Mit Wanderschuhen und Notizbuch
18.03.2010 | 15:26 Uhr 2010-03-18T15:26:00+0100
Kamen. Ohne sein kleines Notizbuch geht Kurt Rost nicht aus dem Haus. Denn seine Inspiration findet der leidenschaftliche Wanderfreund und Dichter überall. Eine Blume am Wegesrand oder ein plötzlicher Wetterumschwung – fast jedes Naturereignis ist dem Kamener ein Gedicht wert.
Über 1 000 Werke hat der 74-Jährige in den letzten 20 Jahren geschrieben, gesammelt und archiviert.
„Früher wäre ich um diese Zeit schon unterwegs gewesen”, schmunzelt Kurt Rost, während er an diesem trüben Montagmorgen verträumt aus dem Küchenfenster blickt. Von der Lüneburger Heide bis nach Heidelberg führten den heute 74-Jährigen seine ausgiebigen Wandertouren.
Von der Nikolausrede zur Lyrik
Ob er zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs war, ob er in einer Scheune schlief, oder unter freiem Himmel, Rost suchte immer die Nähe zur Natur.
Heute lässt der Rentner es ruhiger angehen. Zwar wandert er immer noch, doch die Zeit der großen Touren ist vorbei. Dafür hat er eine andere Leidenschaft wiederentdeckt: das Dichten. Schon als Schüler schrieb der Kamener Gedichte, gab das Hobby dann aber zugunsten des Wanderns auf. Erste literarische Versuche wagte er erst wieder als Mitglied des Sauerländischen Gebirgsvereins in Methler. Die jährlichen Nikolausreden brachten ihn wieder dazu, zum Stift zu greifen und schnell brachte er neben den Reden auch wieder Verse zu Papier.
Sein Thema ist natürlich die Natur. Lyrisch verarbeitet der Kamener jetzt seine Erlebnisse aus fast 60 Jahren Wandern in ganz Deutschland. „Die Ideen kommen ganz plötzlich”, erzählt er und zieht sein Notizbuch aus der Hemdtasche. Dicht an dicht drängen sich die Worte auf den Seiten, alles Rohentwürfe für Gedichte. Richtig zu Papier bringt Kurt Rost seine Werke dann im eigens eingerichteten Schreibzimmer im Keller seines Südkamener Wohnhauses. Unter den wachsamen Augen seines großen Vorbildes Hermann Löns schreibt der Dichter seine Vierzeiler nieder, oft geschieht dies noch handschriftlich, die Schreibmaschine benutzt er nur für längere Werke.
Acht Aktenordner stehen inzwischen im Regal im Schreibzimmer, in ihnen finden sich Gedichte aus der Feder von Kurt Rost. Titel wie „Löwenzahn”, „Das Sommergewitter” oder „Nacht im Stall” sprechen für sich und erzählen eine ganz persönliche Geschichte. Es ist der Blick fürs Detail, der den Dichter auszeichnet. Für Kurt Rost selbst bedeutet das Dichten, seine Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.
Erinnerungen an seine aktive Wanderzeit, aber auch Erinnerungen an seinen Vater und Großvater. Die Leidenschaft für Gedichte hat der 74-Jährige nämlich von seinem Großvater geerbt, die Begeisterung für die Natur vom Vater.
Stoff hat der Dichter noch genug. Drei Notizbücher und diverse vollgeschriebene Zettel stapeln sich auf dem Schreibtisch. In Schönschrift abgeschrieben werden auch diese Gedichte bald in Ordnern archiviert und dann gelegentlich die Rundschreiben und Wanderpläne des SGV zieren, für den Rost heute immer noch als Pressewart tätig ist.
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