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Diskriminierung

Fitnessstudio nimmt Türken nicht auf

11.09.2009 | 13:09 Uhr

Gahmen/Horstmar. Einem türkischen Mann ist die Mitgliedschaft in der Fitness-Hall in Horstmar verwehrt worden. Der Geschäftsführer gab an, „dass das Ausländerkontingent bereits erschöpft sei".

Was war vorgefallen? Anfang August wollten sich die Gahmenerin Sengül Ersan und ihr Mann Özem in dem Horstmarer Fitnessstudio zusammen anmelden. Dort wies man die beiden ab. Die Begründung: Das Studio habe bereits zu viele Mitglieder, der einen Aufnahmestopp erfordere. Sie sollten es aber noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt versuchen.

Studio warb um neue Mitglieder

„Zwei Wochen später bekamen wir aber die gleiche Antwort", sagt Sengül Ersan. Zum damaligen Zeitpunkt habe sich die 32-Jährige noch nichts dabei gedacht, bis ihr einen Tag später ein Flyer der Fitness-Hall in die Hände gefallen sei. „Dort wurde um 70 neue Mitglieder geworben", erzählt Ersan. Also rief die Juristin noch einmal in dem Studio an, gab diesmal mit ihrem perfekten Hochdeutsch einen deutschen Namen an. Daraufhin habe eine Mitarbeiterin ihr gesagt, dass eine Mitgliedschaft kein Problem sei, wenn sie heute noch vorbei kommen könnten.

Geschäftsführer ist nicht zu erreichen

„Natürlich sind wir dann noch einmal dorthin gefahren, um die Mitarbeiter mit ihren Aussagen und ihrem Verhalten zu konfrontieren. Der Geschäftsführer sagte uns dann, dass ihr Ausländerkontigent erschöpft sei und deswegen mein Mann nicht aufgenommen werden könne."

Fitness-Hall-Geschäftsführer Ronny Mallwitz war für unsere Zeitung trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu erreichen.

Der Vorfall wurde vom Multikulturellen Forum inzwischen aufs Schärfste verurteilt. Es stellte in einer Pressemitteilung klar, dass diese „Ausländerquote" eindeutig fremdenfeindlich sei. „Wir bedauern zutiefst, dass solche Fälle in unserer Stadt auftreten", betont Kenan Kücük, Geschäftsführer des Forums. Es sei absolut inakzeptabel, Kunden aufgrund ihres Herkunftslandes vorzuverurteilen. Kücük: „Vielleicht ist es an der Zeit, dass Kunden solche Unternehmen zum Umdenken zwingen, indem sie ihren Vertrag kündigen. Nur so erfahren sie, dass Fremdenfeindlichkeit dem Betrieb schadet und nicht nutzt." Kücük selber hat seinen Vertrag in der Fitness-Hall Horstmar bereits gestern gekündigt. Das Multikulturelle Forum hofft, dass diesem Beispiel in den nächsten Tagen und Wochen noch viele folgen werden. Daher sei es wichtig, dass die Lüner Öffentlichkeit auf den Fall in dem Horstmarer Fitnessstudio aufmerksam werde. Kücük betont: „Wir können eine solche Ungleichbehandlung in unserer Stadt nicht dulden."

Vorfall in anderen Studios kontrovers diskutiert

Willi Engelbertz, Migrationsbeauftragter der Stadt, sieht das genauso. „Gerade in einem zusammenwachsenden Europa können wir uns nicht mehr leisten, dass Menschen auf diese Weise diskriminiert werden", sagt Engelbertz. Außerdem verstoße das Verhalten des Geschäftsführers gegen geltendes Recht. Engelbertz: „Seit 2006 gibt es in Deutschland ein Gleichbehandlungsgesetz, das eine solche Haltung verbietet."

Der Vorfall wird in anderen Lüner Fitnessstudios durchaus kontrovers diskutiert. „Zwar ist eine Ausländerquote bei uns kein Thema, aber ich finde sie nachvollziehbar. Traurig ist auch, dass diese Haltung gleich so hohe Wellen schlägt", sagt Jürgen Lorenz, Mitinhaber eines Fitnessstudios in Brambauer.

Anders sieht das Uwe Liedtke, der in Lünen ein Sportstudio betreibt. „Sicherlich kann es mal zu einer Abweisung kommen. Denn in einem Fitnessstudio muss eine gewisse soziale Struktur erhalten bleiben. Aber die Verweigerung darf nicht erfolgen, weil jemand Ausländer ist. Was dort passiert ist, ist eine Frechheit, eine Schweinerei!"

Jonas Knoop

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