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Auf den Spuren der Altersarmut

09.10.2008 | 18:47 Uhr

Siegen. Zum Stadtrundgang der besonderen Art hatten das Institut für Kirche und Gesellschaft und das Diakonische Werk im Kirchenkreis Siegen eingeladen: "Auf den Spuren der Armut - Alter und Armut" lautete der Titel der geführten Wanderung durch ...

Über Altersarmut informierte unter anderem Rainer Capito (2.v.r.) von der Initiative "Handeln statt Misshandeln, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Stadtrundgangs. (Foto: privat)

... Siegen. Unter Leitung von Günther Hensch (Institut für Kirche und Gesellschaft) und Jens Reppahn (Diakonisches Werk) wurden Plätze und Institutionen aufgesucht, an denen Altersarmut in unserer Region sichtbar wird. Oder wo kompetente Gesprächspartner unterschiedliche Facetten und Zusammenhänge von Alter und Armut erläuterten.

"Grundsicherung"

an 1 000 Senioren

Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass Altersarmut in der politischen Diskussion zur Zeit nur als geringes Risiko eingeschätzt werde. Sie prognostizierten aber, dass Armut im Alter zukünftig eine der größten sozialpolitischen Problemlagen zu werden drohe. Risikofaktoren seien brüchige Erwerbsbiografien, Krankheit oder Vereinsamung.

Bernd Alberts, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Siegen, wies auf die demografischen Entwicklungen hin, die zu einer Verschärfung dieser Risiken führen werden. Der Anteil älterer Menschen werde steigen, während die Geburtenrate sinke. Somit sei das heutige Rentenniveau erheblich in Gefahr, zumal viele Menschen derzeit nicht in der Lage seien, private Altersvorsorge zu treffen. Alberts: "Heute schon beziehen mehr als 1 000 Siegener Bürgerinnen und Bürger Grundsicherung im Alter." Diese Zahl werde weiter steigen.

Erich Kerckhoff vom Verein AlterAktiv berichtete, dass die vorhandenen Hilfeangebote für alte Menschen oft nur schwer zu erreichen seien. Häufig sei bereits eine Unterstützung im Alltag sowie der soziale Kontakt ausreichend, um Altersarmuts-Risiken etwa durch Vereinsamung zu minimieren.

Den Bezug von Krankheit, Alter und Armut stellten Rainer Capito, Vorsitzender der Initiative "Handeln Statt Misshandeln", sowie Mitarbeiterinnen der Diakonie Pflege her. Krankheit im Alter bedeute oftmals, dass Menschen nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten. Die pflegenden Angehörigen seien oft überfordert. Dies äußere sich manchmal in physischer und psychischer Gewalt gegen die Pflegebedürftigen. Durch Gespräche, öffentliche Thematisierung und die Zusammenarbeit mit Heimbeiräten und Heimaufsicht habe der Verein in den vergangenen zehn Jahren zu erheblichen Verbesserungen beitragen können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie Pflege würden auf unbürokratische Möglichkeiten der Unterstützung von Angehörigen hinweisen. "Wir sind bekannt, zu uns herrscht Vertrauen. Dadurch können sich oft die Angehörigen auch ganz anders öffnen als gegenüber Verwandten oder Behörden", so Sonja Irle vom Pflegedienst der Diakonie.

Heike Henrichs-Neuser stellte den Kleiderladen der Diakonie Netzwerkarbeit in der Friedrichstraße vor, der auch von vielen bedürftigen alten Menschen genutzt werde. In den anderen Läden des Trägers (zum Beispiel in Freudenberg oder Kreuztal) sei dies nicht so ausgeprägt. Vielleicht sei dort die Scham größer als im eher anonymen großstädtischen Rahmen.

Wunsch der Gruppe:

Regionaler Bericht

Zum Abschluss wies Ute Waffenschmidt-Leng, Pfarrerin der ev. Martini-Kirchengemeinde, in einer Andacht im Bistro B der Diakonischen Behindertenhilfe auf die theologisch und sozialethisch begründete Notwendigkeit hin, Missständen wie Armut als Individuum wie auch als Kirche zu begegnen und sich für eine nachhaltige Veränderung einzusetzen.

Die mehr als 20 Teilnehmer des Stadtrundgangs regten einen regionalen Armutsbericht an, um die aktuelle Problematik auch gegenüber der Politik zu verdeutlichen. Nur so könnten gezielte kommunale Strategien gegen die Armut entwickelt werden.

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