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"Herzenskaiserin" mit tiefen Abgründen in der Seele

23.05.2008 | 19:26 Uhr

Lünen. (floh) Eine Kaiserin im Trainingsanzug, joggend, ihren Lauf nur für Aerobic-Übungen unterbrechend, verbissen in ihrer Bewegung: Diese Kaiserin ist Elisabeth von Österreich, dargestellt von Tirzah Haase im ersten Bild ihrer szenischen Lesung "Sissi

Schauspielerin auf den Spuren einer Kaiserin: Tirzah Haase mischte für ihre szenische Lesung über Elisabeth von Österreich Fiktives, Biographisches und Autobiographisches. (Bild: F. Adam)

... - Leben und Mythos der Herzenskaiserin" - am Mittwochabend im Cafe? vom Steintor. Natürlich, es ist nicht die "klassische" Sissi, auch wenn die rotbraune Lockenperücke als Reminiszenz unverkennbar ist. Es ist eine moderni-sierte Version, "Sissi reloaded" sozusagen. "Wie wäre Sissi heute?", fragt die Dortmunder Schauspielerin, während sie sich aus dem Sport-Aufzug schält und schließlich in weißer Hose und knallrotem Tüll-Oberteil dasteht. Haases Antwort: Elisabeth würde unsere heutige Welt sicher rasch zu schätzen wissen; eine moderne Welt, voller Angebote zur sportlichen Körperstählung und mit den vielen Möglichkeiten der kosmetischen Chirurgie.

"Sie war zu Lebzeiten schon ein Mythos, das hat sie prima hingekriegt", betont Tirzah den Reiz ihres selbstgewählten Themas - ebenso wie seine Schwierigkeiten. Szenen aus den "Sissi"-Filmen mit Romy Schneider spielt sie an, stellt diesen verklärten Zeitgeist-Dokumenten der 50er Jahre Texte aus Biographien gegenüber und streut Gedichte aus dem "poetischen Tagebuch", jenem Ventil und Seelentrost aus der Feder der Kaiserin selbst, ein. Schildert Haase im ersten Teil der Lesung Elisabeths Weg an den Wiener Hof, geebnet ebenso wie aufgebürdet durch die Verliebtheit des Kaisers Franz-Josef, so weicht im zweiten Teil alles Märchenhafte, das der Anfang hätte verheißen können, dem Blick auf ein Leben, das von verzerrter Selbstwahrnehmung und Süchten bestimmt ist: Essgestört, krankhaft sportfanatisch, so besessen von der Schönheitspflege, dass stundenlanges Frisieren und Ankleiden ihr kaum Zeit zum Leben lassen. Klar, auch diese Elisabeth bleibt "nur" eine Version der Kaiserin, der Haase andeutungsweise konkurrierende Versionen gegenüberstellt. Aber sie ist eine Version, in der sich viel Universelles über Extrem-Persönlichkeiten, Manien, Zwänge und die innere Zerrissenheit dahinter mitteilt.

Viel los war nicht bei dieser letzten Veranstaltung der Reihe "Melange im Cafe? vom Steintor" vor der Sommerpause. Schade drum.



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