Verborgen und doch den Raum erfüllend
03.03.2010 | 17:22 Uhr 2010-03-03T17:22:00+0100Heeren-Werve. Zu Gesicht bekommen die meisten Besucher sie allerhöchstens durch einen kurzen Blick hoch beim Weg hinaus, doch die Orgel in der ev. Kirche in Heeren-Werve ist ein zentraler Bestandteil jedes Gottesdienstes. Vor hundert Jahren wurde sie installiert. „
„Damals wuchs der Ortsteil stark wegen der neuen Zeche”, erklärt Kirchenführerin Dagmar Müller. Sie steht neben dem holzverkleideten Spieltisch, auf dem zwei Spiegel so angebracht sind, dass der Organist den Pfarrer beim Gottesdienst sehen und im richtigen Moment einsetzen kann.
Hinter ihr schießen die metallenen Pfeifen in die Höhe. Die vielen Neuankömmlinge hätten den Bau eines katholischen Gotteshauses notwendig gemacht – und den Ausbau der bestehenden evangelischen Kirche, führt Müller weiter aus. Erste Belege über diese stammen aus dem 13. Jahrhundert. Danach wurde sie zahlreiche Male um- und ausgebaut, teilweise zerstört und wieder renoviert. Doch 1910 erfolgten die größten Veränderungen: Die Kirche wurde um das Seitenschiff und die Sakristei erweitert, der Turm abgerissen und vergrößert. Der zusätzliche Raum erforderte eine größere Orgel.
Finanzierung der Orgel
schwer zu stemmen
Deren Finanzierung war für die Gemeinde angesichts der bereits getätigten Ausgaben schwer zu stemmen. So erinnerten sich die damaligen Ortsvorsteher an einen berühmten Sohn der Gemeinde: Wilhelm Middelschulte. Der war mittlerweile in Amerika zu einem berühmten Organisten herangereift, seine ersten musikalischen Gehversuche aber hatte er in Heeren gemacht. Bei einem seiner zahlreichen Besuche in der Heimat baten die Gemeindenvertreter ihn um eine Spende für die Orgel. Gemeinsam mit seinen Brüdern übernahm Middelschulte die Finanzierung und schenkte der Gemeinde eine Orgel, gefertigt von dem Unternehmen Walcker aus Ludwigsburg. Und natürlich ließ Middelschulte es sich nicht nehmen, auch einige Konzerte auf dem neuen Instrument zu spielen. Er galt als brillanter Bach-Interpret, technisch noch anspruchvoller sind seine eigenen Stücke. „Die kann heute kaum jemand spielen”, berichtet Josef Opfermann, der regelmäßig an der Orgel sitzt.
Seit der Installation hat sich nicht so viel getan. In den 50er Jahren wurde die Orgel restauriert und erweitert. In dieser mittleren Größe mit 20 klingenden Registern (so die offizielle Bezeichnung) ist sie geblieben. Seither mussten nur ab und zu Teile ausgebessert oder ausgewechselt werden. Vor wenigen Jahren wurde die Orgel komplett auseinandergenommen und gesäubert. „Stuck hatte sich von dem Gewölbe gelöst und ist in die Orgel geraten”, so Opfermann. Ansonsten tut sie seit einem Jahrhundert zuverlässig ihren Dienst – verborgen und doch den ganzen Raum erfüllend.
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