Burghard Netthöfel legt die Gitarre aus der Hand
26.12.2009 | 08:00 Uhr 2009-12-26T08:00:00+0100Wethmar/Lünen. Burghard Netthöfel legt nach 45-jährigem Musikerdasein die Gitarre aus der Hand. Zumindest auf der Bühne. Privat wird er die Hände wohl eher nicht von seiner geliebten Gitarre lassen können. Seine Fans können ihn noch einmal beim Abschiedskonzert am 2. Weihnachtstag erleben.
Heute ist er nicht nur vielen Lünern als Gitarrist der Band „Blind Date” bekannt. Sein musikalischer Lebenslauf gestaltet sich jedoch recht bunt: Erste öffentliche Auftritte mit den „Checks”, aus denen später die „Mayflowers” wurden, hatte er bereits in der Zeit von 1966 bis 1970. Als Proberaum diente die Aula der damaligen Berufsschule. Auftritte fanden ebenfalls dort oder – was meist der Fall war – in Jugendheimen statt. Im Anschluss spielte der gebürtige Delmenhorster, der schon im Alter von einem Jahr nach Lünen kam, bis 1973 mit Klaus Falkenberg und Rudi Marhold (dem heutigen Drummer von Götz Alsmann). Die Band konnte sich aber nie auf einen Namen einigen.
1974 gründete der Gitarrist mit jungen Dortmunder Musikern die Gruppe „Common Aim”. Egbert Theißen (mit dem er auch heute noch bei Blind Date spielt) holte Netthöfel 1977 als Bassisten in seine Band „Crossfire”. 1979 erschien die LP „Colourful Music”. 1982 verließ Netthöfel die Gruppe. In der Zeit von 1985 bis1993 war Burghard Netthöfel Lead-Gitarrist bei Meier & Co.
Gemeinsam veröffentlichte die Band eine Live-Aufnahme, die bei einem Open-Air-Konzert in der Lüneburger Heide entstand und spielte unzählige Gigs. „Am besten in Erinnerung geblieben sind die berühmten ,Umsonst & Draußen'-Konzerte hier in Lünen, die ihren Höhepunkt fanden mit unserem Konzert auf dem Marktplatz anlässlich der deutschen Wiedervereinigung”, erklärt der Vollblutmusiker. Rund 10 000 Besucher feierten damals gemeinsam auf dem Willy-Brand-Platz.
1993 gründete der jetzt 58-Jährige gemeinsam mit Buddy Bordihn „Doppelripp”. Im gleichen Jahr erschien die CD „So richtig nett” mit ausschließlich eigenen Songs in deutscher Sprache.
Durch einen glücklichen Zufall wurde Netthöfel 1993 Gitarrist bei den „Los Bravos”, die mit „Black is Black” einen Welthit hatten. Mit drei weiteren Mitgliedern der Band „Here comes Johnny” tourte er quer Deutschland, hatte auch einige TV-Auftritte. „In dieser Zeit lernte ich auch etliche Helden meiner Jugend kennen: Eric Burdon, Donovan, Brian Auger, Scott McKenzie und zahlreiche Bands, die auch heute noch bei Oldie-Festivals auftreten”, erinnert sich der Musiker.
1994 war es wieder Egbert Theißen, der Netthöfel in die Band „Four Friends” holte -aus denen dann später Blind Date wurden. Zwischen 2001 und 2008 veröffentlichte die Gruppe vier CDs: „Zombie TV”, „Mysterious You”, „Mercenary's Lot” und „Face To Face” - ausschließlich mit eigenen, selbst geschriebenen Songs.
Mit dem Weihnachtskonzert in der Szene-Kneipe „Zum Greif” am Samstag, 26. Dezember, wird Burghard Netthöfel gleichzeitig nach nunmehr 45 Jahren Abschied nehmen: „Da werde ich zum letzten Mal mit Blind Date (und überhaupt) auf der Bühne stehen. Zukünftig will ich mich wieder ganz der Komposition von Songs widmen, das neue Album von Blind Date produzieren - und meinen Jungs (und dem Mädel) bei den Proben gehörig auf die Finger schauen.”