Das aktuelle Wetter Kamen 17°C
62. Westfälischer...

Stadtarchive sollen Staub abschütteln

16.03.2010 | 16:46 Uhr

Kamen. „Profilierung der Archive in der Städtischen Kulturlandschaft” – unter diesem Motto lief gestern der erste Teil des 62. Westfälische Archivtags in der Stadthalle.

Dabei lieferte insbesondere Professor Oliver Scheytt, Geschäftsführer der Ruhr 2010, interessante Ansätze, wie das Stiefkind der Stadtkultur in den Fokus gerückt werden könnte.

„Es reicht nicht, alle 20 Jahre eine dickbändige Stadtchronik herauszubringen”, betonte Michael Pavlicic vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Archive müssten sich noch mehr öffnen. Sie sollten alle Bürger ansprechen: „Archive dürfen nicht Institutionen einer Elite-Kultur sein.” Konkurrenz und Kooperation mit anderen Kulturinstitutionen sollten gefördert werden.

„In Kamen sind wir damit schon recht weit”, führte Bürgermeister Hermann Hupe aus. Schließlich habe die Stadt das Archiv aus dem dunklen Keller des Rathauses in das Haus der Stadtgeschichte geholt, das es sich mit dem Stadtmuseum teilt. „So können Synergie-Effekte genutzt werden.” Durch regelmäßige Kultur-Veranstaltungen stehe es im Fokus der Öffentlichkeit.

Die Öffentlichkeit – darin sieht Oliver Scheytt eine Möglichkeit, die Situation der Archive in Zeiten der Krise zu verbessern. Er referierte zum Thema „Polit-Marketing für Kommunalarchive”. Erstes Problem der Einrichtungen sei ihr Image: „Staub, Keller, Wände voller Akten – das sind die Vorstellungen, die viele Leute haben.” Einerseits sei Kultur zwar positiv behaftet. „Wenn zwischen Geld für einen Kindergarten oder für ein Archiv gewählt werden muss, ist die Entscheidung klar.”

Um Politiker zur Förderung der Archive zu bewegen, müsste der richtige Ansatzpunkt wählen.Generell gebe es drei Möglichkeiten der Einflussnahme: Überzeugung der politischen Kräfte, ein Tausch („Fördermittel gegen Rasenplatz”) und Druck. „Doch der lässt sich nur kurz aufbauen.” Langfristig sei Überzeugen die beste Alternative. „Die Währung der Politiker ist Aufmerksamkeit und Anerkennung”, führt Scheytt aus. Deshalb müsste das Polit-Marketing auf Image-Transfer ausgerichtet werden. Dabei müsse für den Politikern ein Gewinn erkennbar sein: „Politiker wollen steuern und wirken.”

Gemeinsam mit einem Politiker sollte ein Konzept erarbeitet werden. „Dabei ist es wichtig, im entscheidenen Moment dem Politiker den Vortritt zu lassen”. Das gebe diesem die gewollte Aufmerksamkeit und eine bessere Argumentationsposition innerhalb seiner Fraktion.

Hermann Hupe dankte bei seiner Ansprache auch noch Stadtarchivar Hans-Jürgen Kistner, der in diesem Jahr ein den Ruhestand geht: „Das Begleiten dieser Veranstaltung ist für ihn ein schöner Abschied.”

Heute folgt der zweite Teil des Archivtags, bei dem das Thema Integration und wie diese Entwicklung Eingang in die Archive finden kann, im Vordergrund stehen wird.

Fabio Hentschel

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2749441/create

Aktuelle Fotos und Videos
Parks in unserer Stadt
Bildgalerie
Fotostrecke
Nacht der offenen Kirche
Bildgalerie
Fotostrecke
KITE
Bildgalerie
Fotostrecke
Bombenentschärfung
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Suizid-Fall in der JVA Iserlohn wird neu aufgerollt
Schuldfrage
Die Ermittlungen um den Suizid eines 19-jährigen Heereners in der U-Haft der Justiz-Vollzugsanstalt Iserlohn im April 2012 werden neu aufgenommen. Der Oberstaatsanwalt erklärte, dass der Vater des 19-Jährigen den Verdacht habe, „dass die Situation seines Sohnes nicht richtig eingeschätzt wurde“.
Kunstrasen als Lockmittel
Sportplatzumbau
Der Rat hat mit seinem Beschluss zur Haushaltssicherung ein neues Konzept für die Sportanlagen der Stadt auf den Weg gebracht. Die Schulsportanlagen an der Gutenbergstraße sollen zu einer modernen Anlage auch für Vereine ausgebaut, Anlagen im Hemsack und an der Lüner Höhe aufgegeben werden.