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Ein Beruf - Zwei Namen

15.03.2010 | 19:20 Uhr
Ein Beruf - Zwei Namen

Altena/Lüdenscheid. Tischler und Schreiner. Zwei Bezeichnungen und doch ein und der selbe Beruf. Oder doch nicht? Wir haben zwei Auszubildende in einen Tischler- und einen Schreinerbetrieb unter die Lupe genommen, um zu sehen, ob sie wirklich das Gleiche machen.

Der Geruch von frischgeschnittenem Holz liegt in der Luft. Auf den Strahlen der Sonne, die durch das milchige Glas brechen, tanzt Holzstaub. Er kribbelt in der Nase. Lackgeruch mischt sich darunter. Kreissäge und Fräse haben zwar Abzugshauben, dennoch liegen überall Sägespäne. Mundschutzmasken und Ohrenschützer sind wichtig.

Pascal Wendt (18) macht gerade seine Ausbildung in der Schreinerei Frank in Altena. Im Moment baut Pascal einen Schrank. Auf einer großen Platte hat er bereits alle Maße und Markierungen aufgemalt. Das muss er nun ausschneiden, danach die Ecken und Kanten fräsen. Das Holz wird miteinander verleimt. Zum Schluss passt er noch die Türen an. Pascal liebt seinen Beruf. Zweimal in der Woche hat er Schule. „Dort haben wir Betten für einen Kindergarten gebaut”, erzählt er stolz.

Beruf immer noch männerdominiert

Pascal ist im zweiten Lehrjahr. „Den klassichen Hobel hat man eigentlich nur in einem Lehrgang in der Hand”, erklärt er. Eine Werkstatt sieht schon lange nicht mehr aus, wie die von Meister Eder und seinem Pumuckl. Maschinen übernehmen Arbeit, die sonst mühsam mit der Hand gemacht werden müsste. „Das spart Zeit” – und dem Kunden damit Geld. „Bei den Maschinen kann man sich natürlich verletzen”, sagt Pascal. Sicherheitsmaßnahmen lernen die Auszubildenen deswegen als erstes.

Sebastian Lummel (23) hat in einem Lehrgang einen Stuhl selbst gebaut. „Fiona” steht auf dem Sitz – seine Tochter. „Für mich ist es etwas Besonderes, wenn ich an die Säge darf”, sagt er. Schließlich ist er erst seit vier Monaten Auszubildender in der Tischlerwerkstatt von Kristin und Christian Kaulbach. „Nur drei Mädels haben wir in unserer Berufsschulklasse”, sagt er. Das wundert die Chefin nicht. „Das ist in NRW ein guter Schnitt. Aber als Mädchen muss man sich durchbeißen.” Sie hat ihre Ausbildung in Bayern gemacht – als Schreinerin. Den Mädchen fehle manchmal die Kraft, aber auch das erledige sich mit der Zeit auf die ein oder andere Weise. Wer eine Ausbildung zum Tischler machen möchte, sollte handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen. „Das hier muss ein Traumjob sein”, rät Kristin Kaulbach zusätzlich.

In der Region liegt die Antwort

Rainer Lemcke, Obermeister Tischlerinnung Lüdenscheid Foto: Rudi Rust

Bei Sebastian und Pascal wird schnell klar, sie machen beide den selben Job, teils natürlich mit unterscheidlichen betrieblich bedingten Schwerpunkten. Rainer Lemcke ist Obermeister in der Tischlerinnung. Er kennt die Antwort auf die Frage, wieso es für einen Beruf zwei Begriffe gibt: „Das ist eine Bezeichnung, die sich regional unterscheidet. Im Süden heißen sie meistens Schreiner, in unserer Gegend sind es Tischler.” Eine klare geographische Grenze ist jedoch schwer zu ziehen.

Auf dem Papier werden Schreiner und Tischler jedoch unterschieden. Gesellen- und Meisterbriefe sind regional dementsprechend auch auf einen Tischler oder einen Schreiner ausgestellt. Auch in den gelben Seiten ist dieser Beruf getrennt aufgeführt.

Stefanie Sachse

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