Kraft lässt es mächtig menscheln
11.04.2010 | 17:48 Uhr 2010-04-11T17:48:00+0200Lünen. Es menschelte mächtig: Wir wissen jetzt alles über Hannelore Krafts Familienleben, den Sohn Jan, den Mann, der noch nach 18 Jahren Ehe Blumen mitbringt, ...
... dass sie Borussia Mönchengladbach zuneigt, aber selbst Handball spielte, dass sie nach der Banklehre Wirtschaftswissenschaften studiert hat, dass ihr Vater mit 50 an Krebs starb und sie selbst schon eine Woche mit einer (falschen) Krebsdiagnose gelebt hat.
Die Menschen im vollen Hansesaal erfahren dies am Freitagabend alles in einem Gespräch mit dem früheren WDR-Moderator Reinhard Münchenhagen, der Applaus dafür bekommt, dass er Praktikant bei der Westfalia war. Die Spitzenkandidatin der SPD gestaltet ihren Wahlkampf völlig anders als erwartet. Hannelore Kraft kommt schnörkellos daher, lässt sich von jedem ansprechen. Den Stil habe sie selbst entwickelt, sagt sie im Gespräch in der Pause, sogar gegen einigen Widerstand in ihrer Partei. Sie giftet an dem Abend nicht wie im Landtag gegen Rüttgers. Sie will eine Partei, die unten nach oben funktioniert, keine, die Politik verordnet.
Nach der Pause kommt der Landtagsabgeordnete und Kandidat Rainer Schmeltzer mit auf die Bühne. Beide erzählen, dass sie arbeitende Menschen besucht und mitgearbeitet haben, Kraft unter anderem in einer Polizei-Nachtschicht und im Altenheim, Schmeltzer bei Kanne in der Backstube und bei den WBL auf dem Müllwagen. „Dort sind die Leistungsträger der Gesellschaft”, sagt Hannelore Kraft. Oft habe sie gehört „Warum fragt Ihr uns nicht, was notwendig ist?” Niemand habe nach mehr Geld gerufen, aber die Rente mit 67, das schaffe nicht jeder.
Schließlich kommen sie vor den Kommunalpolitikern im Saal nicht am leidigen Thema der städtischen Finanzen vorbei. „Wir haben 35 Millionen Euro Defizit in Lünen, Bund und Land klauen uns das Geld”, ruft Rainer Schmeltzer unter Applaus. Hannelore Kraft spricht sich für eine Halbierung der Lasten für den Osten und stärkere Beteiligung des Bundes an den Hartz-IV-Kosten aus. Kommunale Schulden müssten auf eine Landesbank verlagert werden, meint sie.
Die fortgeschrittene Zeit lässt keine lange Diskussion mehr zu. Eins will die SPD-Spitzenfrau aber noch loswerden: „Meine Priorität ist, wir lassen kein Kind mehr zurück, wir brauchen Bildung, Bildung, Bildung.” Kaum jemand hat zuvor den Saal verlassen.
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Jepp!!
00:37
Wenn nicht Wahlkampf wäre, könnte man das Geschwafel glatt glauben!
23:11
Wer NRW als Absteigerland bezeichnet, wird nicht gewählt. Des heisst, wir wählen die SPD nicht. NRW hat 8.000 neue Lehrerstellen geschaffen, den Unterrichtsausfall halbiert und im Jahr 2008 einen ausgeglichenen Haushalt gehabt.
NRW ist keine Absteigerland!