Mit Zeitkonten die Krise überstanden
14.03.2010 | 19:00 Uhr 2010-03-14T19:00:00+0100Herscheid. Mit Zeitkonten und Kurzarbeit hat der Stanzbetrieb Otto Bauckhage die Krise überstanden, dreistellige Stahlpreiserhöhungen sind als nächste Hürde zu überwinden.
Wie geht es einem mittelständischen Unternehmen mit 38 Mitarbeitern in der Krise? Das erfuhr die Herscheider FDP am vergangenen Samstag bei einer Betriebsbesichtigung im Müggenbruch von den Eigentümer-Geschäftsführern Heike Schäfer und Dietmar Schöttler.
Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Unternehmens, das 1960 von Otto Bauckhage in Friedlin gegründet wurde, berichtete Dietmar Schöttler, dass man die Krise wohl überstanden habe. Der Bau einer neuen Halle sei 2008 abgeschlossen gewesen, für die Abteilung Sortiertechnik eigene Räumlichkeiten geschaffen worden. Da keine dringenden Investitionen anstanden, einer der größten Kunden aus der Automobilindustrie aber in 2009 das erfolgreichste Jahr seiner Firmengeschichte geschrieben habe, sei man mit Zeitkonten und Kurzarbeit mit einem blauen Auge davongekommen. Seit Ende Oktober 2009 werde schon wieder fast jeden Samstag gearbeitet.
Hängen gelassen worden sei man von den Kreditversicherern, da man aber nicht mit Internationalen Banken, sondern mit Geldinstituten vor Ort seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeite, sei auch das kompensierbar gewesen.
Automobilindustrie: Druck lässt nach
„2008/09 waren Einkäufer-Jahre. Es gab ein Überangebot auf dem Markt", so Dietmar Schöttler. Nachdem die Lager abgebaut wurden, werde jetzt wieder überall nachgeordert. Nachgelassen habe der Druck der Automobilfirmen, ihnen an Standort im Ausland folgen zu sollen. „Man kann hier nicht mehr alles herstellen", sagt Dietmar Schöttler. Dennoch sieht er die Zukunft am Standort Deutschland.
„Wir können nur von zufriedenen Kunden leben", erläuterte Schöttler die Bemühungen, eine 100 Prozent-Qualität zu liefern. Mit Hilfe fotooptischer Sortiermaschinen, in denen Kameras jedes Teil von allen Seiten kontrollieren und messen, gelingt das. Für einen Kunden werden z. B. 100 Millionen Teile im Jahr geliefert – mit 100 Prozent Qualität. „Das, was wie eine Unterlegscheibe aus dem Baumarkt aussieht, ist in Wirklichkeit ein hochpräzises Teil für die Gasdämpfer-Fertigung”, so der Bauckhage-Geschäftsführer.
Bei einem Rundgang durch den Betrieb wurde schnell deutlich, dass zertifizierte Unternehmen wir Otto Bauckhage einem klinisch reinen Produktionsraum immer näher kommen. Rund um die 10 Stanzaggregate ist reichlich Platz, Material wird separat gelagert, ein eigener Werkzeugbau sowie die Verpackungs- und Versandabteilung runden die Unternehmenslogistik ab.
Die FDP-Vertreter um die Vorsitzende Angelika Hahn und den Fraktionsvorsitzenden Alexander Zuchowski zeigten sich beeindruckt: "Hut ab! Hochachtung vor Ihrer Leistung! Wir bräuchten ein ganze Industriegebiet solcher Unternehmen!"
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