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WortKlang: Bei der „Stimmenflut“ schlug der Beifall in kürzester Zeit hohe Wellen

15.05.2012 | 17:01 Uhr
WortKlang: Bei der „Stimmenflut“ schlug der Beifall in kürzester Zeit hohe Wellen
Wortklang Festival 2012, Stimmflut - Das A-Cappella-Event

Eine grandiose Kulturnacht wurde am Samstagabend auf der Alexanderhöhe und im Parktheater beim Festival „WortKlang“ geboten.

Eine grandiose Kulturnacht wurde am Samstagabend auf der Alexanderhöhe und im Parktheater beim Festival „WortKlang“ geboten. „Stimmflut“ hieß das Konzert, und es hätte keinen treffenderen Titel haben können. Drei Gesangsensembles waren eingeladen, für die das A-cappella-Singen Kult ist. Klangbezirk, Ganz schön feist und Viva voce gestalteten nacheinander und zum Schluss gemeinsam den Abend. Alle Sängerinnen und Sängern hatten spürbar selber große Freude an ihrer Musik, ihren Einfällen, ihrem Miteinander und der guten Atmosphäre rund um die Veranstaltung, und so war es kein Wunder, dass der Funke übersprang und das sonst oft so spröde Sauerländer Publikum vom ersten Moment an mitging!

Das war auch nicht schwer, denn schon der Auftritt von Klangbezirk, das den Anfang des Konzertes bestritt, brachte Dichte an Konzentration und Qualität, gepaart mit gekonnter Moderation und einer Portion Humor auf die Bühne. Kein Wunder, dass der Beifall– in kürzester Zeit hohe Wellen schlug! Zwei Frauen und zwei Männer waren hier in Aktion, die mit ihrer gesanglichen Professionalität anspruchsvolle Arrangements darboten, wobei jazzige Klänge und Wendungen oft einen Schwerpunkt bildeten.

Alle vier Musiker sind Dozenten für Jazz- und Popgesang und wussten nicht nur ihre Stimmen, sondern auch die Tontechnik wirkungsvoll zu nutzen. Zum A-cappella-Gesang trat, wie auch bei den anderen Gruppen, das „Beatboxing“, in dem mit dem Mund Rhythmusinstrumente nachgeahmt werden. Zu Hilfe genommen wurde außerdem eine „loop-station“, also eine Aufnahmetechnik, die es erlaubte, live eingesungene Passagen in Endlosschleife wiederholen zu lassen und nach Bedarf auch weitere Töne hinzu zu singen.

So entstand mal ein Klangteppich aus zarter Vokalise, mal ein spritziger Rhythmus, über dem die Vier mit ihrer Kunst gemeinsam oder als Solisten eindrucksvoll zur Geltung kamen. Die Sopranistin stach mit ihrer intensiven Darbietung besonders hervor. Immer wieder überraschte das Ensemble mit interessanten Einfällen und musikalischen Anspielungen, vor allem aber auch mit dem durch ihre Chinareisen inspirierten Vortrag eines ursprünglich chinesischen Liedes, inklusive der vom Bassisten (!) imitierten chinesischen Geige. Hervorragend schließlich der improvisierte Beitrag über das Lied „Lemon Tree“.

Das nächste Ensemble bot ganz Anderes: Das Männertrio „Ganz schön feist“, das sich auf seiner Abschiedstournee befindet, sang ein „Best of“ aus 20 Jahren. Ab und an unterstützten eine Gitarre und ein Cajón die Lieder, doch meist war auch hier „a cappella“ Trumpf. Frontmann Matthias Zeh brachte mit seinem unverwechselbaren Tenor beliebte Titel wie „Tiger“, „Gänseblümchen“, „Gammelfleischparty“ oder „Du willst immer nur f…“ zu Gehör. Dabei erörterte er, begleitet von den beiden anderen Glatzenträgern in weißen Anzügen, mehr oder weniger anzüglich die gelingende oder eher misslingende Interaktion zwischen Mann und Frau sowie weitere schwerwiegende Alltagsprobleme und Peinlichkeiten. Dazu die gelungenen, erfrischenden Comedy-Einlagen im Plauderton – es ist wahrhaft bedauerlich, dass diese Männerformation ihren gemeinsamen Weg beenden will. Das Publikum jedenfalls spendete auch dem Trio stürmischen Beifall.

