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Größer, hochkarätiger und internationaler: Fünf Stunden Big-Band-Sound an der FH

24.05.2012 | 16:34 Uhr
Größer, hochkarätiger und internationaler: Fünf Stunden Big-Band-Sound an der FH

Iserlohn. Mit Big-Band-Musik hatte Uwe Platz im Grunde nie etwas am Hut gehabt. Er wolle Saxofonist werden, was er dann ja auch geworden ist. Dass er heute aber finanziert durch Landesmittel die Big Band der Glen-Buschmann-Akademie leitet, hätte sich der 48-Jährige früher nie träumen lassen.

Erklärend muss man dazu voran schicken, dass NRW und Deutschland in der Ausbildung von Jazz-Talenten zu professionellen Musikern im internationalen Vergleich immer sehr weit hinter gehinkt ist. Während der klassische Musik- und Ausbildungsbetrieb in Deutschland nach wie vor führend ist und Musiker und Talente aus der ganzen Welt anzieht wie ein Magnet, können Jazz-Musiker von den Verhältnissen etwa in Holland nur träumen.

Glen Buschmann war einer der ersten, der sich angeschickt hat, die Situation in NRW zu verändern, auf sein Konto gehen etwa die Gründungen der Landes-Jugend-Jazzorchester. Nachdem er im Jahr 1995 gestorben war, entschloss sich das Land, eine Jazz-Akademie aufzubauen, die jungen Talenten schon während der Schulzeit und vor dem eigentlichen Studium die Möglichkeit gibt, die Ausbildung am Instrument und die Theorie rund um den Jazz zu vertiefen und frühzeitig einen professionellen Weg einzuschlagen. Uwe Plath, der Dortmunder Saxofonist, der in Holland studiert hat und von dort weiß, wie es gehen könnte, war damals einer der Dozenten, die vom Land mit dem Aufbau dieser Glen-Buschmann-Jazz-Akademie (GBJA) für Jugendliche ab 13 Jahren in Dortmund beauftragt wurden.

GBJA ist für Schülerein echter Fulltime-Job

Und da die Big-Band-Musik als nach wie vor zeitgemäße Spielart des Jazz sämtliche Entwicklungen des Jazz überdauert hat eine Big Band gerade in der Ausbildung was Zusammenspiel, Bühnenerfahrung und auch soziale Komponenten angeht, einen hohen Stellenwert hat, hat Uwe Plath schon vor zwölf Jahren die GBJA-Big-Band gegründet, der er seit dem leitet. Das Niveau ist natürlich extrem hoch, schließlich hat Plath dort ausschließlich junge Musiker unter seinen Fittichen, die es mit der Musik wirklich ernst meinen und die bereit sind, schon während der Schule eine eine Art Vorstudium aufzunehmen. „Ein echter Fulltime-Job“ für die jungen Leute“, wie Uwe Plath sagt.

Bei einer ebenso unverhofften wie heißen Liebe zur Big-Band-Musik ist es wenig verwunderlich, dass Uwe Plath sofort mit dabei war, als in Iserlohn die Idee geboren wurde, zum 775-jährigen Stadtjubiläum ein großformartiges Big-Band-Festival mit jungen Bands zu veranstalten. Zumal er mit den Ideengebern an der Gesamtschule und der Fachhochschule schon lange eine enge Kooperationen pflegt.

Die Gesamtschule mit ihrem musikalischen Schwerpunkt, bei dem eine Klasse eines jeden Jahrgangs zu einer Big Band zusammen wächst, ist eine feste Partnerschule der GBJA. „Von dort sind schon einige junge Musiker bei uns hängen geblieben“, so Plath.

Seit 2007 arbeitet er in Iserlohn eng mit Wilfried Pieper, der die Musikabteilung der Gesamtschule leitet, zusammen. Und über freundschaftliche Kontakte zu Heinz-Joachim Henkemeier, der als Kanzler der Fachhochschule-Südwestfalen den Wunsch hatte, eine Jazz-Reihe am Frauenstuhlweg zu etablieren, fungiert er quasi zusätzlich als Impresario des Iserlohner „Jazz Campus“.

In dieser Dreier-Konstellation hat es schon einige Big-Band-Workshops mit anschließenden Konzerten in Iserlohn gegeben. Nun, zum Stadtjubiläum, hatte Wilfried Pieper aber die Idee, das ganze eine Spur größer, hochkarätiger und internationaler zu machen. Und das wird es nun in der Tat am nächsten Wochenende vom 1. bis 3. Juni.

Workshop mit Dozentenaus Amerika und Tschechien

Zunächst startet am Freitagmittag an der Gesamtschule ein Workshop mit hochkarätigen Dozenten. Neben Uwe Plath werden Ryan Carniaux und Milan Svoboda nach Iserlohn reisen. Der amerikanische Trompeter Ryan Carniaux gehört schon länger zu den Gaststars der GBJA, der auch schon an der Gesamtschule dabei war. Milan Svoboda gehört zu den wichtigsten Musikern Tschechiens, der diese Musik in seiner Heimat sehr populär gemacht hat, und der nun erstmals von der GBJA nach Iserlohn weitergereicht wird.

Anmeldungen für den Workshop sind für alle interessierten Musiker noch möglich. Und ein Konzert im Anschluss ist inklusive, denn die Workshop-Big-Band „Jazz & More“ tritt natürlich auch bei dem abschließenden Jugend-Big-Band-Festival am Sonntag, 3. Juni, im Audimax der Iserlohner Fachhochschule auf. Im Ganzen wird es an diesem Tag zwischen 14 und etwa 19 Uhr fünf Stunden lang fetzigen Big-Band-Sound geben. Mit dabei sind neben den beiden leistungsstarken Iserlohner Big Bands von der Musikschule und „JazZination“ von der Gesamtschule auch die jungen Musiker der Fitelberg-Big-Band aus Iserlohns polnischer Partnerstadt Chozów. Auch für den Festival-Tag gibt es noch Eintrittskarten.

Ralf Tiemann



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