Brandserie mit hohem Schaden
18.03.2010 | 17:53 Uhr 2010-03-18T17:53:00+0100
Lünen. Opfer einer Serie von Brandstiftungen wurde in der Nacht zu Donnerstag die Backstube der Bäckerei Möllmann. Noch viel schwerer für den Familienbetrieb wiegt aber der Schaden am angren-zenden Haus, das vorerst unbewohnbar bleibt.
Insgesamt vier Brände, alle im Bereich Borker Straße, mussten in dieser Nacht gelöscht werden. Die Kriminalpolizei ermittelt. Den Bäckereibetrieb und dessen Eigentümer hat es dabei am schwersten erwischt. Als die Feuerwehr nach der Alarmierung um 23.18 Uhr am Einsatzort eintraf, brannte bereits die überdachte Fläche der Bäckerei, auf der sich laut Feuerwehr unter anderem einige Möbelstücke befanden. Ausgegangen war das Feuer von einem Müllbehälter.
Die unmittelbar bedrohten Häuser waren von den Einsatzkräften evakuiert worden, zwölf Bewohner waren davon betroffen. „Wir hatten zunächst sogar einen VKU-Bus für die Menschen angefordert”, so der Leiter der Lüner Feuerwehr Alfred Krömer gestern. „Bei der Alarmierung hatten wir mit mehr Betroffenen gerechnet.” Sie kamen aber zum Teil bei Verwandten unter, andere warteten in einem Feuerwehrfahrzeug und wurden von den Einsatzkräften betreut.
Das Feuer griff letztlich auch auf das direkt angrenzende Wohnhaus über. Dieses sei vorläufig nicht bewohnbar, erläuterte gestern Markus Riese, Schwiegersohn des Bäckerei-Inhabers. In der Backstube selbst hielt sich der Schaden, wie sich später herausstellte, in Grenzen, so dass der Bäckereibetrieb heute wieder aufgenommen werden konnte.
Bäckerei läuft wieder
Neue Zutaten wurden kurzfristig angeliefert und eine Reinigung wurde vorgenommen, nachdem die Kriminalpolizei und Gutachter ihre Untersuchungen abgeschlossen hatten. Eine erste Schätzung der Polizei über den entstandenen Sachschaden belief sich auf 100 000 Euro.
Bei diesem einen Feuer blieb es in der Nacht jedoch nicht: Drei weitere Einsätze in unmittelbarer Nähe seien im Minutentakt hinzugekommen, so Feuerwehrchef Krömer. So waren in einem Hinterhof an der Von-Wieck-Straße Mülltonnen angezündet worden laut Polizei gleich drei auf einmal. Das Feuer griff auf den Putz eines Wohnhauses über, Schlimmeres habe aber verhindert werden können. Ein weiteres Feuer entdeckten Polizeibeamte, die eigentlich wegen des Feuers die Borker Straße abgesperrt hatten: In diesem Fall brannten Mülltonnen und ein Reifenstapel auf dem Gelände eines Gebrauchtwagenhandels, ebenfalls an der Borker Straße. Nur wenige Häuser weiter standen Mülltonnen im Hinterhof einer Druckerei in Flammen – auch hier entdeckten Einsatzkräfte die Gefahr so früh, dass größere Schäden verhindert werden konnten. Die Fahndung der Polizei nach einem möglichen Täter verlief in der Nacht trotz zusätzlicher Streifenwagen aus Dortmund ohne Ergebnis. Die Brandorte wurden inzwischen auf Spuren untersucht, außerdem bittet die Kriminalpolizei Zeugen dringend darum, sich mit Hinweisen unter (0231) 132-7491 zu melden.
Die vier Brände entstanden unmittelbar hintereinander. Feuerwehrleiter Alfred Krömer vermutete, dass sich jemand einen Spaß daraus machen wollte, Mülltonnen abzufackeln. „Aber so etwas ist kein Spaß”, sagte er gestern verärgert im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das kann schlimme Folgen haben” – wie sich ja durch den hohen Schaden für die Familie Möllmann gezeigt habe. Und selbst wenn der Schaden nur gering gewesen wäre, gebe es einen weiteren Aspekt, der solche Brandstiftungen so gefährlich mache: „Wir waren mit 52 Einsatzkräften vor Ort, mit 13 Löschfahrzeugen, zwei RTW (Rettungswagen) und einem Notarztwagen mit zwei Ärzten. Wenn diese bei so einem Einsatz gebunden sind, dann fehlen sie, wenn anderswo noch etwas passiert.”
22:53
Ich war an diesem gestrigen Abend zu Besuch bei Freunden von mir. Gerade angekommen und auf der Couch etwas gemütlich gemacht, sahen wir am Fenster das blaue Aufhellen der Einsatzfahrzeuge. Als es immer blauer wurde vor dem Fenster schauten wir raus, um zu sehen, was dort wohl interessantes geschehen sein mag. Wir staunten nicht schlecht, als 5 Löschfahrzeuge der Feuerwehr quer auf der Straße direkt vor dem Haus standen, in dem wir uns aufhielten. Hier muss es doch irgendwo brennen, meinte ein Freund von mir und führte direkt weiter, o ja, hier brennt es! Ich eilte zum zwischenzeitlich weit geöffneten Fenster und schaute nach draußen. Der Geruch nach Verbranntem stieg mir sofort in die Nase, und als ich mich umsah, den Kopf nach oben drehte, kamen mir bereits schwebende Funken, die sich über den Dachgiebel den Weg in Richtung Straße suchten, entgegen und alamierten mich. Hier brennts. Schnell raus. Der Weg aus der ersten Etage durch den Flur war grauenhaft. An einem großen Fenster, an dem man unweigerlich vorbei muss, um hinunter zu gelangen, loderten die Flammen, die mit Ihrer Höhe von sicherlich 4 - 6 Metern den gesamten Flur erhellten. Uns ist nichts passiert und auch die beiden Wohnungen meiner Freunde sind weiterhin bewohnbar. Aber das war jedenfalls die heißeste Nacht meines Lebens :-)