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Die Zukunft endete 1975

11.07.2008 | 15:59 Uhr
Die Zukunft endete 1975

Die Zukunft begann in Lüdenscheid – und endete auch gleich wieder recht rüde. Vor 37 Jahren wurde auf der Höh die ika 71 – die Internationale Kunststoffhausausstellung – eröffnet. Heute entdeckt man nicht einmal mehr Spuren davon.

Von dem ehemaligen Ausstellung ist heute nichts mehr zu sehen.

Leben und Wohnen in Kunststoff – so war die ika 71 überschrieben und was da präsentiert wurde, wirkt selbst heute noch utopisch.  Auf dem 70 000 Quadratmeter großen Gelände wurden sehr unterschiedliche Objekte im Zeitgeist der 60er-Jahre ausgestellt.

„Orion” und „Futuro” wirkten wie Raumschiffe, der „Bio-Dom” , ein kuppelförmiges Gebäude aus Hartschaumstoffblöcken, taugte sogar zum Überlebenssystem. Die wissenschaftliche Oberaufsicht über das Projekt übernahm Europas „Kunststoffpapst” Rudolf Doernach. Am 31. Juli 1971 wurde die Ausstellung unter dem Motto „Die Welt zu Gast in Lüdenscheid” in der Schützenhalle eröffnet.

Damalige Showgrößen wie Daliah Lavi und Dunja Rajter standen auf der Bühne, die Chefsprecherin des Bayerischen Fernsehen, Petra Schürmann, übernahm die Moderation. Und Lüdenscheid hatte eine Reihe von prominenten Besuchern: So sah sich Innenminister Willi Weyer als erster die ika-Ausstellung auf der Höh an.

Futuro steht heute an der Spree

Auf dem ehemaligen ika-Gelände entsteht ein Naherholungsgebiet.

Ein Objekt wurde inzwischen zur postmodernen Kunst-Ikone: „Futuro”, entworfen von dem finnischen Architekten Matti Suuronen. Das Einraumgebäude mit einem Durchmesser von acht Metern hatte eine Wohnfläche von 50 Quadratmeter und einen Kranz aus ovalen Fenstern.  Eine Nutzung war nur schwer möglich, da die Form kaum eine Möblierung zuließ. Geschlafen wurde in Sesseln, die entlang der Außenwand aufgestellt war und sich um einen Kamin in der Mitte gruppiert. 1968 kostete das Haus 12 000 Dollar. Etwa 60 Futuros wurden gebaut, etwa elf Stück existieren heute noch, Fans listen jedes gefundene Objekt im Internet auf.

So auch das, das Cora Geißler auf einem Schrottplatz im Berliner Stadtteil Treptow fand, wie „spiegel-online” kürzlich berichtete. Sie wollte das Gebäude, das als Funkstudio für einen Ostberliner Kulturpark diente, retten.  Nach einigem hin und her konnte sie es kaufen und verfrachtete es mit einem Schiffsponton ans Ufer der Spee. Mit Hilfe von Museen, Instituten und Hochschulen gelang es Cora Geißler, den Futuro mit der Seriennummer 13 wieder in den Urzustand zurückzuversetzen. Ab diesem Monat besteht die Möglichkeit, das Futuro13 zu besichtigen (Anfragen unter Futuro13@berlin.de). 

1971 wurde auf der Höh in Lüdenscheid die Internationale Kunststoff-Ausstellung ika 71 eröffnet.

Obwohl rund 500 000 Menschen die ika vom August 1971 bis Herbst 1973 besuchten, war die Verkaufsausstellung finanziell kein Erfolg.  Die Konzepte des Kunststoffhauses wurden von der breiten Masse nicht akzeptiert. Dazu kam die Ölkrise von 1972, die den Kunststoff enorm verteuerte. Außerdem wurde Plastik von der erstarkenden Umweltbewegung verteufelt.  Kurz: Der Veranstalter Sabag machte pleite, 1975 wurden die Objekte zwangsversteigert. Und damit endete der Zukunft des Lebens in Kunststoff.

Susanne Illhardt

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Kommentare
12.11.2009
11:17
Die Zukunft endete 1975
von rinus van den Berg | #1

Hi
I am glad that you write about these historic development regarding plastics in building.
It is really a shame that nothing is left!
Maybe we should make a kind of overview with all the housing concepts that were shown there.

Rnus van den Berg
Architectural & Industrial Designer
DSM MSC Conceptual design

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