Kampf für Delfine vor laufender Kamera
03.10.2008 | 19:22 Uhr 2008-10-03T19:22:11+0200Hohenlimburg. Donnerstag. 13 Uhr. Es geht eng zu im Büro von Jürgen Ortmüller, der gelassen an seinem Schreibtisch sitzt. Vor ihm sitzt eine Journalistin des WDR, durchlöchert ihn mit Fragen, die er mit großer Fachkompetenz beantwortet. ...
... Zwei Kameraleute haben eine große Kamera aufgestellt, nehmen alles auf. Das Interview wird heute Abend um 18.50 Uhr im WDR-Fernsehen in der Aktuellen Stunde ausgestrahlt. Der Hohenlimburger Jürgen Ortmüller, Vorsitzender des Wal- und Delfinschutzforums, erklärt darin die Gründe, warum das WDSF heute um 12 Uhr in Münster vor dem Rathaus auf dem Prinzipalmarkt gegen den Münsteraner Allwetter-Zoo demonstriert.
"Der Zeitpunkt könnte nicht passender sein", sagt Ortmüller. Denn heute ist Welttierschutztag. Doch auch sonst sei eine Demonstration überfällig gewesen, betont er. Der Hauptvorwurf des WDSF an den Allwetterzoo in Münster: "Die nicht artgerechte Haltung von Delfinen!" Es hat das Forum dazu erwogen, rechtliche Schritte einzuleiten. "Einen Delfin in einem Betonbecken zu halten, kann von Natur aus schon nicht artgerecht sein", sagt Ortmüller und ergänzt: "Doch jetzt verstößt der Zoo auch noch gegen die Gesetze, die diese Tierhaltung überhaupt erlauben."
Zur Erklärung: Das WDSF wirft dem Delfinarium in Münster vor, zu viele Tiere auf einer zu kleinen Fläche zu halten. Denn dort schwimmen seit einigen Wochen drei neue Delfine in den Becken herum. Drei Jungtiere aus Holland, die für die Zeit ihrer Adoleszenz getrennt von ihren Familien leben. So sei es auch in der Natur, betonen die Betreiber des Delfinariums. Sobald die Delfine alt genug für die Zucht seien, würden sie den Münsteraner Zoo wieder verlassen. So wie der 22 Jahre alte Nemo, der dafür nun in den Becken in Harderwijk in Holland schwimmt.
Für die Delfinschützer aus Hagen kein akzeptabler Zustand. "Die vorhandene Größe und Wassermenge reicht für die jetzige Anzahl von Tieren nicht aus. Damit liegt eindeutig ein Gesetzesverstoß vor", sagt Jürgen Ortmüller. Mehr erklärt er heute Abend um 18.50 Uhr.
15:06
Delfine sind für Delfinarienbesitzer ein gutes Geschäft: Sie locken Zuschauer an und lassen die Kassen klingeln. Doch hinter den Kulissen der scheinbar spielerischen Darbietung läuft ein unerbittliches, für den Delfin oft tödliches Geschäft ab: Viele Delfine sterben bereits während des Fanges und des Transports. Im chemisch aufbereiteten Wasser der engen, kahlen Becken und dem fehlenden biologischen und sozialen Umfeld leben die Tiere unter Streß und Haftpsychose. Die Sterblichkeit der gefangenen Delfine ist außerordentlich hoch. Die Tiere sterben häufig an Lungenentzündung, Herzversagen, Kreislaufkollaps und Vergiftungen. Die Lebenserwartung ist entsprechend niedriger als in Freiheit. Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.