Mit Spannung wurde der Auftritt von Viva Voce erwartet – denn fünf Chöre aus der Region, nämlich Vox und Gib acht! aus Hagen sowie CHORnetto, RiSE UP! und die 5nach5er der Kinder- und Jugendkantorei aus Iserlohn hatten tagsüber einen Workshop von Viva Voce besucht. So begann der zweite Teil des Konzertes mit einem großen Chor, der ein Ergebnis des Workshops vorführen konnte - einen Kanon von Pachelbel, den Viva Voce mit eigenwilligem Text versehen hatten. Sehr herzlich und lobend begrüßte David, einer der Voces, die Sänger und Sängerinnen und besonders die vier Jugendlichen von 5nach5, die sich im Laufe des Tages bereit erklärt hatten, ihn bei seinem Solo zu verstärken, was sie denn auch gekonnt taten. Erst sechs Tage zuvor hatte 5nach5 die Carmina Burana im Parktheater mitgesungen.

Übersprudelnde Lust am Singen und am Klang

Dann kam Viva Voce alleine zum Zuge und zeigte mit unglaublicher Dynamik, mit übersprudelnder Lust am Singen und am Klang, was diese A-cappella-Gruppe zu bieten hat. Und das, obwohl einer der Sänger, der in erster Linie für das Beatboxing zuständig ist, kurzfristig ausgefallen war. Statt zu fünft sang das Ensemble zu viert und meisterte die Herausforderung brillant. Klar mag dem einen oder anderen das Markenzeichen, das durch den Hauptrhythmusgeber sonst entsteht, etwas gefehlt haben, doch die sängerische Qualität war so hoch, der Wohlklang so einnehmend, die Bühnenpräsenz so herausragend, dass es der Performance keinen Abbruch tat. Eine ausgezeichnete Choreographie trat zu den hintergründigen, witzigen Songs, und auch diese nahmen vielfach Themen des Alltags auf, sinnierten in Tönen über Facebook, über Schwiegermüttersöhne oder Früh-Radau-Frauen. Und dann gab es da noch zwei „Neue Songs in alten Mauern“, Lieder, die Viva Voce auf dem Kirchentag oder in Kirchengemäuern singt, womit es sich bewusst zu den eigenen Wurzeln bekennt: die meisten „Voces“ sangen früher im Windsbacher Knabenchor.

Auch Viva Voce wagte sich zum Schluss ans Improvisieren. Your my heart, your my soul, in unterschiedlichen, vom Publikum bestimmten Stilen wie Volksmusik, Oper oder Heavy Metal, ließ ein ums andere Mal wieder die Lachtränen fließen, aber auch ehrfürchtig lauschen, als nämlich Sänger David seine „klassische Seite“ zeigte.

Ein gemeinsamer Auftritt aller Beteiligten rundete die Veranstaltung ab. Es war schon weit nach 23 Uhr, als das Publikum noch immer jubelte und klatschte - so als wollte es nie aufhören.

Nach der Vorstellung gab es noch einen zauberhaften Abschluss. Das Theater Anu aus Berlin – „poetisches Theater im öffentlichen Raum“ - hatte im Gelände rund um das Parktheater die Metamorphosen des Ovid inszeniert. Der Zuschauer wurde mit Hilfe von kerzenbeleuchteten Schuhen durch eine Art bizarrer Traumlandschaft geführt, mal lieblich, mal äußerst beunruhigend. So wurde man mit Ton- und Klangcollagen, durch Skulpturen, Projektionen und Schattentheater verbunden mit zeitgenössischem Tanz und Bewegungskunst fast magisch hineingezogen in die Tiefe, vielmehr: Abgründe menschlicher Leidenschaften. Seltsam bewegt trat man nachher hinaus aus dieser Traumwelt, hinaus aus den Wortklängen …

Rahel Schöttler

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