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Pferdezahnarzt

Bohren und trösten

26.09.2008 | 17:47 Uhr
Bohren und trösten

„Kann zwischen 20 Minuten oder zwei Stunden dauern, kann auch daneben gehen, Pferdezähne sind kompliziert.” Der Patient reagiert erstaunlich gelassen auf die lakonische Bemerkung von Pferdezahnarzt Marius Keussen.

Die Tragweite der Worte des wohl einzigen mobilen Zahnarztes für Pferdezähne weit und breit ist „Bonny” nicht ganz klar. Der 14-jährige Norweger-Mix von Christiane Komp aus Hüinghausen steht, fachkundig schmerzberuhigt, im „Praxisraum” auf dem Reithof „Hoppeditz” auf dem Wellin. Blickt unter dichten Wimpern vertrauensvoll Frauchen Komp und den mit seiner Ausrüstung angereisten Pferdezahnarzt an: Muss der Zahn „P 1” wirklich gezogen werden?

Der Tierarzt, der sich inzwischen nur auf die Pferdezahnmedizin konzentiert, hat seine mobile Praxis mitgebracht. Die ähnelt der Check-Station einer modernen Autowerkstatt, ist aber überhaupt nicht auf Computertest eingestellt. Die dentistischen Instrumente ähneln ihrerseits, erschreckend überdimensioniert, denen für den Menschenzahn. Auf dem Pferdehof mit dem umwerfenden Panoramablick wird Marius Keussen heute acht Pferdegebisse kontrollieren und wenn nötig behandeln. Die gute Seele des Hofes ist Maryke Oversohl, die vor 23 Jahren der Liebe wegen von der niederländischen Nordseeküste in die sauerländischen Berge zog.

„Pferdeflüsterin” und „Hoppeditz”-Nachbarin Michaela Gebauer assistiert dem Pferdedentisten bei seiner Arbeit. War früher der Dorfschmied zuständig für Pferdezähne – beim Menschen quälte auch der Barbier –, hat sich heute eine richtige Zahnmedizin für die Riesenzähne entwickelt. „Ist der Eiter in der Nebenhöhle weiß oder gelb?” fragt der Pferdedoktor, der sich sogar mit Schmerztönen, ob spitz-unerträglich oder dumpf-noch aushaltbar, bei den Tieren auskennt. Natürlich auch mit dem „fiesen, kariösen Geruch” beim faulen Pferdezahn.

Spritze in den Hals, „Bonny” taumelt ein bisschen, die Schnauze zittert, dann ist das „Schätzchen” ganz ruhig. Marius Keussen erkennt jedes Pferd wieder, nicht unbedingt die das Tier umgebenden Menschen. Die Griffe der ellenlangen Zange sind mit einem Fahrradschlauch zusammengebunden, die Zunge des Tieres im Gatter ruhig, „jetzt heißt es prömmeln, prömmeln, prömmeln. . .” Blut an den Handschuhen des Dentisten, Angst, dass der schon ältere Zahn brechen könnte beim Heraushebeln. Nach gut 40 Minuten deshalb Abbruch: „Das Risiko ist zu hoch, es könnte starke Blutungen geben.” „Bonny” muss in die Spezialklinik in Dülmen. Marius Keussen macht per Handy einen Termin für den 1. Oktober aus. Tränen in den Augen von „Bonnys” Frauchen, auch die anderen Zaun-Gäste sind betroffen. Nun hat das arme Tier doch schon so gelitten. . . Aber Respekt vor der Umsicht des Fachmanns: „Ich weiß, was ich kann – und was nicht!” Der Patient bekommt Medikamente, die lückenlos registriert werden müssen – für eine mögliche Zukunft als Turnierpferd (Doping) oder Schlachtpferd: „Pferde stehen gesetzlich da wie Mastschweine”, so Keussen lakonisch.

Trostworte des ebenso fachkundigen wie netten Dentisten mit dem Pferdeschwanz für das Frauchen, noch eine Mundspülung per Schlauch für „Bonny”. Der schaut jetzt durchs Fenster von draußen nach drinnen und informiert lautstark wiehernd unter dem Motto „die Nächsten bitte”, Stute „Donna” und Wallach „Bug”, ausführlich über das, was ihnen gleich bevor steht.

Marlis Denkert



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