weiter. Dabei habe sich gezeigt, wie schwer der Umgang mit dem Wasser sei, zumal „solche Ereignisse meist eintreten, wenn es kalt und dunkel ist“.
Ebertz kam zur Erkenntnis, dass er selbst und seine Leute mehr Erfahrung für ähnliche Fälle und nicht zuletzt bessere Ausrüstung gebrauchen konnten. Mit den serienmäßigen Schwimmwesten der Feuerwehr etwa sei der Retter eher in Gefahr, als tatsächlich helfen zu können. Jetzt wurde die neue Aurüstung an die Löschzüge übergeben, die künftig jeweils auf dem Fahrzeug zu finden ist, das bei einer Alarmierung zuerst ausrückt.
Jeweils ein Zug, also zwei Personen, verfügt über eine robuste und dennoch leichte Spezialweste mit besonders gutem Auftrieb, einen leichten Wasserhelm und eine 20 Meter lange Spezialleine. Die dient sowohl der Sicherung des Retters – der sich im Fall eines gefährlichen Verhedderns aber auch sehr schnell davon befreien kann – als auch dem Erreichen eines vorbeitreibenden Menschen.
Mit der neuen Ausrüstung und einer speziell dafür geschriebenen Dienstanweisung sehen sich Matthias Ebertz und seine Leute für künftige Notsituationen bestens gerüstet. Natürlich werde zunächst der Versuch gemacht, einen Verunglückten vom Ufer aus zu retten. „Es kann aber eben vorkommen, dass einer buchstäblich ins kalte Wasser springen muss“, sagt Ebertz.
Sicher bis zur Landesgrenze
Er sei froh, dass die Siegener Feuerwehrführung immer bedacht sei, das Leben der Menschen, aber auch der eigenen Leute, sicherer zu machen, bedankte sich Bürgermeister Mues für die Initiative. Wer also künftig in die Sieg fällt, hat wesentlich besser Chancen, wieder lebend hinauszukommen. Zumindest zwischen Kreuztal und der Landesgrenze.
„Die Kollegen aus Niederschelden haben gute Kontakte nach Niederschelderhütte, da fahren wir ja auch durchaus zu Einsätzen hin“, sagt Matthias Ebertz. Viel weiter aber reiche die grenzüberschreitende Zusammenarbeit nicht, bedauert er und hofft, dass die Kollegen in Rheinland-Pfalz eigene Lösungen finden.
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