Demonstranten in Siegen sollen Lösungen liefern
26.11.2009 | 18:39 Uhr 2009-11-26T18:39:00+0100
Siegen. Der Rote Hörsaal in der Universität Siegen bleibt bis Freitag besetzt. Das Zugeständnis erhielten die protestierenden Studenten vom Rektorat. Sie sollen einen Katalog ihrer Kritikpunkte und möglicher Lösungen entwickeln. Ziel des Streiks ist ein Modellprojekt "Freie Uni Siegen" zu gründen.
Für die Besetzer der Uni Siegen ist wichtig: Sie dürfen bleiben. Bis Freitag duldet das Rektorat die Studierenden im roten Hörsaal. Die Dozenten, die dort eigentlich lehren würden, weichen derweil auf andere Räume aus. So kommt es zu keinem Ausfall in der Lehre.
Der Entscheidung vorausgegangen war ein Gespräch zwischen dem Rektorat in Person von Prof. Dr. Holger Burckhardt und den Studierenden. Wie schon am Montag waren wieder rund 300 Menschen im Saal, auf den Fluren um den Saal drängten sich viele Interessierte, die keinen Platz gefunden hatten.
Rektorat bietet Gesprächstermin
Das Ergebnis des Gesprächs: Die Studierenden sollen einen Katalog ihrer Kritikpunkte und möglicher Lösungen entwickeln. Am 9. Dezember können sie sich dann mit dem Rektorat treffen, um die Ergebnisse zu besprechen. Eine solche Entwicklung hatte sich in der Protestgruppe von vornherein abgezeichnet: Studierende hatten bereits letzte Woche angedacht, ein Modellprojekt „Freie Uni Siegen” zu gründen (wir berichteten). Ziel war die Kommunikation der Missstände in den Studiengängen. gewesen. Das Gespräch im Hörsaal bezeichnete Prof. Burckhart in einer Pressemeldung als „kreativ-konstruktiv”.
Am Herzen lagen der Gruppe „Roter Hörsaal” das Thema Studiengebühren, aber auch prinzipielle Zielsetzungen in der Siegener Uni-Entwicklung. So befürchteten sie in der Ausrichtung der Bachelor-Studiengänge eine Öffnung der Universität für die Wirtschaft und damit die Benachteiligung der Geisteswissenschaften. Burckhart: „Zu behaupten, ich verkaufe diese Universität an die Wirtschaft: ,Das ist das Allerletzte'”.
Diskurs auch über Uni-Entwicklung
Das Thema der Viertelparität in den Gremien ließe sich in Siegen nicht verhandeln, so Burckhart. Auch den Entwurf zur neuen Fakultäts-Struktur nahmen die Studenten scharf in die Kritik. Die Sorge: Wenn die bisher 12 Fachbereiche in wenigen großen Fakultäten zusammengefasst würden, könnten die einzelnen Fächer ihre Autonomie einbüßen. So vertraten die Demonstranten durchaus nicht nur Ziele ihres eigenen Interesses, sondern beleuchteten Uni-Strukturen nach dem Bologna-Prozess hochschulpolitisch. Bei den Bachelor-Studiengängen, so Burckhart, bestehe bis 2013 die Möglichkeit der Neu-Strukturierung.
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