Für Bombardier das beste Jahr
27.08.2010 | 16:14 Uhr 2010-08-27T16:14:00+0200
Netphen-Dreis-Tiefenbach.In den Endmontage-Hallen stehen Drehgestelle für die Straßenbahnen in Brüssel und für den „OTU“ über die Öresund-Brücke von Dänemark bis Schweden – und auch die letzte Charge für den „Talent 2“, der auf dem Rhein-Sieg-Express eingesetzt wird.
Auch wenn es nun wegen Verspätung bei der Abnahme durch das Eisenbahn-Bundesamt gibt: „Wir sind im Plan“, betont Dietmar Klinger, Leiter der Bombardier-Produktion in Dreis-Tiefenbach.
Aus der Waggon-Fabrik ist das Herz der „Business Unit Bogies“ des kanadischen Bombardier-Konzerns geworden, oder, etwas deutscher, das Zentrum der Drehgestellfertigung. Dreis-Tiefenbach und das nordfranzösische Crespin sind die beiden Standorte, die Bombardier Transportation mit dem entscheidenden Unterbau für die verschiedenen Fahrzeuge versorgen: ob für die Doppelstockwagen, die in Görlitz montiert werden, oder für die Straßenbahnen aus dem Werk Bautzen. Im Oberflächenzentrum wartet, noch ohne Radsätze, einer der beiden Lokrahmen auf seine Lackierung, der Teil einer Traxx-Lok der 185er Reihe, die bis zu 260 Waggons lange Erz-Züge aus dem schwedischen Kiruna ziehen wird.
Tiefen und Höhen
„Ohne die Spezialisierung hätten wir nicht überlebt“, räumte Klinger, der seit drei Jahrzehnten Tiefen und Höhen des Dreis-Tiefenbacher Standorts erlebt hat, gegenüber seinen Gästen ein. Mitglieder der Netphener SPD-Ratsfraktion ließen sich jetzt das Werk zeigen. „Wir sind froh, dass so viele Familien hier in Netphen in Brot und Arbeit sind“, sagte Fraktionschef Manfred Heinz. Bombardier leiste so auch einen Beitrag, dass Menschen in Netphen bleiben können und nicht einem Arbeitsplatz hinterherziehen müssen.
Über 750 Menschen sind es derzeit, die bei Bombardier in Dreis-Tiefenbach arbeiten, schon wieder gut hundert mehr als vor zwei Jahren. Manche in Konti-Schicht, manche ganz „normal“ von 6 bis 14 Uhr. „Wir sind auf einem guten Weg“, stellte der Produktionsleiter fest. Von Wirtschaftskrise keine Spur: 2009 war für Bombardier das beste Jahr seit langem, für 2011 ist der Standort schon ausgelastet.
Schweißen in Mexiko
Dabei sind die gewerblichen Arbeitnehmer, also die Schlosser und Mechaniker, längst in der Minderzahl; mit gerade einmal 20 voll ausgebildeten Schweißern kommt das Werk aus. Konstrukteure und Ingenieure, Kaufleute und Betriebswirte haben in der Belegschaft die Mehrheit. Längst nicht jede Lok und jeder Waggon auf der Welt wird direkt aus Dreis-Tiefenbach bedient. Dort wird zwar das Drehgestell für die Straßenbahn in Toronto konstruiert. Geschweißt wird es aber in Mexiko. Und für Asien soll in Zukunft das neue Werk in Indien bauen.
Umgekehrt geht es aber auch: Die Radsätze für die Drehgestelle, deren Komponenten vom Lager bis zur Bremsscheibe in ganz Europa durchgereicht wurden, bis sie montiert in Dreis-Tiefenbach ankamen, werden ab April 2011 komplett dort hergestellt (wir berichteten). „Das war ein unheimlicher Teile-Tourismus“, erklärt Dietmar Klinger. Zwei neue Hallen entstehen dafür auf dem Werksgelände. Partner von Bombardier ist bei diesem Projekt Gruber Logistics – der Haus-Spediteur des Unternehmens in Kreuztal, der künftig dafür zu sorgen hat, dass alle Radsatzteile rechtzeitig montagebereit an Ort und Stelle sind.
Zusätzlich zu den jährlich 3600 Drehgestellen werden auf dem Dreis-Tiefenbacher Werksgelände in Zukunft also auch um die 7500 Radsätze gefertigt – immer Maßarbeit für alle Spurweiten von 900 Millimeter für die Straßenbahn in Leipzig bis 1677 Millimeter für Russland und Spanien.
20 neue Arbeitsplätze
Etwa 20 neue Arbeitsplätze werden entstehen. Den Nachwuchs gewinnt Bombardier aus den Reihen seiner Azubis: 50 gehören zur Belegschaft, dazu einige Teilnehmer am Dualen Studium. Wer kommt, bleibt lange – so war das zumindest früher: Der „Dienstälteste“ am Standort ist seit 48 Jahren im Werk.
Aufmerksam registrierte SPD-Fraktionschef Manfred Heinz die vielen Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen auf dem Besucherparkplatz: „Wo übernachten die eigentlich?“
Ob die Hotel-Frage auf die Tagesordnung kommt, ließ Heinz im Raum stehen. Bombardier, der Stolz der Keiler-Kommune, kennt die Stadt Netphen schließlich gar nicht. Offiziell firmiert das Werk als „Standort Siegen“.
11:45
In diesem Artikel macht sich schludriger Journalismus breit:
Im Artikel macht sich schludriger Journalismus breit:
Im Oberflächenzentrum wartet, noch ohne Radsätze, einer der beiden Lokrahmen auf seine Lackierung, der Teil einer Traxx-Lok der 185er Reihe, die bis zu 260 Waggons lange Erz-Züge aus dem schwedischen Kiruna ziehen wird.
Das Gesehen ist kein Lokrahmen, sondern ein Drehgestellrahmen. Vor den Erzzügen in Kiruna fahren keine Traxx 185er, sondern IORE Loks, und die Züge haben nicht 260 Wagen, sondern 68.
... also soviel Falsches in einen Satz zu packen ist schon fast eine Kunst ;-)