Das aktuelle Wetter Kamen 17°C
Methler

Ein Stadtteil kämpft für Jennifer auf Haiti

07.02.2010 | 19:04 Uhr

Methler. Hilfe für Haiti. In Methler klingelte es gestern einen ganzen Tag lang kräftig in den Spendenboxen, um die Erdbebenopfer des Inselstaates zu unterstützen und einem achtjährigen Mädchen die Ausreise nach Deutschland zu ermöglichen.

Die Gastwirte Katja Buschmann und Olaf Hoppe luden zum „Tag für Haiti" ins Turmrestaurant und freuten sich über eine große Spendenbereitschaft.

Riesig ist die Freude insbesondere bei ihrer Mitarbeiterin Stephanie Köhler (22): Sie kämpft darum, ihre Tochter Jennifer (8) aus dem Krisengebiet zu sich zu holen, seit gestern ist die Sorge, zumindest die finanziellen Hürden zu überwinden, einer großen Erleichterung gewichen.

„Es bricht mir das Herz, dass ich jetzt nicht bei ihr sein kann”, sagt Stephanie Köhler. Ihre Tochter lebt bei Onkel und Tante. Seit dem schweren Erdbeben Mitte Januar fehlt ihnen wie so vielen anderen Menschen in Haiti ein festes Dach über dem Kopf. Das kleine Mädchen leidet Hunger und Durst, zieht mit seinenVerwandten ziellos durch die zerstörten Straßen. Dabei quälen sie die unverarbeiteten schrecklichen Erlebnisse, die Bilder von Zerstörung, Toten und Verletzten. Täglich telefoniert Jennifer mit ihrer Mutter in Deutschland, bettelt um Hilfe und klammert sich an die Hoffnung, sich schon bald in ihre Arme kuscheln zu können. Für ein Wiedersehen von Mutter und Tochter sowie die vielen anderen Erdbebenopfer legten sich die Methleraner mächtig ins Zeug. Schon morgens beim Frühschoppen kostete das Bier in der Turmklause nur einen Euro. Von jedem Mittagsgericht wanderten außerdem fünf Euro in den Spendentopf – und die Gäste ließen sich sowohl den ungarischen Gulasch als auch den creolischen Fisch schmecken. Die Kuchentheke bog sich unter den vielen gespendeten, süßen Naschereien. „Das Gefühl, helfen zu müssen, ist gut und richtig und umso besser, wenn das auch noch längerfristig geschieht," ermunterte Pfarrer Bernhard Nake in seiner Eröffnungsansprache. Kamens Bürgermeister Hermann Hupe hatte sich schon am frühen Morgen auf den Weg gemacht, um die Aktion mit einer finanziellen Spende zu unterstützen. Jungen und Mädchen der Eichendorffschule gaben tänzerisch alles, um anschließend für den guten Zweck zu sammeln. Das Blasorchester St. Marien, die Gruppe „Kraftquell" und das Schlagerduo „Los Didos" sorgten für den musikalischen Rahmen. Ebenfalls mit dabei: Kinderbuchautor Heinrich Peuckmann.

Groß war auch die Hilfe einiger Geschäftsleute: So wandert ein Teil der Spenden an die Organisation „Apotheker helfen e.V.", die mit Medikamenten aktuell die Menschen in Haiti unterstützt. Das Team der Kaiserau-Apotheke informierte ausführlich über diesen Teil der Spendenaktion. Eine Tombola lockte u.a. mit einer Flugreise als Gewinn und sorgte so ebenfalls für prallvolle Spendenbüchsen. Für Stephanie Köhler und ihre Tochter Jennifer gilt es jetzt, die Daumen zu drücken: „Vielleicht können wir ja die ganze Familie aus Haiti nach Deutschland bringen", sagt Olaf Hoppe, der ebenso wie seine Frau Katja Buschmann und die vielen Helfer nach einem anstrengenden, aber ermutigenden Tag angesichts der großen Welle der Hilfsbereitschaft voller Hoffnung ist.

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2510565/create

Aktuelle Fotos und Videos
Parks in unserer Stadt
Bildgalerie
Fotostrecke
Nacht der offenen Kirche
Bildgalerie
Fotostrecke
KITE
Bildgalerie
Fotostrecke
Bombenentschärfung
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Suizid-Fall in der JVA Iserlohn wird neu aufgerollt
Schuldfrage
Die Ermittlungen um den Suizid eines 19-jährigen Heereners in der U-Haft der Justiz-Vollzugsanstalt Iserlohn im April 2012 werden neu aufgenommen. Der Oberstaatsanwalt erklärte, dass der Vater des 19-Jährigen den Verdacht habe, „dass die Situation seines Sohnes nicht richtig eingeschätzt wurde“.
Kunstrasen als Lockmittel
Sportplatzumbau
Der Rat hat mit seinem Beschluss zur Haushaltssicherung ein neues Konzept für die Sportanlagen der Stadt auf den Weg gebracht. Die Schulsportanlagen an der Gutenbergstraße sollen zu einer modernen Anlage auch für Vereine ausgebaut, Anlagen im Hemsack und an der Lüner Höhe aufgegeben werden.