Er ist anders - aber nicht anders herum
24.04.2009 | 16:24 Uhr 2009-04-24T16:24:00+0200
Männer haben Muskeln. Männer sind furchtbar stark. Männer können alles. Aber können sie auch einen Minirock tragen? Rainer Henschel* kann. Er ist ein Mann. Einer, der das „Cross-Dressing” liebt, also gern Frauenkleidung trägt.
Lange hat Henschel seine Neigung heimlich ausgelebt. Doch er will sich nicht länger verstecken – und auch anderen Cross-Dressern Mut machen. Deshalb hat er eine Selbsthilfegruppe gegründet.
Schwul. Peinlich. Pervers. Attribute, die Männern in Frauenkleidern anhaften wie wasserfeste Schminke. „Es gibt viele Vorurteile”, weiß Rainer Henschel. „Und viel Unwissenheit.” Der 42-jährige Lüner – seit 19 Jahren verheiratet, Vater eines Sohnes, „und zu 100 Prozent hetero” – möchte das ändern.
Er möchte aufklären; vor allem darüber, was Cross-Dresser nicht sind. Keine Transsexuellen, die sich im falschen Körper gefangen fühlen. Und keine Transvestiten, die als Frauen erkannt werden wollen. „Beim Cross-Dresser kann man ruhig sehen, dass er ein Mann ist”, sagt Henschel und streicht sich demonstrativ über die dunklen Stoppeln seines Dreitagebarts. „Ich bin unwahrscheinlich gerne ein Mann. Ich möchte einfach nur tragen dürfen, was ich will!”
An diesem Tag sind es Jeans und Turnschuhe – auf den ersten Blick ist Henschel durch und durch „Typ”. Wären da nicht die beiden Beulen unter seinem T-Shirt. „Körbchengröße A”, sagt der 42-Jährige und lächelt. Einen BH trägt er fast täglich. Seinen Lieblingsdress holt er dagegen nur zu besonderen Anlässen aus dem Schrank: schwarze Langhaarperücke, knielanger Rock, Strumpfhose. „Und die Pumps mit der Holzmaserung.”
Seine Neigung auszuleben war für Henschel lange undenkbar. Vor 15 Jahren hat er sie entdeckt. „Als ich beim Bügeln plötzlich einen Rock meiner Frau in den Fingern hatte.” Er probiert ihn an, einfach so aus Spaß. Und er fühlt sich gut. „Irgendwie sexy”. Dabei sei es gar nichts Sexuelles, das er mit seinem ungewöhnlichen Modegeschmack verbinde. „Es ist eher eine seelische Befriedigung.”
Weil er sie häufiger spüren möchte, schlüpft er immer wieder in Kleidungsstücke seiner Frau. Bis sie eines Tages früher als gewöhnlich nach Hause kommt – und ihn im Rock erwischt. „Da hat sie ziemlich überrascht aus der Wäsche geguckt”, erinnert sich Henschel.
- Die Selbsthilfegruppe für Cross-Dresser trifft sich an jedem zweiten Samstag im Monat ab 17 Uhr im Gesundheitshaus Lünen, Roggenmarkt 18 bis 20
- Beim ersten Treffen haben sich dort bereits acht Gleichgesinnte eingefunden.
- Nähere Informationen gibt es bei Lisa Nießalla von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (K.I.S.S.) des Kreises Unna unter Tel. (02306) 100 572
- Direkter Kontakt zur Gruppe per E-Mail: crossdresser-luenen@web.de
Seine Frau nimmt ihm das Versprechen ab, „sowas” nicht wiederzutun. „Ein paar Wochen hab' ich es durchgehalten. Aber dann hat es wieder angefangen zu kribbeln”, sagt Henschel. Heute weiß er: „Cross-Dressing ist ein Teil von mir, darauf zu verzichten geht nicht.” Schlechte Erfahrungen habe er bislang nicht gemacht, gerade Frauen reagierten positiv. „Einige sind sogar neidisch, weil ich Größe 36 tragen kann”, sagt Henschel und grinst.
Für seine eigene Familie ist das ausgefallene Hobby allerdings schwer zu v´erkraften. Der 17-jährige Sohn findet die Leidenschaft des Vaters „ekelhaft”. „Meine Frau dachte anfangs, dass das eine Krankheit ist, die man heilen kann.” Erst der Besuch bei einer Familienberatungsstelle half dem Paar, mit der Situation umzugehen.
