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Plenum ist Rastplatz im Polit-Stress

09.02.2010 | 17:00 Uhr
Plenum ist Rastplatz im Polit-Stress

Märkischer Kreis/Berlin. Flotter, raumgreifender Schritt, in der Hand einen Ordner, den er seinem Büroleiter Nils C. Droste reicht. Freundliche Begrüßung vorm Restaurant auf der Plenarebene des Reichstages. Johannes Vogel (FDP) lächelt die kurze Verspätung weg.

Mit 27 Jahren ist er einer der jüngsten Bundestagsabgeordneten, aber mit dem Habitus eines alten Polit-Profis.

Seit 2005 ist er Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, seit 2007 Mitglied im FDP-Bundesvorstand, seit Oktober 2009 Mitglied des deutschen Bundestages – einer von drei Abgeordneten aus dem Märkischen Kreis.

Streitgespräch beim Stern mit der Sprecherin der Grünen Jugend Gesine Agena, Gastkommentar in der „Welt”, zwischendurch mal Talkshow bei Anne Will. Johannes Vogel manövriert sicher durchs Haifischbecken öffentlichen Interesses. Da erstaunt, dass er auf einen Paten aus der Fraktion verweist, der neue Abgeordnete mit den Gewohnheiten im Parlament vertraut macht.

»Da freut man sich, mal ins Plenum zu kommen.«

Wie läuft der Alltag in der Sitzungswoche, wie die Büroorganisation?” Das sei hilfreich beim Start gewesen mit dem „durchgetakteten Arbeitstag”.

Um 8 Uhr kommt Vogel ins Büro, hat vorher schon die Agenturmeldungen gelesen, gesehen, ob er und wann ja wie auf irgendwas reagieren muss. In der Sitzungswoche folgen „Termine bis 21, 22 Uhr”. „Da freut man sich, mal ins Plenum zu kommen, weil man da 20 Minuten sitzen kann.”

Seine Termine findet der junge Liberale „im Kalender vor”. Seit er im Bundestag sitzt, hat er, der schon vorher viel Präsenz zeigen musste, das Gefühl, „nicht mehr Herr seiner Zeit” zu sein.

»Man kann politische Karrieren nicht planen.«

Dreimal hat er in den ersten 100 Tagen bereits vorm Hohen Haus geredet. „Immer nur mit Stichpunkten.” In einer kleinen Fraktion ist die Chance größer, auf die Rednerliste zu kommen. Zudem sitzt der Liberale im Ausschuss für Arbeit und Soziales, einem der bundespolitischen Schwergewichte. Obwohl Johannes Vogel schon häufig vor vielen Leuten gesprochen hat, „ist es schon ein besonderes Gefühl”, im Parlament zu sprechen. „Staubtrockener Mund, weiche Knie”, sagt er, habe er gehabt: „Man ist erleichtert wenn es gut geklappt hat.” – Ganz irdische Gefühle im Raumschiff Berlin.

Die Woche ohne Sitzungen in der Hauptstadt nutzt Johannes Vogel „zu entschleunigen, gedanklich runterzukommen”. Seine Erdung ist sein Netzwerk: gute Freunde. „Die Großeltern sind gute Ratgeber”, sagt der FDP-Parlamentarier. Nachrichtliche Grundversorgung, ansonsten politisch nicht wahnsinnig interessiert. Sie sind für ihn Volkes Stimme. In Sachen Outfit beraten ihn seine Freundin oder seine Schwester, wenn nötig. Auch für den jovial und locker wirkenden jungen Abgeordneten gilt: Anzug und Krawatte im Plenum. „Dem Staatsorgan angemessen”, sagt Vogel. Ansonsten schätzt er Lockerheit und Offenheit unter den jüngeren Parlamentariern. Polarisierung, die in den Medien Aufmerksamkeit verspricht, gibt's im Umgang untereinander offenbar nur als Light-Version. „Man muss trennen zwischen dem inhaltlichenStreit und der persönlichen Ebene”, sagt Johannes Vogel. Auch „Fragen jenseits von System-entscheidungen" seien wichtig.

Mit 27 hat er schon politische Karriere gemacht. „Wo ich mitreden kann, möchte ich das machen”, betont er. Mitspielen will er auch – kicken beim FC Bundestag. „Ich maße mir an, da mithalten zu können”, sagt er. Was traut er sich sonst noch zu? „Man kann politische Karrieren nicht planen”, sagt er. Mag sein. Wirklichen glauben muss man das nicht…..

Rüdiger Kahlke

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