Kleinster Friedhof wird 200 Jahre alt
05.04.2010 | 16:25 Uhr 2010-04-05T16:25:00+0200
Derne. „Seit 1810 hat Derne einen eigenen Friedhof", stellte Friedrich Pröbsting 1901 fest. Der kleinste und älteste bestehende Friedhof der Stadt wird 200 jahre alt. Er ist das Ergebnis der Verdrängung der Grabstätten,die zuvor meist an und in den Kirchen lagen.
Denn insbesondere in Zeiten erhöhter Sterblichkeit (infolge von Seuchen, Hungersnöten, Kriegen etc.) gerieten die Kirchhöfe an ihre Kapazitätsgrenze, so dass Umbettungen halbverwester Leichen und die ständige Öffnung der Gräber für anhaltende Geruchsbelästigung und gesundheitliche Gefahren sorgten. Pestfriedhöfe weit außerhalb der Siedlungen sollten die ärgste Gefahr eindämmen.
Die Anlage innerstädtischer Friedhöfe wurde später aufgegeben: Zentrale Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern, die vom Standort einer Kirche unabhängig waren, wurden vereinzelt bereits zur Renaissance, verstärkt ab 1750 und im Verlauf des 19. Jahrhunderts dann flächendeckend geschaffen. In Preußen war im Landrecht festgeschrieben worden, dass innerhalb bewohnter Gegenden keine Leichen beerdigt werden durften. Die preußische Verwaltung strebte, um einen besseren Schutz vor Seuchen zu gewährleisten, an, nicht mehr die in der relativ dicht besiedelten Stadt gelegenen Kirchhöfe zu nutzen. Vielmehr sollten außerhalb der Stadtmauern neue Friedhöfe entstehen.
In der Buschmann-Pröbsting-Chronik finden sich folgende Zitate in diesem Zusammenhang: „Auch das Todtenhofswesen ist in unserem Geschichtsabschnitt für die Stadt wichtig geworden. Es hatte sich nämlich herausgestellt, daß der seit 1810 im Gebrauch befindliche Todtenhof der Stadt vor dem Ostenthor in höchst abschreckender Weise wasserreich ist, so daß oftmals die Särge geradezu in das Wasser der Gruben hinabgelassen werden mußten. [...]
So suchten denn die Väter der Stadt lange nach einem passenden Platz, den sie endlich am Overberger Wege im Viehenfelde zu finden glaubten. Da die erwählte Fläche dem Armenfonds gehörte, so wurde sie von diesem gegen eine billige Rente erworben, wobei zugleich festgestellt ist, daß nach Ablauf der gesetzlichen Verwesungs- und Ruhezeit (d.i. nach 40 Jahren) auch der alte Kirchhof vor dem Ostenthor dem Armenfonds wieder zufallen solle. Im Laufe des Jahres 1865 wurde der neue Todtenhof dränirt und planirt und mit einer Weißdornhecke umzogen [...]
Bei dieser Gelegenheit sei noch berichtet, daß nach altem Herkommen nicht blos die Todten der Stadt Camen, sondern auch der zum Kirchspiel Camen gehörigen Dörfer auf dem städt. Todtenhofe beerdigt werden. Diese Berechtigung hörte aber auf, als die Dorfgemeinden sich eigene Communalkirchhöfe anlegten, was die kleine Bauerschaft Derne schon 1810 gethan hatte.
Die Gemeinde Overberge vergrößerte ebenfalls ihren alten Privatkirchhof zu einem Communal-Todtenhof (1873). Schon früher (1865) hatte auch die Gemeinde Rottum sich einen schönen Todtenhof eingerichtet und ihr war nicht lange nachher die Gemeinde Lerche gefolgt”
Auch die alte Eiche auf dem Friedhof fand schon früh Erwähnung: „Zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Maj. Kaiser Wilhelms II. (3-Kaiser-Jahr 1888) wurde Montag morgen auf dem hiesigen Friedhofe in Gegenwart der Gemeinde-Vertretung eine ca. 100 Jahre alte Eiche als Naturdenkmal geweiht und daran eine bronzene Gedenktafel mit entsprechender Aufschrift angebracht."
(Märkische Zeitung vom 18.6.1913.)
Entstehung
weiterer Friedhöfe
Der Friedhof Kamen-Mitte lag von 1810 bis 1866 am Ostentor, dann an der Friedhofstraße. In den anderen Statteilen vollzog sich die Entwicklung etwas später: In Methler erfolgen Bestattungen seit 1852 nicht mehr an der Margaretenkirche. Der Friedhof in Rottum wurde 1865 eröffnet, in Heeren 1876 und in Südkamen 1884. Rottum, Derne, Overberge (heute Bergkamen) und Lerche (heute Hamm) gehörten oder gehören zur Ev. Kirchengemeinde Kamen. Mit der Aufgabe der Begräbnisse an den Kirchen wurden die Friedhöfe in der Regel kommunal.
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