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Politiker haben Zweifel an der eigenen "Verlässlichkeit"

Discounter-Umzugspläne beherrschen Einzelhandels-Planung

24.09.2008 | 23:55 Uhr
Discounter-Umzugspläne beherrschen Einzelhandels-Planung

Verärgert hat sich der Stadtentwicklungsausschuss gestern zu der Ankündigung der Aldi-Zentrale geäußert, das Ladenlokal im Gerberpark nicht über Mitte 2011 hinaus zu mieten.

Verbunden damit hatte Aldi - wie berichtet - die Aufforderung an die Stadt, die „Politik insgesamt” müsse sich für den von Aldi gewünschten Neubau auf dem Grundstück Dammstraße/Ruinener Weg aussprechen. Das nannte Dr. Hans Christhard Mahrenholz (FDP) „einigermaßen arrogant”. Es sei an der Stadt, eigene städtebauliche Vorstellungen für den Bereich des Marktplatzes zu entwickeln, an denen sich der Discounter orientieren könne. Dabei müsse die Stadt auch riskieren, den Händler ganz zu verlieren. Drei Märkte der Größenordnung von Rewe, Aldi und Plus seien für den Altstadt-Einzugsbereich von rund 4500 Einwohnern zu viel. „Ich brauche Aldi nicht, und meine Frau auch nicht.”

 Dr. Peter Neuhaus (Grüne) lehnte einen „Blankoscheck” für den Discounter ab, von „Erpressung” sprach Olaf Ruth (fraktionslos): „Wir hatten das schon mal” - als nämlich Lidl die Stadt dazu bewegte, Kraemers Park freizugeben, dann aber doch in Dahlbruch baute. Dieser Fall wurde gestern noch einmal Thema, als es um das von Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab immer noch gewünschte Einzelhandelskonzept ging.

 Stefan Kruse vom Dortmunder Stadtforschungsbüro Junker und Kruse sprach von „Verlässlichkeit” der städtischen Planung, die sich durch Festlegung von „Versorgungsbereichen” und „Sortimentslisten” selbst binden könne. „Dann sollten wir uns aber auch daran halten”, fand Olaf Ruth und führte den Einzug von Lidl in Dahlbruch an, den der Rat machtvoll hatte verhindern wollen. „Sofort sind wir wieder eingeknickt.” Ähnliches schwante Dr. Peter Neuhaus (Grüne) für die Zukunft. Bevor Aldi ganz aus Hilchenbach wegziehe, „findet sich hier mit Sicherheit eine Mehrheit, die das USH-Gelände öffnet.” Das Unternehmen an der Herrenwiese, das nun nach Schameder umzieht, hatte sein Grundstück an Aldi abgeben wollen - die Stadt hatte es aber abgelehnt, für den Einzelhandel außerhalb des Innenstadtrings Baurecht zu schaffen.

 Gutachter Kruse berichtete aus Erfahrung, dass Discountmärkte Abzugsdrohungen selten wahr machen („Die werden den Teufel tun”) - und gab dann schon indirekt, sozusagen im Vorgriff auf ein Einzelhandelskonzept, eine Empfehlung: Um den Marktplatz zu beleben, sei „Lebensmittel-Einzelhandel der größte Frequenzbringer”. Womit es der  Stadt noch schwerer fallen wird, das Aldi-Ansinnen zurückzuweisen. Die Kaufoption für den privaten Teil des Grundstücks an der Dammstraße hat der Hilchenbacher Makler und Projektentwickler Wolfgang Bell; die andere Hälfte des Grundstücks am Ruinener Weg gehört der Stadt. Bell hat mittlerweile seine Bereitschaft erklärt, seine Option an die Stadt oder einen von ihr gewünschten Dritten weiterzugeben - aber unter der Bedingung, dass die Option sofort „gezogen”, also das Grundstück auch gekauft wird. Dafür werden - diese Zahl wurde bereits öffentlich gehandelt - rund 500 000 Euro gebraucht.

Steffen Schwab



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