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Rettungsanker Gemeinschaftsschule

23.03.2011 | 18:43 Uhr
Rettungsanker Gemeinschaftsschule

Lünen.In Brambauer könnte die erste Lüner Gemeinschaftsschule entstehen. Doch zuvor muss Reinhold Bauhus, Schulleiter der Achenbach-Hauptschule, noch viel Überzeugungsarbeit leisten – bei Eltern, Parteien, Verwaltung und bei den Verantwortlichen der Realschule Brambauer.

So könnte die Gemeinschaftsschule aussehen: in den Jahrgangsstufen fünf und sechs würde in der heutigen Realschule an der Brechtener Straße ein integrativer Ansatz verfolgt. Nach der sechsten Klasse müssten sich die Schüler entscheiden: strebten sie einen Abschluss der Sekundarstufe I an, würden sie zur Achenbachschule wechseln und dort in den verschiedenen Profilklassen (Handwerk/Technik, Wirtschaft/Verwaltung, Gesundheit/Soziales/Ernährung/Hauswirtschaft) gezielt auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet. Schüler, die das Abitur anstreben, würden an der Brechtener Straße bleiben. „Wünschenswert wäre natürlich auch eine gymnasiale Oberstufe“, sagt Bauhus.

69 Anmeldungen nötig

Voraussetzung für eine Gemeinschaftsschule sei lediglich, dass gymnasiale Standards bis zur Klasse zehn gewährleistet seien. Natürlich, betont Bauhus, sei auch nach der siebten Klasse ein Wechsel zwischen den Schullaufbahnen möglich. Voraussetzung für eine Gemeinschaftsschule in Brambauer seien vor allem zwei Dinge. Erstens müssten sich bei Informationsveranstaltungen in den Grundschulen mindestens 69 Eltern für das Modell begeistern. Zweitens müsste die Stadt prüfen, welche Auswirkungen eine Gemeinschaftsschule auf andere Schulformen hätte.

Die Vorteile einer Gemeinschaftsschule: Derzeit pendelten über 50 Prozent der Brambaueraner Schüler in andere Stadtteile bzw. Städte. „Die könnten eine Menge Zeit und Fahrtkosten sparen“, so Bauhus. Des Weiteren würde sich mit diesem zusätzlichen Bildungsangebot auch die Attraktivität des Standortes Brambauer erhöhen.

Spätestens seitdem die rot-grüne Landesregierung die Verbindlichkeit der Schul-Empfehlung aufhob, sah sich Bauhus zum Handeln gezwungen. „Eltern wollen die Hauptschule partout nicht“, sagt Bauhus und berichtet von am Boden zerstörten Müttern und Vätern, deren Kind auf die Hauptschule zurückgestuft worden sei. Vor dem Hintergrund der rückläufigen Anmeldezahlen (18 für 2011/12) stellte Schulamtsleiter Jürgen Grundmann kürzlich fest, dass die Hauptschulen in Lünen nur noch für zwei Jahre gesichert seien.

Motivierte Jugendliche

Eine Schließung der Achenbachschule würde auch das Aus für einige erfolgreiche Projekte bedeuten. Beim „Grünen Klassenzimmer“ verwandelten Achenbachschüler eine 1000-Quadratmeter-Brachfläche in einen Garten samt Sinnespfad. Auch eine Fahrradwerkstatt-AG erfreut sich großer Beliebtheit. Als nächstes ist die Gründung einer Schülerfirma geplant, die den Schulkiosk bewirtschaften soll. Was Bauhus besonders freut: „Ich beobachte tagtäglich, dass sich die Schüler über ihre Zukunft unterhalten.“ Die Motivation der Schüler, sich einzubringen, habe deutlich zugenommen. Bei den Lernpartnerschaften mit Aurubis, Toom und Malzer würden die Schüler Schlange stehen. Auch die enge Verbindung mit der Freien Handwerkerschaft zahle sich aus. „Wir sind auf diese Schüler eingestellt, erreichen sie durch individuelle Förderung – in anderen Schulen und größeren Klassen würden sie untergehen.“ Bauhus fordert: „Was hier geschaffen wurde, muss in einer andere Schulform gerettet werden.“

Gregor Westerbarkei

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