Zweite Gesamtschule in Hennen: Ab 25 Millionen Euro aufwärts
14.05.2012 | 17:24 Uhr 2012-05-14T17:24:00+0200
Iserlohn. Die Baukosten für die Errichtung einer zweiten Gesamtschule liegen zwischen 25,5 und 27,3 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommen die mit der Kostenermittlung beauftragten Architekten des Büros Assmann aus Dortmund. Gestern stellte Diplom-Ingenieur Peter Melching das Gutachtenergebnis zunächst dem Verwaltungsvorstand, den Fraktionsvorsitzenden und den schulpolitischen Sprechern vor, um im Anschluss bei einem Pressegespräch die Kerninhalte der Expertise darzulegen.
Um das Raumprogramm einer vierzügigen Gesamtschule zu realisieren, müssen demnach 8900 Quadratmeter Nutzfläche vorhanden sein - und damit etwa das vierfache Volumen der am Hauptschul-Standort Hennen vorhandenen Gebäude. „Das Grundstück ist grundsätzlich geeignet“, so Melching. Die Hoffnung jedoch, durch die Nutzung der Hauptschul-Räumlichkeiten Kosten in größerem Umfang einsparen zu können, erfüllt sich nicht. Brutto 25,5 Millionen Euro stehen unter dem Strich, wenn Teile der Hauptschule für eine zweite Gesamtschule mitgenutzt würden, 27,3 Millionen wären es im Falle des Abrisses und kompletten Neubaus. Als problematisch erachten die Assmann-Architekten eine abschnittsweise Errichtung der zweiten Gesamtschule, da dann der Schulbetrieb während der restlichen Bauphase in Mitleidenschaft gezogen würde. Überdies müssten Einrichtungen wie die Dreifach-Sporthalle, die Mensa und der Verwaltungstrakt direkt zur Inbetriebnahme der Schule zur Verfügung stehen. Bis die neue Schule an den Start gehen könnte, dürften angesichts des Planungsvorlaufes und der eigentlichen Bauzeit unabhängig vom Standort etwa dreieinhalb Jahre ins Land gehen.
„Das muss erst mal sacken“, konnte und wollte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens aus den frisch gewonnen Erkenntnissen gestern noch keine inhaltlichen Konsequenzen ableiten: „Wir brauchen jetzt eine Denkpause, um Alternativen zu prüfen. Vor allem müssen wir festlegen, wie unsere Schulstruktur im Jahr 2020 insgesamt aussehen soll.“ Entsprechende Arbeitsaufträge an die Verwaltung, so Ahrens, könnten in der Ratssitzung vor der politischen Sommerpause erteilt werden. Bestätigt in der Ablehnung des Standorts Hennen sah sich CDU-Fraktionsvorsitzender Rolf Kramer, der die im Bildungsbündnis vertretenen Fraktionen dazu aufrief, nun gemeinsam „zum Wohle der Stadt nach Lösungen zu suchen, die zukunftsträchtig sind“. „Das ist schon ernüchternd, das haben wir in dieser Größenordnung nicht erwartet“, räumte Detlef Köpke für die FDP ein, dass nun wohl die Zeit gekommen sein dürfte, nach Alternativen für einen zweiten Gesamtschul-Standort zu suchen. Eine Auffassung, der sich auch Mike Janke als SPD-Fraktionsvorsitzender anschloss. Die von den Gutachtern ermittelten Kosten hätten eine Größenordnung erreicht, die politisch bedauerlicherweise nicht zu vertreten seien, so Janke. Gleichzeitig sei aber weiterhin der Bedarf an zusätzlichen Gesamtschulplätzen vorhanden. Janke: „Jetzt müssen wir uns gemeinsam auf den Weg machen, andere Lösungen zu finden.“ Ein Weg, den auch die Freien Wähler mitgehen werden, wie Helmut Prange betonte: „Wir haben immer gesagt, dass wir mehr Gesamtschulplätze brauchen. Wir haben nur Hennen abgelehnt.“
Dass eine alternative Lösung an anderer Stelle im Stadtgebiet für deutlich weniger Geld zu haben ist, bezweifelte derweil Elke Olbrich-Tripp (Bündnisgrüne): „Wir haben noch keine anderen Standorte untersucht, wir wissen nicht, was dort auf uns zukommen würde.“ Nach dem Vortrag der Assmann-Architekten sei jedoch damit zu rechnen, dass der Bau einer zweiten Gesamtschule auch standortunabhängig immer Kosten dieser Größenordnung nach sich ziehen dürfte, da die Forderungen des Raumprogramms zu erfüllen seien. „Schulentwicklung gibt es nicht für umsonst“, erklärte Manuel Huff für die Linke, dass sich deren grundsätzliche Position pro zweiter Gesamtschule nicht verändert habe: „Wir brauchen diese Plätze.“
Die Schulverwaltung wird derweil ihre im Zuge der Hennen-Debatte zwischenzeitlich auf Eis gelegte Arbeit am neuen Schulentwicklungsplan fortsetzen, kündigte Ressortleiterin Katrin Brenner an. Darin enthalten seien dann auch Handlungsempfehlungen zur Gestaltung der Schullandschaft: „Den ersten Aufschlag machen wir im nächsten Schulausschuss.“
08:27
Nachdem die Zahlen nun vorliegen sollte schnellstmöglich lösungsorientiert gehandelt werden. Wichtig ist nun der Blick nach vorne!
