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Hauen und Stechen im Stadtentwicklungsausschuss

Die erste Runde geht an die kleinen Dörfer

19.11.2007 | 20:28 Uhr

Netphen. (wp) Erstmals seit Monaten, vielleicht Jahren, lagen am Montag Abend in Netphens Stadtentwicklungsausschuss Richtung weisende Themen zur Beratung an.

Die Diskussion, wie und wo die Stadt noch Bauplätze bereitstellen kann, endete in einem Hauen und Stechen.

Was auf den ersten Blick wie der Auftakt eines Verteilungskampfes zwischen den 21 Dörfern des Stadtgebildes aussah, erwies sich bei näherem Hinsehen als hilfloses Kämpfen um diese und jene Wiese am Dorfrand.

Die Fraktionen waren offensichtlich kaum auf die Tragweite des Diskussionsprozesses vorbereitet, die Netphens Bauverwaltung mit ihrer Vorlage zur „Wohnbauflächenentwicklung in Netphen” einläuten wollte. Erwin Rahrbach hielt als Bau-Fachbereichsleiter gegen diese Meinungstendenz der Fachpolitiker, unterlag letztlich. Der Verwaltungschef fehlte in der Sitzung. Die Politiker nahmen die erste Hürde auf dem Weg, das Stadtentwicklungs-Konzept zu zerpflücken. Das dokumentierte sich in dem Mehrheitsbeschluss, das obere Johannland als vierten Siedlungsschwerpunkt der Stadt festzuschreiben und dort wie in Dreis-Tiefenbach, Netphen und Deuz verstärkt Wohnbauflächen zu erschließen. In Netphen hatte man die Dörfer Werthenbach, Irmgarteichen und Hainchen in der Vergangenheit gern als einen solchen Schwerpunkt bezeichnet. Für die Landesplanung hatte die örtliche Lesart keine Bedeutung. Dort werden die Dörfer mit ihrer Bevölkerungszahl einzeln gerechnet. Paul Legge (CDU) beantragte die Besserstellung des Johannlandes und setzte sich damit durch.Der gestern vom Stadtentwicklungsausschuss gefasste Beschluss versetzte dem Ziel des Rathauses, sich in Zeiten dramatisch eingebrochener Neubauzahlen auf Schwerpunkte zu konzentrieren, einen Volltreffer. Der Beschuss von Politikern anderer Dörfer, beispielsweise aus Herzhausen oder Walpersdorf, hatte dazu Vorarbeit geleistet.Dabei hatte Erwin Rahrbach zuletzt fast flehentlich darauf verwiesen, dass natürlich auch in den kleinen Stadtteilen weiter Neubauland beplant werden könne, falls es dort Nachfrage gebe. Doch eine Vorratspolitik wie in Netphens goldenen Jahren könne es nicht mehr geben. Wichtig sei es für die Zukunft, die Zentralorte zu stärken, denn die Umlanddörfer brauchten sie. Die Bevölkerungsentwicklung lieferte den Ausgangspunkt zu den Vorschlägen des Rathauses, die Baulandpolitik Netphens neu auszurichten. Die Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschuss-Vorsitzende, Annette Scholl, die selbst aus einem der kleinen Stadtteile kommt, stand dabei auf Seiten der Verwaltung. Experten sähen bereits die Gefahr, dass die alten Otrskerne leer stehen und verfallen, hielt sie Legge und seinen Mitstreitern für großzügige Bauland-Ausweisung im Umland entgegen. Ihr Hinweis blieb von der Mehrheit ebenso ungehört wie der Appell von Erwin Rahrbach, man dürfe einfach nicht mehr auf „Teufel komm 'raus” Baugebiete ausweisen. Ebenso wie der von Manfred Heinz, der angesichts der massiven Forderungen von den Oberläufen des Dreisbach, der Sieg und Werthe entgegen hielt, hier werde „so geredet, als ob wir in zehn Jahren 10 000 Einwohner mehr haben in Netphen”. Dabei gehe es doch in dieser Diskussion darum, alles zu tun, „dass wir die 24 500 Einwohner, die wir heute haben, in Zukunft halten können”.

Dirk Herrmann


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