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Die Herrgottschnitzer aus dem Setzetal

01.06.2012 | 18:28 Uhr
Die Herrgottschnitzer aus dem Setzetal
Schutzheilige der Landwirte im Setzetal: Günter Stauß mit Walburga und Isidor.

Siegen-Niedersetzen. Eine steile eiserne Treppe führt hinauf zum Garagen-Obergeschoss von Gerd Engelhard im Niedersetzener Brachhain 37. Niemand vermutet am Ende dieser Himmelsleiter etwas Besonderes.

Versteckt und von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt öffnet sich am Ende der Treppe eine „Meisterwerkstatt“ der Holzschnitzerei. Hier haben die „Herrgottsschnitzer vom Setzetal“ ihr geheimes Refugium – und das bereits seit vielen Jahren.

„Das ist wie bei einer Geburt“

Die fünf betagten Herren, die sich einmal monatlich in der kleinen Werkstatt treffen, sind der Kreativität verbunden wie ihr im Frühjahr im Alter von 90 Jahren verstorbener Lehrmeister Ferdinand Wienen.

1962 wurde der gelernte Krankenpfleger in die Reihen der VHS-Lehrer aufgenommen, gab seither ungezählte Kurse für Holzschnitzerei. Bis kurz vor seinem Tod hat er sich immer wieder um die fünf „Hobby- Holzwürmer“ aus dem Siegener Norden gekümmert.

Inzwischen haben sie in Niedersetzen ihre handwerkliche Heimstatt gefunden haben. Da ist zunächst Helmut Müller. Der 67-jährige ehemalige Maurer ist bereits seit 15 Jahren Hobby-Schnitzer. Kunstvoll „zaubert“ er aus dem Holz der Birke u.a. Siegerländer Berg- und Hüttenmänner „wie Gott sie schuf“.

Überhaupt: „Schnitzen ist ganz leicht. Die Figuren sind schon im Holz fertig angelegt. Man muss sie nur mit dem Werkzeug befreien und ans Tageslicht holen“, erinnert Lothar Pfau an die Aussage seines Lehrmeisters Ferdinand Wienen. „Das ist wie bei einer Geburt.“ Der Ex-Walzwerker zählt bereits 75 Lenze. Er bezeichnet seine Kunstwerke denn auch als „Geschöpfe quer durch den Garten“, will heißen: Der Mann (hand-)werkelt äußerst vielseitig. Auf Engel hat sich dagegen der 72-jährige Kfz-Fachmann Gerd Engelhard spezialisiert. Aus seinem zahlreichen Urlauben in bayrischen Gefilden hat er immer wieder neue Schnitzideen mitgebracht.

Schlossermeister i.R. Günter Stauß (70), dessen Vater „Henner“ einst eine bekannte Kleinstgaststätte in Niedersetzen führte, nennt zwei besondere „Schätzchen“ sein eigen. Walburga und Isidor, zwei Heiligenfiguren aus dem Alpenland, hat er aus Siegerländer Holz geschnitzt und anschließend im Südtirol-Urlaub gleich mit einer landesüblichen Farbgebung versehen. Sie gelten seither als Schutzheilige der Setzer Landwirte. Ganz in der äußersten Ecke des Niedersetzener Herrgottswinkels sitzt Kursleiter Guido Brühl aus Alchen. Der 72-jährige ehemalige Maschinenbautechniker ist ein Perfektionist. „Ohne Geduld geht es nicht“, lässt der Alchener wissen und greift zum ständig bereitstehenden Cappuccino. Am liebsten modelliert er kleine filigrane Figuren wie Mutter und Kind oder seine vielbeachteten „Liebende“.

Immer wieder neue Techniken probiert Guido Brühl aus. „Das geht auch schon einmal ins Auge“ gesteht er vielsagend und deutet auf eine kräftige Narbe an seinem linken Handrücken. „In jedem Holz ist die Figur schon drin. Man muss nur den Rest einfach wegschnitzen“, so beschreibt auch Guido Brühl sein Kunsthandwerk.

Horst Bach

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Die Herrgottschnitzer aus dem Setzetal
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