Ein Plädoyer für mehr Toleranz
22.08.2010 | 16:21 Uhr 2010-08-22T16:21:00+0200
Siegen.„Freut euch, feiert, liebt - und lebt”, rief Elmar Radermacher den Menschen zu, die sich am Samstag auf der Siegplatte versammelt hatten. Mit Musik und guter Stimmung wurde dort der bereits 11. „Christopher Street Day” (CSD) in Siegen begangen.
Der 75-jährige Sauerländer wurde als Zeitzeuge vorgestellt, der in den 1950er Jahren auf Grund des damaligen Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches neun Monate im Gefängnis verbracht hatte; ein lebendes Beispiel für den langsamen Wandel der deutschen Gesellschaft.
Neben guter Laune bis in den Abend, die zu späterer Stunde in einer großen Fete in der Siegerlandhalle mündete, ging es auch um Informationen. Der CSD dient nicht zuletzt auch dem Zweck, auf die anhaltende Diskriminierung der Schwulen und Lesben aufmerksam zu machen.
Aids-Diskussionsrunde
mit Politikern
„Wer hätte vor sechs Jahren gedacht, dass sich der CSD in Siegen so entwickeln würde”, fragte Guido Müller, Kreistagsfraktionschef der FDP. Mit der heimischen SPD-Ratsvertreterin Tanja Wagener und dem Bundestagsabgeordneten der Grünen Kai Gehring beteiligte er sich an einer Diskussionsrunde über AIDS und HIV-positive Menschen. Daran nahmen auch Vertreter der Siegener Beratungsstellen und überregionaler Organisationen teil.
Unter anderem auch die Initiative „Ich weiß, was ich tue” (IWIT) gekommen, die mit verschiedenen Rollenmodellen arbeiten, um Vorurteilen zu AIDS zu begegnen. Sie diskutierten über den langen Weg zu den Veränderungen, die in der heutigen Gesellschaft sichtbar geworden sind, der aber nicht zu Ende sei. Einhellig wurde gefordert, dass die Arbeit zur Information und Prävention weitergehen, die Mittel keineswegs gekürzt und nach Möglichkeit noch erhöht werden müssten.
Zu Toleranz gegenüber HIV-Positiven gebe es keine Alternative – und daran mangele es durchaus auch in der Schwulen- und Lesbenszene noch. Ob es im Jahre 2035 noch einen CSD in Siegen gebe, wollte Steffen Schwab, Landesvorsitzender des Schwulen Netzwerks NRW, wissen. Während Guido Müller ein gemeinsames Bürgerfest aller Menschen prophezeite, wünschte sich Klaus-Peter Schäfer (AIDS-Hilfe Siegen), dass es dafür keinen Anlass mehr gebe und bis dahin alle Ungerechtigkeit beseitigt sei.
Bis auf die CDU waren praktisch alle Parteien mit einem Info-Stand vertreten. Tanja Wagener, die einen runden Tisch in Siegen befürwortete, kritisierte deren Fehlen als Zeichen für mangelnde Toleranz. „Ich weiß, dass die Schwulen und Lesben in der CDU in den vergangenen Jahren auch hier mit einem Stand vertreten waren”, entschuldigte Bürgermeister Steffen Mues seine Parteikollegen. Er „komme gern”, bedankte er sich für die Einladung und das Lob von Ulla von Donnerscheid. Seit drei Jahren strahle beim Siegener CSD die Sonne; seitdem nimt er auch teil.
Mues: Chance zur
persönliche Freiheit
Jeder müsse die Chance zur „persönlichen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit” haben, ohne Ansehen „seiner sexuellen Orientierung und wie er sein Privatleben gestaltet”, forderte der Bürgermeister. Leider fehle dazu immer noch „ein Quäntchen“ Verständnis. Vielleicht reiche es schon, wenn die Gesellschaft gelassener wird und sich „nicht mehr in das Leben der anderen einmischt”.
21:12
Gut wenn man nochmal nachschaut.
Auf dem CSD in Siegen am vergangenen Samstag verteilte die FDP Jugend (Junge Liberale) gelbe Tüten mit blauem Aufdruck und Inhalt. Neben viel Papier darunter ein witziger Flyer mit der Behauptung Versprochen-Gehalten!, fand sich darin auch ein Tütchen mit Gummibärchen. Nun hatte ich mir am Dienstagabend den Inhalt der Tüte mal genauer angesehn und beim Blick auf die Gummibärchentüte musste ich lachen. Denn der Inhalt war wie die Politik der FDP, von Vorgestern. Abgelaufen waren die Gummibärchen am 1. Juli. Froh kann man nur sein, dass die JuLis nicht auch noch andere Gummis in die Tüte taten. Abgelaufene Gummibärchen sind zwar nicht schön aber sie sind nicht porös wie abgelaufene Kondome!
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Knecht