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Interkultureller Diskurs

Fremdheitsmarkierung steht Integration im Weg

08.03.2010 | 07:00 Uhr

Lünen. Verhüllte Frauen, betende Männer und Moscheen mit Minaretten - das ist das Bild des Islams, welches die Medien nicht erst seit den Terroranschlägen des 11. Septembers vermitteln, so Dr. Sabine Schiffer, Gründerin des Instituts für Medienverantwortung in Erlangen.

Ihr einstündiger Vortrag mit dem Titel „Medien und Islam und die Formation antiislamistischer Bürgerbewegungen”, den sie gestern Vormittag im gänzlich gefüllten St. Georg-Gemeindesaal hielt, regte im Anschluss eine lebhafte Disskussion unter den Anwesenden an.

Zu Beginn machte die Expertin den Relativitätscharakter eines jeden Medienerzeugnisses deutlich. „Medien müssen Informationen selektieren. Indem sie Teilaspekte und Begriffe auswählen, legen sie eine Perspektive nahe. Es entstehen Konstruktionen, die in manchmal mehr und manchmal weniger representativ sind.” Außerdem sei es ein natürlicher Vorgang, dass der Blick auf die Dinge durch „Vorurteile” geleitet werde, sodass man in erster Linie das bestätigt sehe, was man vermutete. „Dieses Raster schränkt uns in der differenzierten Wahrnehmung ein. Auch Empfindungen schwingen mit. So kommen die Bilder von 'den Anderen' zu stande.”

Die Islamkonstruktion, so Schiffer , laufe subtil auf der ästhetischen Ebene ab, indem „Illustrationsgewohnheiten” immer wieder aufgegriffen würden. „Prototypisch ist zum Beispiel die Frau mit Kopftuch. Diese Markierung der Fremdheit läuft der Integrationsbewegung entgegen, da sie letztendlich an diesen Frauen hängenbleibt.” Des Weiteren seien die Themen, die in den Medien im Zusammenhang mit dem Islam behandelt werden, so auch die Unterdrückung der Frau, nicht islamspezifisch, so Schiffer.

Eine ernstzunehmende Gefahr sieht Schiffer in der Möglichkeit, dass rechtsradikale Gruppe das von den Medien vermittelte Bild des Islams benutzen, um bestehende Ängste zu schüren - ein Trend, den der interkulturelle Dialog thematisieren müsse.

Dieser ging im Anschluss an den Vortrag dann auch lebhaft von statten. Geleitet durch den Islambeauftragten des Kirchekreises, Udo Kytzia, meldeten sich auch viele junge Leute zu Wort. Das angesprochene „Feindbild des Christenthums im Islam” sorgte für Aufregung. „Die Christen sind nicht unsere Feinde”, hieß es aus dem Publikum - eine Annahme, so Schiffer, die sehr idealistisch sei, denn Vorurteile herrschen auf beiden Seiten. So brachte nicht nur der Vortrag, sondern vor allem der Gesprächsbedarf während der Diskussion zum Ausdruck, dass der interkulturelle Austausch einiges aufzuholen hat.

Auch interessierten sich die Anwesenden für die Auswege, die das Institut für Medienverantwortung aus der von Schiffer herausgestellten Problematik suche. „Wir wollen Medienreflektion anregen - ein Vorgang der auch zur schulischen Bildung gehören sollte.”

Julia Katharina Kirstein

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