Ehrung rückt in weite Ferne
26.01.2010 | 21:20 Uhr 2010-01-26T21:20:00+0100Siegen. Als „große Blamage” bezeichnet Traute Fries (SPD) die Ablehnung im Kulturausschuss, Walter Krämer mit der Benennung einer Straße oder eines Platzes angemessen zu ehren.
Ihr Vorschlag, die Siegbrücke zwischen Maria-Rubens- und Scheinerplatz nach dem „Arzt von Buchenwald” zu benennen, fand ebenso wenig Gehör wie der Vorschlag der Grünen, die Hindenburgbrücke in Walter-Krämer-Brücke umzuwidmen. Raimund Klauser, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, hatte diese Idee. Denn: Hindenburg hatte als Reichspräsident für Walter Krämer eine Amnestie bewirkt. „Ein interessantes Zusammentreffen von Täter und Opfer”, findet Klauser.
„Ich hätte das nicht gemacht”
Die Linke unterstützt den Antrag der Grünen, macht aber auch eigene Vorschläge. Das Gebäude des ehemaligen Stadtkrankenhauses könne nach Walter Krämer benannt werden, problematisch sei dabei, dass das Gebäude im Eigentum des Kreises sei, sagte Bernhard Nolz. Die Ablehnung der Ehrung bezeichnete Nolz als „Armutszeugnis für den Kulturausschuss”.
Friedrich Wilhelm Stöcker betont, dass die politischen Aktivitäten Krämers für die FDP zweitrangig seien. Was er in Zeiten politischer Willkür Übermenschliches geleistet habe, verdiene eine Ehrung. Doch die Hindenburgbrücke umzubenennen, sei nicht sinnvoll. Er könne sich dem Vorschlag von Bürgermeister Steffen Mues anschließen, eine Straße im Neubaugebiet Giersberg nach Walter Krämer zu benennen.
Dem hätte auch die UWG zustimmen können, erklärte Ingrid Karin Tielsch. Der Mues-Vorschlag hätte auch im Ausschuss beschlossen werden können, nicht aber der Antrag der Grünen.
„Die bisherigen Ehrungen Walter Krämers reichen aus”, sagten Katrin Dittert und Jens Kamieth, beide CDU, unisono. Den Vorschlag des Bürgermeisters kommentierte Dittert: „Ich hätte das nicht gemacht”. Und fügt hinzu: „Ich bin nicht das Kindermädchen des Bürgermeisters.”
„Tür ist wieder geschlossen worden”
Steffen Mues gab aus dem Urlaub folgendes Statement ab: „Da es sich um einen Antrag an den Kulturausschuss handelt, bin ich nicht befugt, diesen auf die Tagesordnung des Rates zu setzen. Durch meine Stellungnahme (in unserer Zeitung, Red.) hoffte ich, eine Tür zu öffnen, weil ich der festen Überzeugung bin, dass man die Verdienste Walter Krämers in Buchenwald und seine KPD-Mitgliedschaft trennen kann.
Diese Tür ist leider durch den völlig unabgestimmten Antrag der Fraktion Bündnis 90/Grüne sofort wieder geschlossen worden. Aufgrund der eindeutigen Mehrheitsverhältnisse hat es wenig Sinn, jetzt weiteren Aktionismus zu entfalten, da dies zur Zeit keine Aussicht auf politischen Erfolg haben dürfte.”
0mitdiskutieren