Das Bildungsforum Iserlohn fordert die Politik und Verwaltung auf, nunmehr abseits aller ideologischen Schranken unter Einbeziehung aller relevanten Iserlohner Interessengruppen eine zukunftsfähige Schulentwicklungsplanung aufzustellen.
Dies könnte z.B. unter Einschaltung eines externen Gutachters wie in der Stadt Kleve erfolgen.
Auch ein durch eine unabhängige Persönlichkeit moderierter Prozess wäre denkbar.
Bildungsforum Iserlohn, Lenkungsgruppe
Weitere Informationen siehe www.bildungsforum-iserlohn.de
Ich bin mal gespannt, ob die Politik Sie, das BFI, jetzt ernst nimmt oder weiterhin konsequent ignoriert. Ich finde es ist ein beeindruckendes Demokratieverständnis, wenn Bürger einer Stadt der Politik eine beratende Mitarbeit an wichtigen, alle betreffenden Themen anbieten und die Politik daran KEIN Interesse hat. Glaubt die Politik wirklich alles besser zu wissen als die Bürger die sie vertreten sollen? Ich verfolge Ihre Arbeit auf Ihrer Homepage und in den Medien und bin froh, dass es in meiner Stadt jemanden gibt, der sich hier neural einbringt. Umso beschämender finde ich die teilweise unsachlichen öffentlichen Angriffe auf das BFI. Machen sie bitte weiter und zeigen sie der Politik einen Weg jenseits der Grabenkämpfe.
Die Stadtschulfpflegschaft fordert seit Monaten die sachliche und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema "Entwicklung der Iserlohner Schullandschaft", u. a. die Prüfung weiterer finanzierbarer Alternativen zum Ausbau des von den Eltern gewünschten Gesamtschulangebots. Hier bedarf es allerdings der Offenheit gegenüber allen denkbaren Modellen und eines transparenten Diskurses mit den Beteiligten. Sollte dies im Rückblick auf die bisherige Schuldiskussion nicht möglich sein, schließt sich die Stadtschulpflegschaft dem Vorschlag des Bildungsforums Iserlohn an, eine unabhängige Projektgruppe (ähnl. Stadt Hagen, Kleve) bzw. einen Mediator einzuschalten, um die nächsten Monate ergebnisorientiert im Sinne aller derzeitigen und zukünftigen Schülerinnen und Schüler zu nutzen.
Anja Breer
Stadtschulpflegschaft Iserlohn
06:31
Komisch, ich verstehe nicht, warum der Bürgermeister Ahrens (SPD) die Zahlen erst einmal sacken lassen muss. Seine Schulderzernentin Frau Brenner (CDU) hatte doch ähnliche Zahlen schon im Sommer 2011 genannt. Auch der Zeitplan kommt wir irgendwie bekannt vor, der lag doch auch schon letztes Jahr vor.
Komisch, warum sind diese Zahlen ausgerechnet am Tag nach der Landtagswahl bekanntgegeben worden???? Ein Schelm, der da Schlimmes denkt.
Ich bin mal gespannt wie die Parteien des Bildungsbündnisses (SPD, FDP, Grüne, Linke) damit umgehen. Sie hatten die Zahlen von Frau Brenner immer als falsch abgelehnt.
Ach ja, und was ist jetzt mit dem Schulstandort im Norden? Das Bildungsbündnis hatte die Schließung der Hauptschule durchgedrückt und jetzt gibt es keine alternative Schule im Norden.
Genau diese Art von "nach mir die Sintflut"-Politik ist es doch was an der Politik aktuell so nervt. Man hat nicht den Eindruck als gäbe es einen "Master-Plan" hinter den Entscheidungen. Vor diesen Konsequenzen (Hauptschule geschlossen UND KEINE Gesamtschule in Hennen) wurde doch von mehreren Seiten gewarnt. Nur Zuhören wollte man seitens der Politik ja nicht. Man hat lieber ohne Not Fakten geschaffen!
Man fragt sich, ob die Damen und Herren des Bildungsbündnisses tatsächlich so wenig Ahnung von der Materie haben, dass sie die Zahlen der Verwaltung (die machen solche Berechnungen öfter!) als absurd abgetan haben oder ob der Bürger bewußt getäuscht werden sollte und der Iserlohner Norden hier politisch instrumentalisiert wurde. Inkompetenz oder Unehrlichkeit?
Ich hoffe, jetzt kehrt wieder Vernunft ein und es kommt zu einem Schulkompromiss der den Namen auch wirklich verdient. Bildungspolitik verträgt keine Hektik und blinden Aktionismus. Weniger ist manchmal mehr! Langfristig planen