Die Oranier - Niederländische Spuren im Oberen Schloss
27.11.2009 | 18:20 Uhr 2009-11-27T18:20:00+0100
Siegen. Das Siegerlandmuseum verfügt über eine reiche Sammlung von Portrait- und Hofmalerei aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Vor allem die Arbeiten, die sich mit Friedrich Heinrich von Oranien und seiner Familie beschäftigen, sind beeindruckende Zeugnisse ihrer Zeit.
Was haben die niederländische Königin Beatrix und ihr Sohn Prinz Willem-Alexander mit Siegen zu tun? Ihre Vorfahren sind es, die den royalen Glamour mit dem Siegerland verbinden. Genauer gesagt, sind es die Oranier. Zwei Zweige der Nassauer, mit wesentlichem Einfluss auf das Haus Oranien, hatten lange Zeit ihren Sitz in Siegen.
Auf eindrucksvolle Art dokumentiert das Siegerlandmuseum im Oberen Schloss die Verbindung mit einer Fülle von Darstellungen der Oranier und Friedrich Heinrichs, der zu den berühmtesten Mitgliedern der Familie zählt.
Vorliebe für das Militär früh entdeckt
Friedrich Heinrich von Oranien war der jüngste Sohn Wilhelm des Schweigers und seiner vierten Frau Louise de Coligny. Schon bald nach seiner Geburt 1584 entdeckte er seine Vorliebe für das Militär, das sein Leben prägen sollte. Sein größter Coup sollte die Eroberung von Breda 1637 werden, die als „eine der glänzendsten Waffentaten der Zeit” beschrieben wird. Er jagte die Stadt, die zuvor Residenz seines Vaters und seiner Vorfahren war, den Spaniern wieder ab.
Zudem festigte er die Macht des so genannten Statthalters und begründete das „Goldene Zeitalter” der nördlichen Niederlande. Ihm oblag unter anderem die Befehlsgewalt über Truppen und Flotte.
Die Darstellungen seiner drei Töchter, die er gemeinsam mit Amalia von Solms-Braunfels hatte, sind typisch für das Schönheitsideal der Zeit. „Sie sind zwar Schwestern, doch haben sie alle auf den Bildern lange Finger, ein üppiges Dekolleté und ein Doppelkinn”, sagt Professorin Dr. Ursula Blanchebarbe, Direktorin des Siegerlandmuseums. Eine der drei, Louise Henriette, heiratete Friedrich Wilhelm von Brandenburg, den berühmten Großen Kurfürsten.
Daneben zeigt das Siegerlandmuseum eine ganze Reihe grafischer Darstellungen Johanns VI., dem zuverlässigen Partner seines Bruders Wilhelm der Schweiger. Er war zunächst Lutheraner, danach Calvinist, mit 20 Kindern aus drei Ehen.
Vornehmste Reiterbildnisse
Ebenso beeindruckend sind die Reiterbildnisse wie etwa ein Kupferstich Moritz von Oraniens – gehören sie doch zu den vornehmsten Darstellungen in der Portraitkunst. Moritz war der zweite Sohn von Wilhelm dem Schweiger und ebenfalls Statthalter, allerdings vor seinem Halbbruder Friedrich Heinrich.
Die Oranier verfügten zunehmend aufgrund ihrer exponierten Stellung über Geld, das sie umso mächtiger machte. Zusätzlich sicherten sie ihren Einfluss durch das Recht, in vielen Städten Bügermeister und Schöffen bestimmen zu dürfen, heißt es im Ausstellungsband des Siegerlandmuseums, „Friedrich Heinrich von Oranien und seine Familie”. Und sie setzten Offiziere ein bis zum Hauptmann – alles im Dienst des Machterhalts.
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