Darauf kann Holzwickede stolz sein
27.01.2010 | 22:02 Uhr 2010-01-27T22:02:00+0100
Holzwickede. „Glückwunsch – ich bin sehr stolz auf Euch. Macht weiter so!” So gratulierte der Schauspieler Georg Uecker (Lindenstraße) gestern den Holzwickedern zur Auszeichnung als „Gemeinde ohne Rassismus - Gemeinde mit Courage”.
Uecker war als Pate der Auszeichnung ins Forum gekommen und hatte zuvor mit einer ebenso pointierten wie geistreichen Laudatio für einen Höhepunkt der Veranstaltung gesorgt. Er hatte darin nachvollziehbar gemacht, warum es ihm leicht gefallen war, die Patenschaft zu übernehmen und er dies „aus tiefster Überzeugung getan” hat. Denn er hat selbst schon früh erfahren müssen, was Ablehnung und Rassismus bedeutet.
Der zweite prominente Pate, der Regisseur Peter Thorwarth (Boom, Bang, Bang), musste seine persönliche Teilnahme kurzfristig absagen: Er steckte aus beruflichen Gründen in München fest, ließ aber ein Grußwort übermitteln.
Kein Pate, aber ein lebenslanger Überzeugungstäter im Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus ist der Dortmunder Schriftsteller Josef Reding. Obwohl gesundheitlich angeschlagen ließ es sich der Namensgeber der Holzwickeder Hauptschule nicht nehmen, seine Verbundenheit mit Holzwickede auszudrücken: Durch die Auszeichnung fühle er sich einmal mehr mit Holzwickede und den Menschen hier eng verbunden, betonte Reding: „Ich bin einer von Ihnen – jetzt und auch in Zukunft.”
Dass die Auszeichnung vor Ort auch gelebt wird, machte CSG-Schulleiter Wolfgang Kurtz deutlich, der an einen Vorfall aus dem Vorjahr erinnerte: Bei der Klassenfahrt einer 10. Klasse gab es in München einen Zwischenfall, bei dem zwei Schlägertypen drei Mädchen der Klasse belästigten und den Klassenlehrer zusammenschlugen. Zwei Mädchen und ein Junge aus der Klasse sprangen ihrem Lehrer trotz körperlicher Unterlegenheit heldenhaft bei und hielten die Schläger fest, bis die Polizei kam. Kurtz holte die drei Schüler auf die Bühne, die viel Beifall für ihre Zivilcourage bekamen.
Zur Begrüßung war Bürgermeister Jenz Rother auf den Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gestern eingegangen, der bewusst als Termin der Verleihung gewählt wurde. Besondere Grüße richtete Rother an die Gruppe Aydaco (Esperanto=Mut) des Gymnasiums und ihre Mentorin Zurah Roshan-Appel. Von ihnen ging der Anstoß zur Auszeichnung aus, nachdemn das CSG bereits 2003 als „Schule ohne Rassismus und mit Courage” geehrt worden war. Rother vergaß auch nicht Einzelne wie Bianca Riedel, Marvin Evans und Daniel Tröger (Ortsjugendring) zu erwähnen, die mit ihrem Engagement und Aktionen wie „Kratzen gegen rechts” und „Howi bleibt bunt” sich auch persönlicher Angriffen ausgesetzt hatten. Holzwickede ist nun erst die dritte Kommune in Deutschland, der dieses Prädikat verliehen wurde. Übereicht wurde die Auszeichnung von Henning Flad von der Koordinierungsstelle „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage”, der aus Berlin angereiste. Flad lobte das Engagement der Holzwickeder ehrlich: Es sei schon besonders, wie nachhaltig die Aydaco-Gruppe und Zurah Roshan-Appel, aber auch andere Holzwickeder trotz persönlicher Anfeindungen und mit großem Mut Widerstand gegen Rassismus und Rechtsextremismus leisteten.
Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Bigband des CSG sowie Sevgi Kahraman und Wolfgang Brust.
0mitdiskutieren