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Beim Rollstuhltanz verschwimmen Grenzen

07.05.2012 | 18:10 Uhr
Beim Rollstuhltanz verschwimmen Grenzen
Irene Fortuno-Harbecke und Marius Heinemann zeigen beim Training des TSC Olsberg, welche Eleganz in einem Rollstuhltanz stecken kann.

Bigge. Mit dem Rollstuhl in die Disco oder auf die Tanzfläche eines Schützenfestes – warum eigentlich nicht? Tanzen in den vielfältigen Bewegungs- und Ausdrucksformen gehört heute zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten von Menschen mit Behinderung im Rollstuhl.

Bereits seit 13 Jahren hat sich dieses Sportangebot für Menschen mit und ohne Behinderung im Tanzsportclub Olsberg etabliert. Wenn sich die Olsberger Rollstuhltanzgruppe im Tanzstudio des TSC trifft, herrscht ein tolles Klima und freundschaftliches Miteinander.

„Nicht nur der Sport, sondern auch die Geselligkeit und der Spaß in dieser Gruppe motiviert Teilnehmer aus dem gesamten Hochsauerlandkreis regelmäßig zum Training nach Olsberg zu fahren“, weiß der Abteilungsleiter Martin Künemund zu berichten. Beim Rollstuhltanz verschwimmen die Grenzen zwischen „behindert“ und „nichtbehindert“.

Die Freude an Bewegung zu Musik steht bei Allen im Vordergrund. „Doch wie es sich für einen guten Sport gehört, wird beim Training auch kräftig geschwitzt, besonders wenn Cha Cha, Samba, Walzer oder Disco Fox trainiert werden“ stellt der Übungsleiter Marcus Rohrer klar. Der Rollstuhltanz eignet sich auch als Rehabilitationssport. Er fordert vom Rollstuhltänzer eine exakte Beherrschung des Rollstuhls. Neben der Interpretation von Musik ist das Rollstuhltanzen auch durch eine präzise Technik gekennzeichnet.

Exakte Stopps, zentrische Drehungen, Vorwärts- sowie Rückwärtsdrehungen sind wichtige Grundelemente dieser Sportart. Auf der Tanzfläche herrscht Gleichberechtigung zwischen Rollstuhlfahrer und Fußgänger. Beide Partner müssen den gleichen Anteil zum harmonischen Bewegungsablauf zur Musik beitragen. Erstmals in der 13-jährigen Geschichte der Olsberger Rollstuhltanzgruppe hat diese mit mehr Läufern als Rollstuhlfahrern ein „Luxusproblem“.

Daher ist man auf der Suche nach neuen Rollis, die bisher nicht das Rollstuhltanzen ausprobiert haben, weil sie keinen Tanzpartner hatten.

„Ich selbst möchte trotz meiner Behinderung am öffentlichen Leben teilhaben. Es macht einfach Spaß, bei Festen nicht nur anderen beim Tanzen zuzuschauen sondern selbst aktiv zu sein“ versucht Bärbel Schlinkmann, seit vielen Jahren begeistere Rollstuhltänzerin, Neueinsteiger zu motivieren. Tanzen verbindet im über 400-Mitglieder starken TSC Olsberg. So ist es bei Bällen und anderen Veranstaltungen selbstverständlich, dass Fußgänger und Rollstuhlfahrer gemeinsam auf der Tanzfläche vertreten sind. Im Verein wird geselliges Beisammensein, soziale Interaktion und sportliche Betätigung optimal verbunden. Einige der Olsberger Rollstuhltanzpaare haben sich ein weiteres sportliches Ziel gesetzt: Am 20. Mai findet im Josef-Prior-Saal des Bigger Josefsheims ein großer Breitensport-Wettkampf im Rollstuhltanzen statt. Dazu werden Tanzpaare aus ganz Nordrhein-Westfalen und Hessen erwartet. Vielleicht gelingt dem ein oder anderen Olsberger Tanzpaar vor heimischen Publikum mit einem Platz auf dem Treppchen eine Überraschung. Doch der sportliche Erfolg steht nicht im Vordergrund.

„Unser Ziel ist es, auf diesen Integrationssport und unsere Gruppe aufmerksam machen, um Interessierte anzusprechen“, so Künemund. Dieser Rollstuhltanz-Wettkampf ist eingebettet in mehrere Standard-Tanzturniere für Fußgänger. Auch dieses unterstreicht, dass beim TSC Olsberg nicht nur von Integration gesprochen sondern praktiziert wird.

Wer Standard- oder lateinamerikanische Tänze lernen möchte, muss somit nicht unbedingt in einen klassischen Tanzkurs gehen. Das Training der Olsberg Rollstuhltanzgruppe fordert Nichtbehinderte und Rollstuhlfahrer gleichermaßen.



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