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Sebastian Pieper

Rezepte per Mail: Geschäftsidee im Internet angezettelt

23.01.2010 | 05:00 Uhr

Herscheid. Hinter Sebastian Pieper liegt ein „total spannendes Jahr”. Wäre ihm vor zwölf Monaten prophezeit worden, dass er sich mit einer ungewöhnlichen „ZettelwirtschaftIdee” selbstständig machen würde, der weitgereiste Architekt mit Wurzeln in Friedlin hätte lauthals gelacht.

Ein „Marktlücken-Syndrom” packte den begeisterten Hobbykoch Sebastian Pieper nach Ablegung seines Diploms mit Macht.

Sebastian Pieper aus Herscheid macht sich mit einer Geschäftsidee rund um das tägliche Essen selbstständig Foto: Sebastian Pieper

Nach der Arbeit einkaufen müssen und der Supermarkt hat gerade geschlossen, kurz vor Toresschluss durch den Laden hetzen und dabei die Hälfte vergessen – die Beschaffung von Lebensmitteln, die bange Frage „Was koche ich heute?” oder „Hab' ich genug im Kühlschrank?” vergällten den Spaß am Selberkochen.

„Da bin ich auf die Idee gekommen, meine 'Zettelwirtschaft' anzuzetteln”, schmunzelt der 27-Jährige. Das Prinzip ist einfach: Der Kunde erhält per E-Mail einen Speiseplan mit Bildern für jeden einzelnen Tag der Woche. Clou an der Sache: Mitgeliefert werden nicht nur ansprechend bebilderte Rezepte, sondern auch eine Aufstellung der benötigten Zutatenmengen sowie ein Plan im Geldbörsen-Format, auf dem sich jeder ankreuzen kann, was er einkaufen muss, weil's frisch sein soll und/oder nicht mehr im Vorrat von Küche und Keller ist.

Feldforschung mit Familie und Freunden

Beim Konzipieren kamen Sebastian Pieper nicht nur die während des Architekturstudiums miterlernten Fähigkeiten – viele kleine Bausteine und Elemente bilden schließlich das Traumhaus – zu Gute. Auch das Wissen von Freundin Julia floss ins Konzept mit ein. Das Tüpfelchen aufs „i” setzten allerdings Familie, Verwandte und Freunde aus allen Ecken der Republik. Denn „Zettelwirtschaft”-Entwickler Sebastian Pieper stellt hohe Ansprüche an sein Konzept: „Der Speiseplan für die fünf täglichen Mahlzeiten soll abwechslungsreich, das Essen schmackhaft, die Zutaten nicht zu teuer und – wie Gemüse – zur jeweiligen Jahreszeit verfügbar sein.” Wichtig außerdem: „Wir klauen keine Rezepte, wir haben alles selbst entwickelt, haben in Gartenbüchern gestöbert oder Händler auf dem Markt nach dem Angebot der Saison befragt.”

Den Schwerpunkt dieser Feldforschung bildete jedoch die Praxis, sprich das Zubereiten von Mittagessen, Kuchen, Keksen, Salaten oder den originell belegten „Brotwiches”, einer Kombination aus Pausenbrot und Sandwich, für den kleinen Hunger zwischendurch. In den Friedliner Familienküchen (das Wissen von Sebastian Piepers Omas ums leibliche Wohl ihrer Lieben war Gold wert) wurde geschnibbelt, geputzt, gewürzt, ausprobiert, verbessert, abgeschmeckt, verspeist und das optimale Ergebnis per Digitalkamera festgehalten.

Gar nicht so einfach sei das gewesen, erinnert sich Sebastian Pieper. Denn schließlich sollte das Zusammengestellte im besten Lichte präsentiert werden. Geld für eine professionelle Studioausrüstung inklusive Scheinwerfer war erst einmal nicht vorhanden, die Sonne draußen musste dafür herhalten. „Während wir in der Küche arbeiteten, behielt einer das Wetter im Blick. Nahte eine Wolkenlücke, hieß es, die Kreation rasch nach draußen zu tragen.”

„Testnutzer” sind völlig begeistert

Angesichts des regnerischen Sauerlandhimmels ein wahrer Kampf, bei dem so manches Salatblatt dahinwelkte und manche Dessertkreation schmolz. Entstanden ist mittlerweile eine riesige Datenbank mit tausenden von Rezepten, die ebenso aufstockbar ist, wie Geschmäcker verschieden sind. „Die ersten 'Testnutzer' des Systems sind auf jeden Fall begeistert”, ist Sebastian Pieper ganz stolz auf sein „Baby”. „Viele haben mir gemailt, dass sie auf ein solches Angebot echt gewartet haben. Vielleicht kann manches noch perfekter gemacht werden, doch alle Beteiligten hatten bislang viel Spaß an der Entwicklung und haben im zurückliegenden Jahr ganz viel Neues erlebt.”

INFO:

  • Das Angebot ist im Internet unter www.meineZettelwirtschaft.de aufrufbar.
  • Jeden Samstagmorgen findet der Abonnement Speiseplanvorschlag, Mengenangaben sowie Einkaufszettel im Mail-Briefkasten und druckt sie sich aus.
  • Wer Kunde wird, erhält zu Beginn – auf dem klassischen Weg per Briefträger – eine unterhaltsam-informative Broschüre inklusive mehrerer Rezepte wie „meineZettelwirtschaft.de” entstanden ist.

Claudia Homuth

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