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Martinrea-Mitarbeiter in Meschede „schwer enttäuscht“

14.10.2011 | 14:31 Uhr
Martinrea-Mitarbeiter in Meschede „schwer enttäuscht“

Meschede. Die IG Metall hält es für nahezu ausgeschlossen, dass der neue Honsel-Eigentümer Martinrea sämtliche Forderungen gegenüber der Belegschaft durchsetzen kann. Wir wir berichteten, verlangt der kanadische Konzern von seinen Mitarbeitern in Meschede fünf Stunden Mehrarbeit ohne Lohnausgleich sowie den Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. „Das wird sich die Belegschaft nicht gefallen lassen“, meint Wolfgang Werth, Bevollmächtigter der IG Metall.

Denn: Honsel ist an den Tarif in der Metallbranche gebunden, Abweichungen sind nur mit Zustimmung der Gewerkschaft möglich. Sie lässt seit Montag durch ein Institut prüfen, ob ein Grund dafür vorliegen kann. Martinrea muss seine Bücher öffnen und seine Pläne vorlegen - nur bei Notlagen, Sanierungen oder Investitionen für die Zukunft kann vom Tarif abgewichen werden. Werth geht davon aus, dass die Prüfungen bis voraussichtlich zum Dezember andauern wird.

Er hält es auch nicht für ausgeschlossen, dass Martinrea „Ideologie behaftet“ agiert: „Nach dem Motto: An den anderen Standorten weltweit werden auch 40 Stunden gearbeitet, so auch in Meschede.“ Der kanadische Konzern habe sich als sehr unerfahren im deutschen Tarif- und Arbeitsrecht gezeigt - „wollen wir hoffen, dass er lernfähig ist.“ Die Belegschaft ist nach Angaben der IG Metall „schwer enttäuscht“. Sie fühle sich wie zu Zeiten des Finanzinvestors Ripplewood.

Oliver Eickhoff



Kommentare
15.10.2011
14:13
Martinrea-Mitarbeiter in Meschede „schwer enttäuscht“
von Miroslav | #2

Die Liste der Grausamkeiten, die der neue Eigentümer Martinrea aus Kanada den Honsel-Mitarbeitern zumutet, ist lang und schwer verdaulich: 5 Std./Woche umsonst arbeiten, Verzicht auf Akkordlohn und Zuschläge bzw. Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Das macht summa summarum bei einem Monatslohn von € 3.000 brutto eine reale Lohnkürzung von € 13.000/Jahr aus.

Diese Praktiken erinnern mich stark an die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens aus dem Jahr 1843, der damit auf die Not der Armen in der Gesellschaft Englands aufmerksam machen wollte. Im Mittelpunkt seiner Erzählung steht der geizige, rücksichtslose und menschenverachtende Geschäftsmann und Raubtierkapitalist Ebenezer Scrooge, der seine Mitarbeiter äußerst schlecht bezahlt und sogar an Heiligabend bis zuletzt durcharbeiten lässt. Erst als Scrooge mit dem Geist der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht konfrontiert wird, der ihm das Leid seiner Mitarbeiter vor Augen führt und ihm ein Schrecken ohne Ende nach seinem kurz bevorstehenden Tod prophezeit, erfährt er die entscheidende Wendung seines Lebens. Im Angesicht des Todes kommt Scrooge nämlich zur folgenden Erkenntnis: Die Wege der Menschen deuten ein bestimmtes Ende voraus, auf das sie hinführen, wenn man auf ihnen beharrt. Aber wenn man von den Wegen abweicht, ändert sich auch das Ende. Daraufhin läutert sich Scrooge und wird fortan zu einem besseren und liebenswerten Menschen.

Genau diese Einsicht des Ebenezer Scrooge wünsche ich dem neuen Eigentümer Martinrea bei den bevorstehenden Verhandlungen mit dem Honsel-Betriebsrat und der IG Metall. Betrachten Sie den Menschen und Mitarbeiter nicht ausschließlich als Kostenfaktor, sondern als Menschen, der von seiner Hände Arbeit eine Familie ernähren und menschenwürdig leben muss und der es in jedem Fall wert ist, in den Mittelpunkt allen Wirtschaftens und Handelns gestellt zu werden. Denn, auch die Geschäftsleitung von Martinrea muss eines Tages vor Gott Rechenschaft über seine unverantwortlichen Entscheidungen ablegen. In genau sechs Wochen begehen wir den 1. Advent. Wäre es da nicht der denkbar ungünstigste Zeitpunkt und die fatalste Entscheidung überhaupt, gerade das Weihnachtsgeld ersatzlos zu streichen? Oder will der Arbeitgeber Martinrea etwa bewusst die Massenkaufkraft schwächen und nicht mehr vom Weihnachtsgeschäft an sich profitieren?

14.10.2011
20:46
Martinrea-Mitarbeiter in Meschede „schwer enttäuscht“
von Gneisenau | #1

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