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Als der Metrorapid in Holzwickede stoppen sollte

25.02.2010 | 08:43 Uhr

Holzwickede. Es war ein kühner Traum: Vor zehn Jahren veröffentlichte die Landesregierung eine Machbarkeitstudie zum Transrapid. Der Magnetschnellbahn wurde große Chancen eingeräumt, gebaut zu werden. Wäre es dazu gekommen, wäre Holzwickede jetzt Transrapid-Bahnhof.

Mit dem Transrapid von Holzwickede Hbf zum Flughafen Dortmund? Nach einer Machbarkeitstudie des Landes standen die Chancen, dass der supermoderne Transrapid tatsächlich in NRW gebaut und Holzwickede an die moderne Magnetschwebebahn angeschlossen wird, nicht schlecht.

Das war vor genau zehn Jahren. Heute, im Jahr 2010, haben Land und Kommunen andere Sorgen und mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise zu kämpfen. Statt hochtrabender Hightech-Projekte können sie kaum die Frostschäden auf den Straßen beseitigen. Und die Vision von damals scheint nichts weniger als größenwahnsinnig.

Fotomontage Transrapid (erschien am 29. März 2000) in der WR Unna

Metrorapid hieß die Transrapidstrecke, die im Ruhrgebiet geplant und 2006 starten sollte. Im Juni 2003 wurde das Projekt endgültig von NRW–Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) zu den Akten gelegt. Im März 2000 hätte sein Vorgänger Wolfgang Clement „die modernste Verkehrstechnologie der Welt” noch liebend gerne in der Rhein-Ruhr-Region realisiert. Eine vom Land in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie sah vor, alle Großstädte und Flughäfen der Region ringförmig miteinander zu verbinden. Das moderne Verkehrsmittel, aufgeständert auf einer Hochtrasse, sollte die Entfernungen schrumpfen lassen: vom Flughafen Düsseldorf bis zum Flughafen Dortmund nur noch eine halbe Stunde Fahrzeit. Keine Punktverbindung, sondern „ein vollständiges Verkehrssystem” sollte entstehen: ein Metrorapid für die Metropolregion Rhein-Ruhr. Zwar würde das Milliardensummen kosten. Doch wirtschafts-, verkehrs- und auch umweltpolitisch mache das Projekt Sinn, so die Studie.

Da in einem der am dichtesten besiedelten Regionen Europas kaum Platz für eine Magnetbahn wäre, wollte man für die Trasse vorzugsweise bestehende Bahnstrecken und Verkehrsadern wie die B 1/A 44 nutzen. Konkret sollte der Dortmunder Bahnhof, der damals noch ein UFO werden sollte, mit dem Flughafen an der Chaussee verbunden werden: entweder über die S-Bahnstrecke nach Wickede oder die Bahnlinie von Dortmund nach Holzwickede.

Info
Milliardenprojekt

Der Metrorapid wurde im Jahr 2000 von einigen Politikern und den Systemherstellern des Transrapid, der Thyssen-Krupp AG in Düsseldorf, und der Siemens AG ins Gespräche gebracht. Anlass war das Scheitern der Magnetschnellbahn Berlin-Hamburg.

Bei einer Streckenlänge von 78,9 km sollte eine Spitzentempo von 300 km/h erreicht werden. Die Strecke führte von Dortmund über Bochum, Essen, Mülheim, Duisburg nach Düsseldorf. Der Metrorapid sollte im 10-Minuten-Takt jährlich 34,5 Mio. Fahrgäste befördern.

Ersten Hochrechnungen nach sollten die Baukosten mindestens 3,2 Mrd. Euro betragen. Aus Kostengründen wurde das Projekt im Juni 2003 von der damaligen NRW-Landesregierung eingestellt.

Der damalige Flughafenchef Heinz A. Nunkesser schwärmte davon, seinen Flughafen „mit der weltweit modernsten Verkehrstechnologie verbinden” zu können. „Die Topsache schlechthin”, so Nunkessers Urteil. „Wir hätten zum ersten Mal ein optimal vernetztes Verkehrssystem.” Fluggäste bekämen neue Wahlmöglichkeiten, wenn sie im 10-Minuten–Takt zwischen Flughäfen transportiert würden. Auch der Flughafen Dortmund werde durch den Metrorapid enorm aufgewertet, glaubte Nunkesser. „Schon, dass wir angebunden werden sollen an den Metrorapid, zeigt den Stellenwert unseres Flughafens.” Einziges Problem, das der Flughafenchef sah, war die Anbindung: „Der Bahnhof Holzwickede ist zu weit weg von uns.” Was indes auch für den Haltepunkt Dortmund-Wickede galt. Er schlug daher die Verknüpfung des Flughafens mit dem Bahnhof Holzwickede vor – „möglichst direkt am Haupteingangsbereich”. Eine erste Grundstudie dazu lag bereits vor. Doch die Aussicht, einen Metrorapid über die Nordstraße schweben zu sehen, weckte bei der Holzwickeder Politik zwiespältige Gefühle. So fand es Bürgermeister Jenz Rother zwar „schön, wenn wir in 20 Minuten in Köln oder Düsseldorf” sein könnten. Andererseits sei es „eine absolut schlimme Vorstellung”, dass der Norden Holzwickedes auch noch mit einer hochstelzigen Metrorapid-Trasse überbaut werden könnte.

Peter Gräber

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Kommentare
25.02.2010
06:47
Als der Metrorapid in Holzwickede stoppen sollte
von sukram | #1

Gottseidank ist dieser Schwachsinn als ganzes verhindert worden; der Abschnitt vom Dortmunder Hbf zum Flughafen war als erstes dran. Hier reichte es zum guten Schluss noch nicht einmal zum Bau einer Straßenbahn.

Ansonsten war der Transrapid eine technologische Mogelpackung. Mit diesem Verkehrsmittel löste man Probleme, die man zuvor nicht hatte und es ist kein Wunder, dass der Transrapid auch ein wirtschaftlicher Flopp war. Es mag ja faszinierend sein, statt auf Rädern zu rollen auf Magneten zu schweben, aber sobald die nackten Zahlen auf den Tisch kamen, war Schluss mit Lustig.

Auch in technischer Hinsicht war das Projekt Wahnsinn. Quer durchs Ruhrgebiet einen 70 bis 80 km langen Motor (!) zu bauen und das ganze auf einer Trasse, die keinerlei Kompatibilität mit anderen Verkehrsträgern besitzt, konnte nur technikverliebten Köpfen entspringen.

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