Seitdem räumt die Ehefrau dem 42-Jährigen Freiheiten ein: Er besucht Treffen mit Gleichgesinnten, hat eine Selbsthilfegruppe im Lüner Gesundheitshaus ins Leben gerufen, er geht ganz selbstverständlich in der Damenabteilung einkaufen und trägt die Sachen nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen. In der Nachbarschaft kennt man Henschel inzwischen auch auf Neun-Zentimeter-Absätzen. „Es gab da nie Konfrontationen. Eine Nachbarin hat mir sogar einen Rock genäht”, sagt er und betont: „Ich nehme aber auch Rücksicht auf meine Familie und meide die ganz große Öffentlichkeit.”Arbeitsplatz und Familienfeste sind ebenfalls rockfreie Zonen.
Ein Kompromiss, mit dem Henschel gut leben kann. „Ich habe Glück, dass ich eine verständnisvolle Frau habe. Und sie hat gesehen, dass ich auch ein guter Ehemann bin – ich bin ja Freund und beste Freundin zugleich,” sagt der 42-Jährige. Er lächelt, selbstbewusst und befreit. „Es tut gut, endlich zu wissen, was ich will: Ich will im Stehen pinkeln können, Fußball im Radio hören, Bier trinken – und trotzdem 'nen Rock anhaben!”
*Name von der Redaktion geändert
10:39
ich finde es einfach es ist ein supergefühl wenn ich eine feinstrumpfhose anhabe und damit durch die wohnug laufe. aber rausgetraut habe ich mich damit noch nicht. manchmal ziehe ich mir auch einen kurzen schwarzen seidenrock darüber und highheels an. möchte mal raus gehen in die stadt um zu sehen wie andere leute darauf reagieren.aber ich schaffe es nicht. jetzt habe ich nur nylonstrümpfe an wirklich ein schönes gefühl. ist auch nur menschlich. lg. chucky64
17:54
Zum Kommentar 5: Die meisten wollen ja auch nicht gesehen werden! wir sind ja keine Schausteller oder so was, wenn du auch Frauenkleidung tragen möchtes oder es soger schon machst melde dich doch mal unter
crossdresser-luenen@web.de da können wir uns mal austauschen.
21:06
Es wird hier viel geschrieben. Habe noch keinen Mann in Frauenkleider gesehen.Wo sieht man das???
Ich habe auch keinen Mut !!
00:52
Meine Kleidung heute - schlichtes T-shirt, Strickjacke, Jeans, Nylonstrümpfe, Slipperschuhe und Blouson - ist alles aus der Damenabteilung. Auf den Ettiketten sind Damengrößen aller europäischen Länder aufgedruckt. Sie ist bequemer und passt mir besser. Wenn ich in den Spiegel gucke, Besuch empfange oder einfach so auf die Straße gehe, schaut mich niemand schräg an. Keiner merkt auf, dass ich als Mann Kleidung aus der Damenabteilung trage.
13:14
Was sind dann Frauen mit Hosen kurzen Haaren Hemden Krawatten und ....... ??? ich glaub ich spinn - in was für einer Welt leben wir eigentlich - die Frauen machen einen auf Kerl und keiner regt sich auf - aber wehe Mann trägt einen Rock.
Leute wegen ihrern Kleidungsgewohnheiten zu diskrininieren gehört wohl zu den größten Unarten menschlichen Zusammenlebens - vor allem hier in Deutschlan in unserer ach so freien und glorreichen Demokratie. Das ich nicht lache.
08:45
Was hat das mit Crossdressing zu tun? Die Männer, die Damenkleidern anziehen, machen ja auch nur das, was die Frauen vor etlichen Jahren mit der Hose gemacht hatten bzw. heutzutage selbverständlich für sich in in der Herrenabteilung einkaufen. Wieso sollen dann Männer als Crossdresser, die sich in der Damenabteilung bedienen, bezeichnet werden? Im Mittelalter oder die Römer, die Schotten, die Griechen, die Asiaten , die Araber usw. haben ja auch rock- oder kleidartige Kleidungsstücke für den Mann.
Ich selber trage als Mann auch Röcke und Kleider und ich ermuntere jeden Mann, das auch zu tun um mal endlich aus den öden und eintönigen Einheitsbrei herauszubrechen. Dann wird auch das Rocktragen kein Crossdressing mehr sein. Bei den Frauen sag man das ja auch nicht mehr.
Zudem sind Strumpfhosen bei Männern viel weiter verbreitet als man denkt!.
17:59
finde ich klasse,
ich trage auch gerne Feinstrumpfhosen und Damenschuhe/Damenstiefel, habe auch einen Jeansrock, mit dem habe ich mich aber noch nicht an die öffentlichkeit getraut, ich bin auch 100% Hetero und stecke nicht im falschen Körper, ich fühle mich wohl als Mann, aber ab und zu treibt es mich in Feinstrumpfhose,Damenstiefel oder im Sommer auch mal in Pumps nach draussen.
lg damenschuhträger