Das aktuelle Wetter Kamen 17°C
Methler

Schützinnen dürfen fast alles

05.07.2009 | 20:30 Uhr

Methler. Schützenvereinsleben, das ist nicht nur Brauchtumspflege und Schießsport, das ist Geselligkeit und Gemeinschaftsförderung und ein Ort des Miteinanders. Bis vor einigen Jahren waren Schützenvereine Männerdomänen, Frauen eher geduldet als wirklich willkommen.

Ihre Hilfe bei Festen und anderen Veranstaltungen war zwar unerlässlich, aber wenn es um eine Mitgliedschaft ging, stellten sich die Herren quer. Schützinnen? Undenkbar. Im Schützenverein Methler 1830 e.V. gehört diese antiquierte Einstellung der Vergangenheit an.

Rund 30 Mitglieder zählt die Frauengruppe. Darunter auch Ulrike Brinkmann. Ihr Vater Karl Brinkmann war von 1955 bis 1973 Vorsitzender der Methleraner Schützen. „Ich bin vor zwei Jahren vom amtierenden König angesprochen worden”, erzählt die 62-Jährige. Der habe sie daran erinnert, dass sie doch aus einer „echten Schützenfamilie” stamme und daher unbedingt Mitglied werden müsse. Aus alter Verbundenheit hat die Methleranerin sogleich den Aufnahmeantrag unterschrieben, die Schützenkleidung der Frauen bestehend aus Hose, Bluse, Rock, Blazer und Halstuch angeschafft und schon bald ihr erstes Schützenfest als „ordentliches Mitglied” mitgefeiert. Aber nicht nur die älteren Damen haben Spaß am Vereinsleben. Auch viele junge Frauen folgen ihren Männern in den Verein.

Die Frauen fühlen sich

wohl im Verein

Das war früher nicht möglich, aber nach einigen Querelen, die die Debatte um eine Mitgliedschaft der Frauen damals hervorrief (bis hin zum Rücktritt von Oberst Horst Römer), ist längst wieder Ruhe eingekehrt im Schützenverein. Mehr noch: Die meisten Schützen sind froh, dass es die weiblichen Mitglieder gibt. „Wir können auf diese wichtige Gruppe nicht verzichten”, verweist Kompaniechef Manfred Chytralla auf den Mitgliederschwund, von dem Schützenvereine gleichermaßen betroffen sind wie Sportvereine. Auch bei den Ausmärschen seien die Schützen mittlerweile auf weibliche Untersützung angewiesen. Es gebe kaum mehr Männer, die mitmarschierten, so Chytralla. Die Frauen seien stets eine Bereicherung für die Methleraner Abordnung. Und ein weiterer Aspekt ist Chytralla wichtig: Starb früher ein Schütze, starb seine Ehefrau gleich mit, sagt er. Heute würden die Witwen ins Vereinsleben integriert.

Alle Frauen, sagt Ulrike Brinkmann, fühlten sich wohl im Verein. Sie haben Stimmrecht, organisieren die Feste mit und vieles mehr. Nur eines dürfen sie nicht: Am Königsschießen teilnehmen. „Das ist auch nicht wichtig”, glaubt die Methleranerin. So weit sie wisse, wolle das ohnehin niemand. Chytralla aber glaubt, dass der Verein über kurz oder lang auch hier nicht verzichten kann auf die Frauen. Es fänden sich immer weniger Männer, die auf den Vogel schießen, sagt er.

Ulrike Faulhaber

Facebook
 
Kommentare
18.10.2010
18:47
Schützinnen dürfen fast alles
von Gerda.P | #2

aber Ihr wartet doch mal ab, wenn ich erst mal Oberst bin.

06.07.2009
14:35
Schützinnen dürfen fast alles
von Andreas_2208 | #1

Mitglied werden durften sie schon lange. Keiner ist wegen der Mitgliedschaft der Frauen zurückgetreten, wie es der Artikel Glauben machen will. Es ging um Frauen, die in Schützenrock mitmarschieren. Entweder wurde vom Autor schlecht recherchiert oder die beiden Zitierten haben sich missverständlich ausgedrückt. Und Diskussionen, sei es um Frauengruppe oder anderes, gehören zur demokratischen Kultur eines Vereins.Und auch, dass ein Oberst zu seinen (wenn auch nicht unbedingt zeitgemäßen) Überzeugungen steht. Gut so.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/464355/create

Aktuelle Fotos und Videos
Parks in unserer Stadt
Bildgalerie
Fotostrecke
Nacht der offenen Kirche
Bildgalerie
Fotostrecke
KITE
Bildgalerie
Fotostrecke
Bombenentschärfung
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Suizid-Fall in der JVA Iserlohn wird neu aufgerollt
Schuldfrage
Die Ermittlungen um den Suizid eines 19-jährigen Heereners in der U-Haft der Justiz-Vollzugsanstalt Iserlohn im April 2012 werden neu aufgenommen. Der Oberstaatsanwalt erklärte, dass der Vater des 19-Jährigen den Verdacht habe, „dass die Situation seines Sohnes nicht richtig eingeschätzt wurde“.
Kunstrasen als Lockmittel
Sportplatzumbau
Der Rat hat mit seinem Beschluss zur Haushaltssicherung ein neues Konzept für die Sportanlagen der Stadt auf den Weg gebracht. Die Schulsportanlagen an der Gutenbergstraße sollen zu einer modernen Anlage auch für Vereine ausgebaut, Anlagen im Hemsack und an der Lüner Höhe aufgegeben werden.